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Hiess die Pflanze mit den roten Blättern nicht erst noch anders? screenshot: derwesten.de

Aldi-Kunde wütet wegen «Winterstern» statt «Weihnachtsstern» – Discounter kontert genial

Publiziert: 09.11.19, 19:57

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern es kehrt auch die mühselige, von «besorgten Bürgern» initiierte Debatte um eine vermeintliche Islamisierung von Weihnachten zurück.

Mal beschweren sich Menschen darüber, dass Weihnachtsmärkte angeblich nur noch Lichtermärkte heissen. Mal sind AfD-Politiker besorgt, dass Adventskalender jetzt nur noch «Geschenke-Lager» heissen würden oder dass der Schoko-Nikolaus im Supermarkt angeblich durch «Zipfelmännchen» ersetzt würde. Stimmt zwar alles nicht, aber die Debatte entbrennt jedes Jahr aufs Neue. Jetzt hat es Aldi erwischt.

Wutbürger bei Facebook

In einem Facebook-Post wetterte der wütende Kunde, dass für ihn seit jeher der Weihnachtsstern zur Adventszeit gehöre. Und der Weihnachtsstern heisst für ihn auch Weihnachtsstern, alternativ Christstern oder Adventsstern, lässt der Kunde die Facebook-Community wissen. Denn: «Der Weihnachtsstern gehört zu unserer gewachsenen christlich-abendländischen Kultur». ​

Was den Kunden so aufregt: Aldi verkauft seit einigen Tagen «Wintersterne».

Der Kunde wittert die grosse Verschwörung:

«Der vorauseilende Gehorsam, der sich nahtlos in die Umbenennungen von Weihnachtsmärkten in »Wintermärkte« anschliesst, wäre gewiss nicht im Sinne der alten Gebrüder Albrecht gewesen, von denen bekannt ist, dass sie praktizierende Katholiken waren. Sie würden wahrscheinlich beide in ihrer Urne rotieren, ob der Unterwerfung der neuen Aldi-Süd-Administration gegenüber linken Foren und dem Islam.»

Doch der Kunde hatte offenbar nicht mit der schlagfertigen Social-Media-Abteilung von Aldi Süd gerechnet. Denn:

Aldi schlägt schnell zurück – und wie

«Bei dem Winterstern handelt es sich nicht um den klassischen roten Weihnachtsstern (den wir übrigens auch noch als Busch anbieten werden), sondern um eine Abwandlung», erklärt der Discounter erst noch ruhig. Dann geht es richtig los.

«Um die Verwechslung damit zu vermeiden, haben wir uns für den Namen ‹Winterstern› entschieden. Du darfst ihn aber auch gerne Horst nennen, wenn du dich damit besser fühlst.»

Aldi weiter:

«Auf die restlichen Vorwürfe brauchen wir gar nicht erst eingehen: Seit jeher begrüssen wir und unsere Gründer alle Menschen, gleich welcher Religion, sozialer, ethischer oder nationaler Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Deine seltsamen Mutmassungen darfst du gerne anderswo verbreiten, aber bitte nicht hier.»

Unter diese klare Ansage setzt Aldi noch die beiden Hashtags #dealwithit und #KeinPlatzfürRassismus.

screenshot: facebook

Die Kunden feierten Aldi in Massen für diese Aussage. Mehr als 250 Likes kassierte der Kommentar. «Ich feier euch für die Antwort! Jedes Jahr das gleiche Gejammer», lautete nur eine der positiven Kunden-Reaktionen auf die Aldi-Antwort.

Der Wutbürger hingegen provozierte in den Kommentaren fleissig weiter, die Einzelheiten ersparen wir euch an dieser Stelle (gern geschehen). Aldi hatte auch schnell die Discounter-Schnauze voll und wandte sich erneut an den Kunden:

«Bitte spiele deine #Opferrolle wo anders. Wir haben dir bereits eine Antwort auf deine Frage gegeben. Wenn dir der Weihnachtsstern so wichtig ist: Euphorbia pulcherrima bekommst du am 21. November unter dem Namen bei uns. Solltest du aber weiterhin deine wirren Mutmassungen machen, die offensichtlich in eine einschlägige Richtung gehen, dann werden wir hier entsprechende Wege gehen und dich für unsere Seite sperren.»

Exakt dieselbe Debatte hatte es übrigens schon im Herbst gegeben, als Aldi »Herbststerne« verkaufte und keine »Weihnachtssterne«. Aldi Nord reagierte damals auf wütende Kunden mit diesem Statement: »Er heisst Herbststern, weil wir Herbst haben." Eigentlich gar nicht so komplex, oder?

(hau, watson.de)

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