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Kalifornien brennt – die Frage ist: Wer ist schuld?

Publiziert: 18.09.20, 15:02 Aktualisiert: 18.09.20, 15:34

Waldfeuer in Kalifornien brennen weiter

Video: watson

Es sind Rekorde, die Angst machen: Ein seit Mitte August wütender Waldbrand in Nordkalifornien hat sich auf eine Fläche von fast 3400 Quadratkilometer Land vorgefressen, es ist das flächenmässig grösste Feuer in der jüngeren Geschichte des «Goldenen Staates».

Dutzende Grossbrände haben in diesem Sommer mehr Land als je zuvor in einem Jahr zerstört. Fünf Mega-Feuer sind auf die Liste der 20 verheerendsten kalifornischen Brände aller Zeiten vorgerückt.

Schlimmer noch als die Zahlen sind die Bilder der Zerstörung, auch aus dem Nachbarstaat Oregon: Ortschaften liegen in Schutt und Asche, in panischer Hast konnten viele Anwohner nur wenige Habseligkeiten retten, Dutzende starben in dem Inferno. Dichter Rauch verdunkelt den Sonnenstaat, Russpartikel der Brände ziehen bis nach Europa.

Längst sind hitzige Debatten entbrannt. Was sind die Gründe für die Katastrophe, wie ist Abhilfe zu schaffen? Politiker, Klimaschützer und Feuerexperten liefern Erklärungen und werfen Fragen auf.

WALDBRÄNDE UND WAHLKAMPF

Bild: keystone

Bereits zum zweiten Mal während seiner Amtszeit ist US-Präsident Donald Trump ins brennende Kalifornien gereist. Wie schon 2018 in den ausgebrannten Ruinen des Ortes Paradise spielte der Republikaner auch diese Woche die Bedeutung des Klimawandels herunter. Stattdessen machte er das aus seiner Sicht schlechte Forstmanagement für die Intensität der Brände verantwortlich.

Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden hielt sofort dagegen. Trump betätige sich als «Klima-Brandstifter», indem er den Klimawandel weiter leugne, sagte Biden. Der Demokrat reiste nicht persönlich nach Kalifornien, dafür aber seine Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris. Die politische Führung müsse den Klimawandel ernst nehmen und alles tun, um derartige Schäden abzuschwächen, betonte die Senatorin aus Kalifornien.

EXPERTEN ERKENNEN MEHR ALS EINE URSACHE

Wissenschaftler sehen es als erwiesen an, dass die Klimakrise Wetterextreme wie Trockenheit und Hitze verschärft, die zu heftigeren Waldbränden beitragen können. «Was hier passiert, ist schockierend, aber keine Überraschung», sagt Timothy Ingalsbee. Der langjährige Feuerwehrmann und Ökologe ist Leiter des Verbands «Firefighters United for Safety, Ethics & Ecology» in Eugene (Oregon). «Der Klimawandel hat ideale Bedingungen für grosse, schnell um sich greifende Waldbrände geschaffen», erklärt Ingalsbee. «Höhere Temperaturen, geringere Feuchtigkeit, stärkere Winde, mehr Gewitterstürme mit Blitzen, dies sind alles 'Red Flag'-Bedingungen für schlimme Feuer.»

«Natürlich ist der Klimawandel real, von Menschen verursacht und an diesen Feuern deutlich abzulesen», sagt auch Craig Clements, Klimawissenschaftler an der San José State University. Er und sein Team jagen Feuern nach, ähnlich wie die sogenannten Storm Chaser, die Hurrikans verfolgen. Doch neben dem Klimawandel verweist Clements auf die Anhäufung von leicht brennbarer Biomasse. «In den Wäldern ist zu viel trockenes Unterholz und Buschwerk, das sich schnell entzündet».

Die USA brennen

keystone / PETER DASILVA
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keystone / ETIENNE LAURENT
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Für Flammen anfälliger sind auch die durch Dürren und starken Borkenkäferbefall geschwächten Bäume in den kalifornischen Wäldern. Der Bestand an abgestorbenen Bäumen in der Sierra Nevada wurde 2019 von der Forstbehörde auf rund 150 Millionen geschätzt.

FORSTMANAGEMENT UND «GUTE FEUER»

Seit Jahrzehnten wird in Kalifornien Feuerunterdrückung praktiziert. Die Feuerwehr geht sofort gegen Waldbrände vor, vor allem, wenn die Flammen Siedlungen bedrohen. In dem Staat mit 40 Millionen Einwohnern leben immer mehr Menschen in feuergefährdeten Regionen. «Kalifornien ist natürlicherweise eine grosse Brandzone und Leute gehen das Risiko ein, in der Natur zu leben.» Seit 100 Jahren würden Feuerwehrleute zur Bekämpfung der Flammen eingesetzt, doch das werde nun immer gefährlicher, sagt der US-Ökologe Stephen Pyne. Der «Feuerhistoriker», emeritierter Professor an der Arizona State University, hat viele Bücher über Wald- und Buschbrände verfasst.

Durch die langjährige Feuerunterdrückung in den Wäldern komme es zu einer Anhäufung von brennbarem Material und schliesslich zu explosiven Grossfeuern, erklärt Pyne. Er und viele andere Experten wünschen sich mehr «gute Feuer» durch häufigeres, kontrolliertes Abbrennen von dichter Vegetation, so wie es in der Natur regelmässig vorkommen würde. «So haben es über hunderte Jahre die indigenen Völker gemacht», sagt Ingalsbee. «Auf diese Weise kann man den Wald ausdünnen und regenerieren. Das ist gutes Waldmanagement, im Gegensatz zum Abholzen grosser Bäume».

So wüten die Waldbrände in Kalifornien

Video: watson

ALLJÄHRLICH WIEDERKEHRENDES PROBLEM

Die Feuersaison 2020 hat in Kalifornien jetzt schon eine Fläche von mehr als 14'000 Quadratkilometern Land zerstört – ein Rekord laut der Behörde Cal Fire, die seit 1987 diese Jahresstatistik führt. Und dem Staat steht das Schlimmste möglicherweise noch bevor, denn gewöhnlich erreicht die Feuersaison im späten Herbst nach einem langen trockenen Sommer ihren Höhepunkt. «Dies ist schon das vierte Jahr in Folge mit Grossbränden, es gibt keine Pausen mehr, es bricht Jahr für Jahr über uns herein und der Herbst steht noch bevor», so der Feuer-Ökologe Pyne.

«Waldbrände sind ebenso wenig zu leugnen wie Klimawandel», sagt der Ökologe Ingalsbee. Nur auf wissenschaftlicher Basis über Parteipolitik hinweg sei etwas zu bewirken. «Das letzte was wir jetzt brauchen, ist heisse Luft von Trump». Ein Regierungswechsel bei den Wahlen im November gebe ihm ein wenig Hoffnung, dass der Klimawandel ernst genommen werde, meint Ingalsbee. (aeg/sda/dpa)

So schlimm hat das Feuer noch nie in Kalifornien gewütet

Vorläufige Bilanz der Grossbrände in Kalifornien: 63 Tote und über 600 Vermisste. EPA/EPA / PETER DASILVA
In der fast völlig abgebrannten Ortschaft Paradise ging am Donnerstag in den Häuserruinen die Suche nach Vermissten weiter. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Ausgebrannte Autos in Paradise. EPA/EPA / PETER DASILVA
Paradise. EPA/EPA / PETER DASILVA
Pentz Road bei Paradise. EPA/EPA / PETER DASILVA
Im Süden Kaliforniens, forderte das Woolsey-Feuer nahe Malibu zwei Menschenleben. EPA/EFE / MIKE NELSON
Woolsey-Feuer in Malibu. EPA/EFE / MIKE NELSON
Cie Feuer haben Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser zerstört. EPA/EPA / MIKE NELSON
In vielen Teilen Kaliforniens waren die Auswirkungen der Katastrophen zu spüren. EPA/EPA / MIKE NELSON
Die Behörden warnten vor gefährlicher Rauchbelastung und schlechter Luftqualität. EPA/EPA / EUGENE GARCIA
Thomas Gottschalks Villa ist nur noch ein Trümmerhaufen. EPA/EPA / MIKE NELSON
Malibu. EPA/EPA / MIKE NELSON
Malibu. EPA/EPA / MIKE NELSON
Woosley-Feuer in Westlake. EPA/EPA / MIKE NELSON
Paradise am 15. November 2018. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Hunderte von Helfern in weissen Schutzanzügen und speziell ausgebildete Spürhunde suchen in Paradise am 15. November 2018 in den Trümmern weiter nach möglichen sterblichen Überresten. AP/AP / Terry Chea
Paradise liegt in Trümmern. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Ganze Quartiere sind ausgebrannt. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Ein sich rasend schnell ausbreitender Waldbrand im Norden Kaliforniens hat die Stadt Paradise fast vollständig zerstört. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Tausende Gebäude seien niedergebrannt, teilte Scott McLean von der kalifornischen Feuerwehr am Donnerstag mit. AP/FR34727 AP / Noah Berger
In der Gemeinde sind 27'000 Menschen zu Hause. Sie hatten die Stadt am Donnerstag verlassen müssen. EPA/EPA / PETER DASILVA
Wie viele Einwohner bei dem Brand verletzt wurden und … EPA/EPA / PETER DASILVA
… wie gross das Ausmass der Schäden war, konnten die Behörden zunächst nicht abschätzen. EPA/EPA / PETER DASILVA
Mitarbeiter räumen das Feather River Hospital. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Nach Auskunft der Feuerbehörde ist das «Camp Fire» am Fusse des Sierra-Nevada-Gebirges in wenigen Stunden auf eine Fläche von über 70 Quadratkilometer angewachsen. AP/FR34727 AP / Noah Berger
Vize-Gouverneur Gavin Newsom hat für den Bezirk Butte County den Notstand erklärt, um auf diese Weise schnell Hilfe zu mobilisieren. AP/FR34727 AP / Noah Berger
AP/FR34727 AP / Noah Berger
Der Rauch des Feuers war weitherum sichtbar. AP/AP / Don Thompson
EPA/EPA / PETER DASILVA
EPA/EPA / PETER DASILVA
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AP/FR34727 AP / Noah Berger
AP/FR34727 AP / Noah Berger

Trotz 14'000 Feuerwehrleuten: Brände in Kalifornien breiten sich aus

Video: extern / rest / CH Media

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