Du findest das Jahr 2020 ist ver***? Dann sei froh, hast du nicht in diesen Jahren gelebt
Zugegeben, das Jahr 2020 glänzt nicht mit Bestleistung. Aber das schlimmste Jahr in der Geschichte der Menschheit ist es noch lange nicht. Da haben die folgenden fünf Jahre bessere Chancen auf den Podestplatz.
18 Monate in Dunkelheit
Das Jahr 536 n. Chr.
Einer der absolut ungünstigsten Zeitpunkte, um auf der Welt zu sein, war das Jahr 536 nach Christus. Darüber sind sich auch einige Historiker einig. Die Natur spielte verrückt. Ein mysteriöser Nebel tauchte Europa, den Nahen Osten und grosse Teile Asiens 18 Monate lang Tag und Nacht in Dunkelheit. Der Nebel führte dazu, dass die Temperaturen drastisch fielen. In China schneite es mitten im Sommer. Doch nicht nur das: Überall auf dem Globus gingen die Ernten ein und die Menschen hungerten.
Kann einem das Jahr auch ziemlich versauen: ein Vulkanausbruch.
Bild: X80002
Lange rätselten Historiker darüber, warum 536 eines der dunkelsten Jahre im Mittelalter war. 2018 fanden Forscher bei der Analyse eines Schweizer Gletschers Spuren von Asche im Eis. Offenbar kam es Anfang 536 zu einem massiven Vulkanausbruch auf Island. Die Asche des Vulkans legte sich für eineinhalb Jahre wie ein Schleier um die Erde, hüllte die Länder in Dunkelheit und liess die Menschheit hungern. «Not a really great time to be alive», könnte man also sagen.
Der schwarze Tod
Das Jahr 1347
Auch Mitte des 14. Jahrhunderts war das Leben kein Zuckerschlecken. 1347 suchte der «schwarze Tod» Europa und weite Teile Zentralasiens heim. Die Pest ging um und forderte 25 Millionen Todesopfer.
Die Schnabelmaske wurde im Mittelalter von Pestdoktoren getragen. Sie sollte vor einer Infektion schützen.
bild: unsplash
Übertragen wurde die hochgradig ansteckende Infektionskrankheit über Flöhe und Tröpfchen. Die Menschen litten je nach Infektion unter anderem an Fieber, Gliederschmerzen, Blutvergiftungen oder eitrigen Beulen. Weil man zu dieser Zeit kaum etwas über Infektionskrankheiten wusste, verbreitete der schwarze Tod Angst und Schrecken. Infizierte Familienmitglieder wurden verstossen und mussten in Zwangsunterkünfte ausserhalb der Städte ziehen.
Das Jahr ohne Sommer
Das Jahr 1816
Neben tödlichen Krankheiten litt die Welt immer wieder unter massiven Vulkanausbrüchen. So auch im Jahr 1816, das auch das «Jahr ohne Sommer» genannt wird. Damals spuckte der Mount Tambora, ein Vulkan in Indonesien, mehrere Millionen Tonnen Asche und Schwefel in die Atmosphäre.
Der Ausbruch des Mount Tambora im Vergleich zu den Ausbrüchen des Vesuvs in Italien und des Mount Krakatau in Indonesien.
bild: wikimedia
In Europa und Nordamerika fiel mitten im Juni Schnee, die Temperaturen im Juli sanken unter den Gefrierpunkt. Wie schon im Jahr 536 n. Chr. sorgte der Vulkanausbruch für katastrophale Missernten. In der Zentralschweiz war die Hungersnot so gross, dass die Menschen die «unnatürlichsten, oft ekelhaftesten Sachen machten, um ihren Heisshunger zu stillen», beschrieb ein katholischer Priester die Situation. In Ybrig, in Rothenthurm in der Altmatt und in den Berggegenden «haben die Kinder oft im Gras geweidet wie die Schafe, auch Wiesenblumen waren begehrt».
Als die Jungen starben
Das Jahr 1918
Just vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, als die Menschen dachten, nun gehe es wieder bergauf, traf die nächste Pandemie den Globus. Wegen der Spanischen Grippe kletterte die Sterblichkeit in der Schweiz auf ein Rekordniveau. 1918 starben schweizweit mehr als 75'000 Menschen. Weltweit waren es gemäss Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zwischen 20 und 50 Millionen Tote.
Spanische Grippe – die Mutter aller Pandemien
25 bis 50 Millionen Menschenleben kostete die Pandemie, die von 1918 bis 1920 auf der ganzen Welt wütete. Nicht mal der Erste Weltkrieg holte sich so viele Opfer. In absoluten Zahlen war die Spanische Grippe in etwa so verheerend wie die Pest von 1348: Der Schwarze Tod riss damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung in den Tod. Spanisch nannte man die Grippe, weil die ersten Nachrichten über die Krankheit von dort herkamen. Im Bild: Das Militär-Notfallkrankenhaus im Camp Funston in Kansas 1918, wo das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ausbrach. quelle: wikimedia Im Gegensatz zu kriegsführenden Ländern war die Zensur im neutralen Spanien nicht so strikt, sodass über das Ausmass nicht geschwiegen wurde: Ende Mai 1918 waren im ganzen Land 8 Millionen Menschen infiziert – darunter auch der spanische König Alfons XIII. Allerdings verlief diese erste Welle noch relativ harmlos, sie wies keine merklich höhere Todesrate als eine normale Grippe auf. Hier sehen wir einen Schaffner, der Fahrgästen ohne Schutzmaske die Mitfahrt verweigert, Seattle, 1918. quelle: wikimedia Erst die zweite Welle im Herbst 1918 riss so viele Menschen in den Tod. In der Schweiz infizierte sich die Hälfte der Bevölkerung, rund 25'000 Menschen starben. Die ersten Schweizer, die sich ansteckten, waren wohl die Frontsoldaten in der Nähe des jurassischen Dorfes Bonfol, an der Grenze zu Frankreich. Sie wurden nach Hause geschickt – und brachten das Virus mit. Es holte sich besonders Männer zwischen 20 und 40 Jahren, wohl weil sie in Militärunterkünften und Bunkern in engerem Kontakt miteinander standen als Frauen. Zu sehen ist hier das Militärnotspital in der Aula eines Schulhauses im Jura. quelle: NEM, Biel via geschichte.redcross.ch Wer nicht wieder gesund wurde, den konnte der Tod innert Stunden ereilen. Auf der Insel Java pflegte man zu sagen: «Morgens krank, abends tot; abends krank, morgen tot.» Auf den Wangen von Infizierten begannen sich rötliche Flecken zu bilden, dann breiteten sie sich über das ganze Gesicht aus. Die Patienten spuckten Blut, ihre Körper verfärbten sich dunkelblau bis violett und schliesslich erstickten sie. Ihre Lungen – das ergab die Obduktion der Leichen – waren mit Blut vollgelaufen. Die meisten Todesfälle verursachte nicht das Virus selbst, sondern eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung. Und für beides gab es kein Gegenmittel. Im Bild ist das Walter Reed Hospital in Washington, D.C. zu sehen, 1918/1919. quelle: wikimedia Das Schweizerische Rote Kreuz mobilisierte die Helferinnen und lieferte Krankenbetten an die militärischen und zivilen Notspitäler, die in Schulhäusern und Kindergärten eingerichtet wurden. Im Bild sehen wir ein volles Krankenzimmer in einem umfunktionierten Oltner Schulhaus. Die Bevölkerung wurde ausserdem aufgefordert, Bettdecken und Matratzen zu spenden – und ihre Autos den Ärzten zur Verfügung zu stellen. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz Um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, machte die Schweiz dicht: Schulen, Kirchen und Märkte blieben geschlossen. Tanz-, Theater- und Konzertaufführungen wurden abgesagt. Neben Masken – im Bild zwei besonders modische Exemplare, von zwei Australierinnen getragen – wurden allerlei Wundermittel beworben: Seifen, Mundspülungen und Nasensalben sollten helfen, den Erreger loszuwerden. quelle: national museum of australia Aber auch Staubsauger sollten die Schweizer schützen – allerdings für satte 750 Franken, wie dieses
Inserat vom 13. August 1918 im «Schaffhauser Intelligenzblatt» informiert. quelle: via Schaffhauser Nachrichten In New York wiederum stellte man das Spucken auf der Strasse unter Strafe. Etwa 500 Personen wurden verhaftet, weil sie dagegen verstiessen. quelle: via orderofthegooddeath In vielen Städten wurde auch das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht: Hier zu sehen ein Strassenkehrer in New York, Oktober 1918. quelle: influenzaarchive.org Das Schweizer Militär berief zahlreiche zusätzliche Krankenschwestern ein, die dann im zivilen Bereich fehlten. So war man auf Freiwillige angewiesen. Den behandelnden Ärzten war es in dieser verzweifelten Situation vollkommen gleichgültig, wer bei der Pflege half, «wenn es überhaupt nur ein Mensch sei». Hier zu sehen sind Krankenschwestern der Pflegeschule La Source, die mit einer militärischen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurden, November 1919. quelle: Archiv Stiftung La Source, Lausanne Bis heute gilt die Spanische Grippe als eine der schlimmsten Pandemien der Weltgeschichte. Ihr fielen auch zahlreiche prominente Personen zum Opfer, so zum Beispiel Frederick Trump, der Grossvater des amerikanischen Präsidenten. quelle: wikimedia Da keine wirkungsvollen Heilmittel zur Verfügung standen, versuchten die Ärzte wenigstens das Fieber samt Schüttelfrost, die starken Kopf- und Gliederschmerzen, den Husten und die Atemnot der Patienten zu lindern. In schweren Fällen griffen sie auf Opium, Morphium, Heroin oder Kokain zurück. Viel mehr konnten sie nicht tun. Sie wussten zwar, dass Viren existierten, hatten aber wegen deren Winzigkeit noch nie welche gesehen – es gab noch keine Elektronenmikroskope und das genetische Material von Viren war noch nicht entdeckt worden. Im Bild: das Notspital Münchhalden in Zürich, 1918. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz Heute wissen die Forscher jedoch nicht nur, wie man ein Virus isoliert, sondern sie können auch seine genetische Sequenz analysieren und so einen Impfstoff entwickeln. Genau dies geschieht aktuell im Falle des Coronavirus.
Doch nicht nur in den viel besseren Heil-Möglichkeiten unterscheidet sich die heutige Pandemie von der damals wütenden Spanischen Grippe. quelle: wikimedia Die massiv höhere Sterberate lag 1918 bei mindestens 2,5 Prozent. Zudem war die Spanische Grippe besonders gefährlich für Menschen zwischen 20 und 40 Jahren (99 % der Opfer waren unter 65). Um die Eigenart dieser Krankheit zu erklären, geht eine Theorie davon aus, dass Jahrzehnte zuvor eine weniger tödliche Version des Spanischen-Grippe-Virus grassiert habe, die sich wie eine gewöhnliche Grippe verbreitete. Dadurch hätten die 1918 lebenden älteren Menschen bereits Antikörper entwickelt und seien so partiell immun gewesen. quelle: wikimedia Eine andere Vermutung ist, dass die Spanische Grippe das besonders bei jungen Leuten starke Immunsystem überreagieren liess, sodass sich ihre Abwehrkräfte gegen den eigenen Körper richteten und unter anderem das Lungengewebe zerstört wurde. Nachgewiesen werden konnte dies an Menschenaffen mit dem nachkonstruierten Virus von 1918. quelle: via pinterest Das Coronavirus dagegen tötet vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, während Kinder und junge Leute kaum gefährdet scheinen. Verdachtsfälle mit leichten Symptomen können heute sofort getestet und bei einem positiven Befund in Quarantäne geschickt werden, während dazu 1918 keinerlei Möglichkeit bestand. quelle: influenzaarchive Auch die Kontakte einer infizierten Person konnten nicht zurückverfolgt werden, die Spanische Grippe schien ganze Städte auf einmal heimzusuchen. Hinzu kam die mangelnde Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal. Von den 742 Krankenschwestern des Schweizerischen Roten Kreuzes, die sich in den Kampf gegen das Virus begaben, starben 69. quelle: pinterest
Eine von Gordon Brewster in der «Irish Weekly Independent» erschienene Karikatur, 1918. quelle: orderofthegooddeath Der zweiten Infektions-Welle fielen damals so viele Menschen in so kurzer Zeit zum Opfer, dass es in Europa und den USA zu Engpässen bei der Sargproduktion kam. Weil sich die Toten in den Leichenkammern stauten, wurden viele von ihnen schliesslich in anonymen Massengräbern beigesetzt. Im Bild ist die Beerdigung von Grippeopfern im kanadischen Labrador zu sehen. quelle: wikimedia Eine Besonderheit der Spanischen Grippe war, dass vor allem junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren daran starben. Auf jeden Fall forderte die Grippe mehr Todesopfer als der Erste Weltkrieg. Vermutlich auch, weil zahllose Menschen durch den Krieg und dessen Folgen ohnehin schon geschwächt waren.
Holocaust, Hungersnöte und Krieg
Das Jahr 1943
Noch nicht allzu lange her und doch ein Tiefpunkt in der Geschichte der Menschheit ist das Jahr 1943. Die Weltbevölkerung befindet sich noch mitten im Zweiten Weltkrieg, der Genozid an den Juden erreichte seinen traurigen Höhepunkt.
Weibliche Häftlinge im Konzentrationslager in Auschwitz.
Bild: EPA DPA
In der ersten Hälfte des Jahres wurden mehr als 1,3 Millionen Juden von den Nazis deportiert und getötet. Aufgrund des Krieges importierte England massenhaft Nahrungsmittel aus Britisch-Indien, um Soldaten und Bürger zu ernähren. Das führte in den indischen Kolonien zu einer massiven Hungersnot, an der schätzungsweise drei Millionen Menschen starben.
Du findest, wir haben eines der schlimmsten Jahre der Menschheit vergessen? Dann ab damit in die Kommentare!
(ohe)
Das etwas andere «Wein doch»
Die grösste und wildeste Weinschlacht der Welt findet jedes Jahr am 29. Juni in der spanischen Stadt Haro im Weinanbaugebiet Rioja statt. EPA/EFE / Raque Manzanares
In den frühen Morgenstunden des 29. Juni ziehen die Dorfbewohner und Besucher zum Schlachtfeld. AP/AP / Alvaro Barrientos
Vor der kleinen Kapelle Riscos de Bilibio stehen 75'000 Liter Wein parat. EPA/EFE / Raque Manzanares
Die Ursprünge dieser Tradition gehen zurück auf das 12. Jahrhundert. EPA/EFE / Raque Manzanares
Damals gab es Gebietsstreitigkeiten zwischen den benachbarten Städten. EPA/EFE / Raque Manzanares
Der Disput wurde schliesslich beigelegt und das Land um Los Riscos de Bilibio fiel unter die Zuständigkeit von Haro. EPA/EFE / Raque Manzanares
Die Vereinbarung sah vor, dass die Bewohner der kleinen nordspanischen Stadt die Grenzen ihres Territoriums jedes Jahr aufs Neue mit einer lila Flagge markieren mussten, andernfalls würde das Land Eigentum des benachbarten Ortes Miranda de Ebro. AP/AP / Alvaro Barrientos
Und so kam es, dass eine jährliche Wallfahrt zur kleinen Kapelle Riscos de Bilibio führte, in der an jedem Morgen eines 29. Juni eine Messe abgehalten wurde. AP/AP / Alvaro Barrientos
Anschliessend stellte der Bürgermeister des Dorfes eine lilafarbene Fahne auf dem höchsten Punkt der Wallfahrtsstätte auf. AP/AP / Alvaro Barrientos
Es wurde Brauch, dass die Dorfbewohner nach der Zeremonie auf dem Platz vor der Kapelle ein gemeinsames Essen zelebrierten. AP/AP / Alvaro Barrientos
Dabei trug es sich der Legende nach im Jahr 1710 zu, dass ein Dorfbewohner begann, einen anderen zu erfrischen, indem er den Wein, den er in seinem Trinkbeutel hatte, über ihn ergoss. Die Weinschlacht war geboren. AP/AP / Alvaro Barrientos
Sobald die Messe beendet ist und der Bürgermeister die Fahne aufgestellt hat, beginnt das zügellose Chaos. AP/AP / Alvaro Barrientos
Ab jetzt darf mit Eimern, Weinschläuchen, Wasserpistolen und allem, was sprühen, ausgegossen oder geworfen werden kann, gekämpft werden. AP/AP / Alvaro Barrientos
Diejenigen, die nach der Rotweindusche immer noch nüchtern sind und Ausdauer haben, ziehen als durchnässte lila Karawane zurück zum Dorfplatz, wo die Fiesta mit Essen, Trinken und jeder Menge Spass weiter geht.
AP/AP / Alvaro Barrientos
AP/AP / Alvaro Barrientos
AP/AP / Alvaro Barrientos
AP/AP / Alvaro Barrientos
AP/AP / Alvaro Barrientos
So wird eine Tiefgarage zum Treibhaus
Video: SRF / Roberto Krone
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