Ein grosser Sieg gegen Deutschland und doppelt so gut wie vor 10 Jahren
Eishockey ist, wenn gegen Deutschland doch die Schweiz gewinnt. Eine halbe Sekunde vor Schluss der Verlängerung trifft Pius Suter gegen Deutschland zum 4:3. Und doch hat er seinen Platz im WM-Team nicht garantiert.
Der Anfang vom Ende kommt, als sich die Deutschen als Sieger fühlen. Deutschland führt 3:2 und das Spiel dauert noch gut sieben Minuten. Zum ersten Mal folgt die Aufforderung: «Steht auf, wenn ihr Deutsche seid….»
Die Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Sitzplätzen erheben sich. Jubel braust durch die fast volle Arena. Deutschland auf dem Weg zum Sieg.
Und dann ist es, als habe jemand den Stecker gezogen. Luca Fazzini trifft zum 3:3 (53.). Die Leute setzen sich wieder. Der Lärm ebbt ab. Es war ein Puck ins Herz der Deutschen, der Spieler und der Zuschauerinnen und Zuschauer. Natürlich werden die Deutschen weiterkämpfen. Wie immer. Aber die Wucht, das Momentum, die Dominanz sind weg.
In der allerletzten Szene des Dramas bekommt Pius Suter noch einmal eine Chance und trifft eine halbe Sekunde vor Schluss zum 4:3. «Ich wusste gar nicht, wie knapp die Zeit war» wird er hinterher sagen. Es ist sein zweiter Treffer und dritter Skorerpunkt in diesem Spiel. Er hatte bei allen Toren den Stock im Spiel. Aber der Assist zum 1:1 wird ihm später nicht gut geschrieben.
Der Sieg gegen Deutschland «nur» ein Trostpreis
Ein grosser Sieg gegen Deutschland eine halbe Sekunde vor Schluss ist ein Trostpreis für das «Aus» bei der WM. Als Kanada 0,4 Sekunden vor Spielende der Ausgleich gelingt und das Viertelfinale in der Verlängerung verloren geht. «Aber ein Sieg gegen die Kanadier wäre mir lieber gewesen» sagt Nationaltrainer Patrick Fischer.
Auch wenn ein Sieg beim Deutschland Cup gegen Deutschland (mit drei Spieler aus dem Olympia-Finalteam) im Vergleich zum Scheitern bei der WM eben doch «nur» ein Trostpreis ist – es war hockeytechnisch fast ein gefühlter Lottotreffer. Eishockey ist inzwischen, wenn die Schweiz gegen Deutschland doch gewinnt. Vor einem Jahr beim gleichen Anlass am gleichen Ort gewannen die Schweizer 4:3 nach Penaltys.
Nati-Trainer Patrick Fischer wäre ein Sieg gegen Kanada lieber gewesen.
Bild: KEYSTONE
Welch ein Unterschied zu den Auftritten der November-Spielen in den turbulenten Jahren nach Ralph Krueger bis zur «Ära Fischer» (2009 bis 2015). Da hatten die Auftritte der Schweizer oft etwas Operettenhaftes, Improvisiertes, Ratloses, Zufälliges. Mit der bestmöglichen Mannschaft traten wir auch früher nie an. Aber eine klare spielerische und taktische Linie war eher selten erkennbar.
Das hat sich geändert. Die Schweizer brachten bei diesem 4:3 nach Verlängerung eine nahezu perfekte Mischung aus Leidenschaft und spielerischer Schlauheit, Improvisation und Organisation. Patrick Fischer sagt, das Ziel sei es, auch unter Druck etwas zu kreieren. Und tatsächlich: in keiner Phase haben die Schweizer die Linie verloren, auch unter Druck standen sie auf den Zehenspitzen und konterten blitzschnell. Dieses 4:3 war nicht nur spektakulär. Der Sieg war auch das Produkt einer reifen taktischen Leistung und einer erstaunlichen Kaltblütigkeit: vier Tore aus verhältnismässig wenig Chancen. Haben wir je aus so wenig Chancen gegen Deutschland so viel herausgeholt? Wahrscheinlich nicht. Eigentlich ist die Schwäche der Schweizer ja, aus verhältnismässig vielen Chancen wenig zu machen.
Kein einziger Spieler hat seinen Platz im WM-Team auf sicher
Noah Rod ist der einzige Spieler aus dem letzten WM-Team. Seit Patrick Fischer die Nationalmannschaft übernommen hat, sind immer mindestens vier Spieler am Ende der Saison zur WM gefahren, die zum Deutschland Cup aufgeboten worden sind.
Noah Rod im Zweikampf mit Deutschlands Ugbekile.
Bild: dpa
Noch vor 10 Jahren wären mindestens die Hälfte dieser «Deutschland-Cup-Helden» WM-Fixstarter gewesen. Beispielsweise das Verteidigerpaar Andrea Glauser/Yannick Rathgeb. Pius Suter (2 Tore, 1 Assist) wäre jetzt schon als WM-Schlüsselspieler gefeiert worden. Und warum nicht gleich mit den Linien Alessio Bertaggia/ Marco Müller/Dario Simion und Noah Rod/Jason Fuchs/Luca Fazzini zur WM?
Inzwischen sind wir doppelt so gut wie vor zehn Jahren. Nicht ein einziger dieser Sieger über Deutschland hat seinen Platz im WM-Team auf sicher. Wenn alle in der NHL engagierten Schweizer zur WM kommen können, wenn wir die WM-Kandidaten aus unserer Liga dazu zählen, die jetzt nicht aufgeboten worden sind und wenn wir schliesslich noch KHL-Stürmer Sven Andrighetto berücksichtigen – dann gibt es höchstens noch zwei oder drei Plätze für die «Helden von Krefeld.»
Fischer will vier offensiv kreative Linien
Offen sind primär Plätze im vierten Sturm. Also eher defensivhandwerklich starke Spieler und nicht Skorer und Läufer. Patrick Fischer sagt, in der Vergangenheit habe man tatsächlich beim WM-Aufgebot bei zwei Blöcken auf eine eher defensive Ausrichtung geachtet. Doch das Ziel seien vier Formationen, die offensiv kreativ sein können.
Wenn es also nicht mehr so ist, dass die letzten Plätze im WM Team primär an «defensive Handwerker» vergeben werden, dann ist es denkbar, dass einer wie Pius Suter im WM-Team im vierten Sturm eingesetzt wird. Einer, der mit zwei Toren und einem Assist der offensive Leitwolf bei einem grossen Sieg über Deutschland war, im nächsten Frühjahr im WM-Team im vierten Block – wahrlich, das sind gute Perspektiven für die Heim-WM.
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
HC Davos: 5 - Marc Gianola. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
HC Davos: 69 – Sandro Rizzi. PHOTOPRESS / JUERGEN STAIGER
HC Davos: 78 – Jan von Arx. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC Davos: 83 – Reto von Arx. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
SC Bern: 0 – René Kiener. KEYSTONE / Marcel Bieri
SC Bern: 6 – Peter Stammbach.
SC Bern: 7 – Martin Rauch. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
SC Bern: 12 – Roland Dellsperger. KEYSTONE / STR
SC Bern: 16 – Sven Leuenberger. KEYSTONE / MARTIN SCHWEIZER
SC Bern: 18 – Renzo Holzer.
SC Bern: 22 – Patrick Howald. KEYSTONE / JUERG MUELLER
SC Bern: 26 – Marc Reichert. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
SC Bern: 28 – Martin Plüss. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
SC Bern: 31 – Renato Tosio. KEYSTONE / EDI ENGELER
SC Bern: 32 – Ivo Rüthemann. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
SC Bern: 39 – Marco Bührer. KEYSTONE / URS FLUEELER
SC Bern: 72 – David Jobin. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
ZSC Lions: 15 – Mathias Seger KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
ZSC Lions: 21 – Reto Sturzenegger. KEYSTONE / STR
ZSC Lions: 23 – Chad Silver. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
ZSC Lions: 31 – Ari Sulander. KEYSTONE / URS FLUEELER
EHC Kloten (wegen der Nostalgie noch dabei): 4 – Marco Klöti. KEYSTONE / GABI MUELLER
EHC Kloten: 7 – Peter Schlagenhauf. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 20 – Reto Pavoni. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
EHC Kloten: 21 – Roman Wäger. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
EHC Kloten: 22 – Viktor Stancescu. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
EHC Kloten: 24 – Felix Hollenstein. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 26 – Mikael Johansson. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
EHC Kloten: 32 – Anders Eldebrink. KEYSTONE / KARL MATHIS
EV Zug: 20 – Philipp Neuenschwander. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
EV Zug: 21 – Patrick Fischer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
EV Zug: 33 – André Künzi. KEYSTONE / EDI ENGELER
EV Zug: 57 – Fabian Schnyder keystone / ENNIO LEANZA
HC-Fribourg-Gottéron: 4 – Christian Hofstetter.
HC-Fribourg-Gottéron: 10 – Mario Rottaris. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC-Fribourg-Gottéron: 13 – Benjamin Plüss. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
HC-Fribourg-Gottéron: 19 – Philippe Marquis. KEYSTONE / EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 44 – Shawn Heins. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
HC-Fribourg-Gottéron: 85 – Gil Montandon. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Fribourg-Gottéron: 90 – Wjatscheslaw Bykow. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
HC Fribourg-Gottéron: 91 – Andrei Chomutov. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Lugano: 1 – Alfio Molina. KEYSTONE / STR
HC Lugano: 2 – Sandro Bertaggia. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 3 – Julien Vaucliar. KEYSTONE / ADRIEN PERRITAZ
HC Lugano: 4 – Pat Schafhauser. KEYSTONE / GABRIELE PUTZU
HC Lugano: 8 – Steve Hirschi. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
HC Lugano: 33 – Petteri Nummelin. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 40 – Flavien Conne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
HC Lugano: 44 – Andy Näser. PHOTOPRESS / KARL MATHIS
HC Ambri-Piotta: 8 – Nicola Celio. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
HC Ambri-Piotta: 15 – Dale McCourt. KEYSTONE
HC Ambri-Piotta: 19 – Peter Jaks. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
HC Ambri-Piotta: 46 – Paolo Duca. TI-PRESS / FRANCESCA AGOSTA
EHC Biel: 30 – Olivier Anken. KEYSTONE / STR
EHC Biel: 12 – Mathieu Tschantré. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
SCL Tigers: 12 – Todd Elik. KEYSTONE / MARCEL BIERI
SCL Tigers: 17 – Daniel Aegerter. KEYSTONE / EDI ENGELER
SCL Tigers: 26 – Martin Gerber. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
SCL Tigers: 44 – Walter Gerber. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Genève-Servette HC: 0 – Daniel Clerc.
Genève-Servette HC: 4 – Eric Conne.
Genève-Servette HC: 6 – Fritz Naef.
Genève-Servette HC: 12 – Philippe Bozon. PHOTOPRESS / FABRICE COFFRINI
Genève-Servette HC: 24 – Jean-François Regali.
Genève-Servette HC: 28 – Igor Fedulov.
Lausanne HC: 10 – Gérard Dubi.
Lausanne HC: 16 – Claude Friederich.
Lausanne HC: 21 – Beat Kindler. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
Lausanne HC: 39 – Cristobal Huet. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
SCRJ Lakers: 6 – Cyrill Geyer. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER