Aktuelle Themen:

Bild: watson/shutterstock

Muss Donald Trump bald seine Finanzen offen legen?

Der US-Supreme Court hat sich am Dienstag mit zwei Klagen befasst, die fordern, dass der Präsident seine Finanzdokumente freigeben muss. Der Entscheid könnte historische Folgen haben.

Publiziert: 13.05.20, 14:45 Aktualisiert: 13.05.20, 15:12

Die Covid-Fälle steigen immer noch, die Börsenkurse fallen wieder, selbst im Weissen Haus hat das Coronavirus zugeschlagen: Man könnte in diesen Tagen direkt Mitleid mit Donald Trump bekommen. Dabei steht ihm das Schlimmste vielleicht noch bevor. Im Juli muss er möglicherweise seine Finanzen offen legen.

Seit Richard Nixon ist es üblich, dass amerikanische Präsidentschaftskandidaten ihre Steuererklärung öffentlich machen. Trump hat dies zwar ebenfalls versprochen, aber nie getan. Mit der fadenscheinigen Begründung, die Steuerbehörde sei immer noch am Prüfen, hat er sich bis heute standhaft geweigert, Einblick in seine Finanzen zu gewähren. Eine gesetzliche Pflicht dazu besteht nicht.

Über Trumps Finanzen kursieren deshalb jede Menge Gerüchte. Um die Wahrheit zu erfahren, sind zwei Verfahren gegen den Präsidenten eingeleitet worden.

Müssen einen historischen Entscheid fällen: Die Richter des Supreme Court. Bild: AP

Im Zusammenhang mit der Russland-Affäre hat das von den Demokraten beherrschte Abgeordnetenhaus verlangt, dass das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Mazars USA LLP, die Deutsche Bank und die Capital One Financial Corp. die Dokumente herausrücken, welche ihre Geschäfte mit Trump betreffen.

Gleichzeitig hat die Staatsanwaltschaft von New York im Zusammenhang mit den Schweigegeld-Zahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und das Playboy-Model Karen McDougal ebenfalls Einblick in Trumps Finanzen verlangt. Diese Zahlungen haben gegen geltendes Wahlrecht verstossen. Trumps ehemaliger persönlicher Anwalt Michael Cohen ist deswegen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bei einem Hearing vor dem Abgeordnetenhaus hat Cohen ausgesagt, im Auftrag des Präsidenten gehandelt zu haben.

Trump hat sich mit Zähnen und Klauen dagegen gewehrt, seine Finanzen offen zu legen. Er hat ein eigenes Anwaltsteam zusammengestellt, das durch alle Gerichtsinstanzen hindurch ebendies verhindern soll. Ohne Erfolg. Das Trump-Team hat bisher stets verloren. Deshalb muss nun die höchste Instanz entscheiden.

Weil die beiden Klagen grosse Überschneidungen aufweisen, hat der Oberste Gerichtshof beschlossen, sie zusammenzufassen. Am Dienstag haben die Richter die Argumente der Parteien angehört. Das Verfahren wurde wegen Corona per Telefon durchgeführt und war öffentlich. Es ist nicht gut gelaufen für den Präsidenten.

Musste seinerzeit die Tonbänder herausrücken: Richard Nixon. Bild: AP/AP

Trump ist nicht der erste Präsident, der eine Untersuchung verhindern will. Richard Nixon wollte im Falle von Watergate die legendären Tonbänder nicht herausrücken. Bill Clinton wollte ein Verfahren wegen sexueller Belästigung unterdrücken. Beide verloren vor dem Supreme Court.

Das könnte nun auch Trump zum Verhängnis werden. «Wie sollen wir unterscheiden zwischen Whitewater (einem Verfahren), in dem die persönlichen Akten Präsident Clintons von seinem Buchhalter verlangt wurden, und dem Verfahren gegen Trump?», fragte etwa Richterin Ruth Bader Ginsburg.

Trumps Anwälte führten Grundsätzliches an. Jay Sekulow, der schon im Impeachment-Prozess eine tragende Rolle spielte, beschwor die Richter mit dem Argument: «Es ist völlig klar, worum es hier geht. Die Präsidentschaft wird schikaniert und soll mit unsauberen Mitteln unterwandert werden.»

Trumps Anwalt begibt sich mit dieser Argumentation auf dünnes Eis. Er fordert nämlich letztlich, dass der Präsident, solange er im Amt ist, nicht nur nicht angeklagt werden darf, sondern dass auch nicht gegen ihn ermittelt werden darf.

Skeptisch: Ruth Bader Ginsburg. Bild: AP

Was dies konkret bedeutet, kann man am besten mit dem Beispiel erläutern, das Trump selbst ins Gespräch gebracht hat. «Ich kann jemanden mitten auf der Fifth Avenue erschiessen, ohne dass mir etwas geschieht», prahlte er einst. Folgt man Sekulows Logik, dann kann der Präsident nicht nur ungestraft jemanden erschiessen, es darf ihn auch niemand daran hindern, weiter zu ballern.

«Niemand steht über dem Gesetz.» Dieser Grundsatz ist den Amerikanern heilig und wurde während des Impeachments bis zum Erbrechen wiederholt. Doch genau dies fordert Trump. Er verlangt absolute Immunität, zumindest solange er Präsident ist. Damit wäre auch die Kontrollfunktion des Parlaments de facto ausser Kraft gesetzt.

Das könnte selbst für die konservativen Gesetzeshüter zu viel sein. So warf Richterin Elena Kagan skeptisch ein: «Ich habe das Gefühl, sie verlangen von uns, dass wir ein Gewicht von zehn Tonnen auf die Waagschale zugunsten des Präsidenten gegen den Kongress werfen, und es so verunmöglichen, dass der Kongress seiner Überwachungspflicht gegenüber dem Präsidenten nachkommen kann.»

Angesichts der grossen Tragweite ihres Entscheides, wollen sich die neun Richter Zeit lassen. Ihr Spruch wird frühestens im Juli erwartet. Sie haben drei Optionen: Sie können für oder gegen Trump entscheiden oder diesen Entscheid zur Revision an eine niedrige Instanz zurückweisen.

Hat sich verplappert: Eric Trump. Bild: AP/AP

Eine Niederlage hätte für Trump weitreichende Folgen. Seine Hausbank, die Deutsche Bank, hat bereits erklärt, sie würde einem Entscheid des Obersten Gerichtshofes Folge leisten. Damit würde höchstwahrscheinlich das grösste Geheimnis der Trump-Präsidentschaft geklärt werden: Hat er im grossen Stil russisches Geld gewaschen oder nicht?

Indizien dazu gibt es zuhauf. So hat sein Sohn Eric – er gilt nicht als die hellste Kerze der Familie – einst gegenüber einem Golfjournalisten freimütig erklärt: Die Finanzierung der Golfplätze in Schottland und Irland sei kein Problem gewesen. Es sei reichlich russisches Geld geflossen.

Coronavirus in den USA

Die Coronakrise hat die USA voll erwischt und die Schwachstellen des vermeintlich mächtigsten Landes der Welt schonungslos aufgedeckt. EPA / EUGENE GARCIA
Die Basketballliga NBA schickt während des All-Star-Weekends am 14. Februar eine Solidaritätsbotschaft nach Wuhan. Zu jenem Zeitpunkt ahnt kaum jemand, wie schlimm es die USA treffen wird. EPA / NUCCIO DINUZZO
Präsident Donald Trump besucht am 6. März das Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention in Atlanta. Er hatte das Coronavirus lange verniedlicht und die Krise heruntergespielt. AP / Alex Brandon
Am 7. März verhängt Gouverneur Andrew Cuomo den Notstand über den Bundesstaat New York. Die Metropole New York City wird schrittweise in den Stillstand versetzt. AP / John Minchillo
Die «City that never sleeps» wirkt wie ausgestorben. Selbst auf dem Times Square ist nichts los. AP / Seth Wenig
In der sonst so geschäftigen Grand Central Station herrscht gähnende Leere. AP / Frank Franklin II
Die Theater am Broadway müssen zum ersten Mal in ihrer Geschichte schliessen. AP / Kathy Willens
Am 11. März teilt Hollywoodstar Tom Hanks mit, er und seine Frau Rita Wilson seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. AP / Jordan Strauss
Die Zahl der Corona-Tests ist von Anfang an ein grosses Problem. Ein erster selbst entwickelter Test erweist sich als fehlerhaft. Mit der Zeit entstehen überall mobile Testzentren, wie hier in Bolinas (Kalifornien). EPA / JOHN G. MABANGLO
Eine Motorradfahrerin mit Maske am südlichsten Punkt der USA in Key West (Florida). Noch im März vergnügten sich zahlreiche Jugendliche am Spring Break an den Stränden im Sunshine State. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Ein Wandbild in Seattle mahnt zum Abstandhalten. Die Wirtschaftsmetropole an der Westküste ist einer der ersten Corona-Hotspots in den USA. AP / Elaine Thompson
Ein grosses Problem ist der Mangel an Schutzmaterial. Eine aus Freiwilligen bestehende Organisation in Alameda (Kalifornien) sammelt unter anderem T-Shirts, um daraus Schutzkleidung zu fabrizieren. EPA / JOHN G. MABANGLO
Etwas Humor darf auch sein: Ein Bäcker in Chicago kreiert eine Torte in Gestalt einer Rolle Toilettenpapier. AP / Nam Y. Huh
Der Immunologe Anthony Fauci wird in der Coronakrise zur Stimme der Vernunft und bildet damit den Kontrast zum irrlichternden Präsidenten. AP / Evan Vucci
Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Virus schickt die Börsenkurse weltweit auf Talfahrt. Inzwischen haben sie in der Hoffnung auf eine rasche Erholung einen grossen Teil der Verluste wettgemacht. AP / Richard Drew
Dagegen spricht der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit. Seit März haben 33 Millionen Amerikaner den Job verloren. Und die Arbeitsämter kommen mit der Bearbeitung der Anträge nicht nach. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Mit der Arbeitslosigkeit nimmt die Nachfrage nach Lebensmittelhilfe stark zu. Vor den Food Banks wie hier in San Antonio (Texas) warten selbst schicke Autos im Stau. EPA / LARRY W. SMITH
Am schlimmsten von der Krise getroffen bleibt New York. Teilweise müssen die Körper toter Covid-Patienten in Kühllastern gelagert werden, weil in den Leichenhallen nicht genug Platz ist. EPA / JUSTIN LANE
Im Central Park wird ein notfallmässiges Feldspital mit Zelten errichtet. EPA / JUSTIN LANE
Zur Entlastung der Spitäler schickt die Navy das Lazarettschiff «Comfort» nach New York. EPA / Peter Foley
Trauerfeier mit Masken und Sicherheitsabstand für ein Covid-19-Opfer in New Orleans. Schwarze sind von der Pandemie überdurchschnittlich stark betroffen. AP / Gerald Herbert
Mit zunehmender Dauer der Krise verlangen immer mehr Menschen ein Ende des Lockdown. Besonders heftig sind die Proteste im Bundesstaat Michigan gegen Gouverneurin Gretchen Whitmer. AP / Paul Sancya
Unter den Demonstranten wie hier in Maryland sind viele Fans von Donald Trump. Der um seine Wiederwahl fürchtende Präsident schürt die Proteste via Twitter. EPA / MICHAEL REYNOLDS
Einige von der Republikanern regierte Bundesstaaten beginnen Ende April mit der Lockerung. Ein besonders forsches Tempo legt Georgia vor, wo auch Restaurants wieder öffnen dürfen. EPA / ERIK S. LESSER
Ein Wandgemälde in Los Angeles dankt dem Spitalpersonal. Bis Anfang Mai sind mehr als 70'000 Personen in den USA an Covid-19 gestorben, und eine interne Prognose der Regierung rechnet mit 135'000 Toten bis August. EPA / ETIENNE LAURENT

Die verrücktesten Momente aus Trumps Corona-Pressekonferenzen

Video: watson / een

Das könnte dich auch interessieren:

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben