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Wie Forscher versuchen, die Banane zu retten

Ein aggressiver Pilz könnte dazu führen, dass die typische «Supermarkt»-Banane ausstirbt. Kolumbien hat deswegen den Notstand ausgerufen. Forscher weltweit versuchen sich an neuen Züchtungen, auch mittels Gentechnik.

Publiziert: 09.10.19, 07:59 Aktualisiert: 09.10.19, 08:07
Juliette Irmer / ch media

Bild: AP

Der Schrecken aller Bananenbauern heisst Tropical Race 4, kurz TR4. Der Pilz befällt die Bananenstauden über deren Wurzeln: Die Leitbahnen verstopfen, der Wasser- und Nährstofftransport versiegt, die Pflanze vertrocknet. Einmal infiziert, sind Bananenpflanzen verloren, denn es gibt kein wirksames Mittel gegen den Pilz. Und er verbreitet sich extrem schnell. Etwas kontaminierte Erde, etwa an einer Bananenkiste, reicht aus, um den Schädling per Schiff oder Flugzeug über Kontinente hinweg zu verschleppen.

Bei Migros und Coop noch keine Engpässe

Im Juli wurde TR4, bislang vor allem in Asien und Afrika eine Plage, erstmals in Kolumbien nachgewiesen und hat damit den befürchteten Sprung nach Mittelamerika geschafft. Hier wächst die grosse Masse der Bananensorte Cavendish. Die Sorte stellt knapp die Hälfte aller Bananen weltweit.

Bei Coop und Migros, welche beide Cavendish-Bananen verkaufen, heisst es, noch seien keine Lieferengpässe zu befürchten. Wichtigste Importländer für die Schweiz sind die Dominikanischen Republik, Peru und Ecuador. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis TR4 sich auch in diesen Ländern ausbreitet.

Kulturbananen vermehren sich asexuell

Forscher weltweit arbeiten darum an einer Bananensorte, welcher der agressive Pilz nichts anhaben kann. Auf traditionellem Weg ist die Zucht neuer Sorten ungemein schwierig: Die hochgezüchteten Kulturbananen vermehren sich asexuell durch Schösslinge und bilden keine Samen.

Forschern des Taiwan Banana Research Institute ist schon vor einigen Jahren gelungen mithilfe der so genannten somaklonalen Selektion widerstandsfähigere Cavendish-Varianten zu erzeugen: Dazu isoliert man Zellen aus Bananenpflanzen und hält sie in Gewebekultur. Auf den Philippinen und in Mosambik werden diese Varianten mittlerweile in grossem Massstab angepflanzt. Ob sie für den Anbau in Australien und Mittelamerika geeignet sind, muss untersucht werden», sagt Altus Viljoen, TR4-Experte an der Universität Stellenbosch in Südafrika.

Würden Konsumenten Gen-Bananen kaufen?

Auch die Gentechnik hat Erfolge vorzuweisen. Forscher um James Dale von der Queensland Universität in Brisbane, Australien, haben eine TR4-resistente Bananenpflanze gezüchtet, indem sie das Resistenzgen einer Wildbanane in das Cavendish-Erbgut eingefügt haben. Die Ergebnisse des aktuellen Feldversuchs sehen vielversprechend aus. «Seit Kolumbien den nationalen Notstand ausgerufen hat, gehen die Anfragen durch die Decke», sagt Dale.

Doch genetisch veränderte Bananen haben ein ganz anderes Problem als TR4: «Wenn Verbraucher sie nicht essen wollen, hat eine resistente Pflanze keinen Wert», sagt Altus Viljoen. Tatsächlich gilt die Vermarktung genetisch veränderter Bananen als schwierig bis gesetzlich auch unmöglich.

Crispr-Banenen könnten einen Ausweg sein

Einen Ausweg könnte die Genschere Crispr darstellen: Genom editierte Pflanzen, die keine Fremd-DNA in sich tragen, zählen mittlerweile in einigen Ländern, etwa Amerika, Australien, Japan und Brasilien, nicht als genetisch veränderte Organismen, was die Vermarktung erleichtert. Europa und auch die Schweiz nehmen eine Sonderstellung ein, da solche Pflanzen hierzulande unter die Regularien des Gentechnikgesetztes fallen.

Genforscher James Dale versucht derzeit, das im Erbgut der Cavendish-Banane vorhandene, aber inaktive Resistenzgen gegen TR4 anzukurbeln. «Es wird aber noch ein paar Jahre dauern, bis wir einen Feldversuch starten können», sagt Dale.

In Monokulturen hat der Pilz leichtes Spiel

Im Kampf gegen den Pilz sollte man laut vieler Experten aber nicht nur auf Gentechnologie setzen. Auch die Anbaumethoden müssen sich grundlegend ändern. Für den Export setzt man weltweit fast ausschliesslich auf die Sorte Cavendish, die massenweise in Monokulturen angebaut wird. Da es sich auch noch um genetisch identische Klone handelt, haben Schädlinge allzu leichtes Spiel.

Mehr Vielfalt auf dem Feld und im Supermarkt würde helfen. Kleinbauern machen es vor: Sie pflanzen oft verschiedene Bananensorten und Getreide gleichzeitig an und sind vom Pilzbefall weniger betroffen.

Nichts aus der Geschichte gelernt

Das Auftauchen des aggressiven Pilzes TR4 in Südamerika und die damit drohende Ausrottung der Bananensorte Cavendish ist tragisch, weil es das alles schon einmal gab. Vor Cavendish war die verbreitetste Bananensorte die Gros Michel. Diese Banane wurde jedoch fast komplett von einer früheren Variante desselben Pilzes ausgerottet. Also sattelte die Bananenindustrie fast komplett auf Cavendish um, die bis in die 1990er als immun galt. (aargauerzeitung.ch)

Wetten, du errätst nie, wie unser Obst und Gemüse vor tausend Jahren ausgesehen hat?

Um was handelt es sich hier? Sternfrucht? Apfel? Feige? wikimediacommons
Gut, so schwierig war der auch nicht: Der Vorfahre der Banane wurde das erste Mal vor ca. 7000 Jahren in Papua Neuguinea kultiviert. Das damals noch harte Fruchtfleisch war mit Samen durchsetzt. wikimedia commons / Augustus Binu
Ok, etwas Einfaches. Welche Frucht ist auf diesem Gemälde abgebildet? aplus
Klar, die Wassermelone. Die süsse Frucht stammt ursprünglich aus Afrika, um 1600 herum verbreitete sie sich in Europa. wikimediacommons
Dieses Wurzelding sieht eher unappetitlich aus: Um was handelt es sich? dan I Perlman/Ecolibrary / Dan L. Perlman
Genau, um einen Urahnen der heutigen Karotte. Die wilde Karotte wurde vermutlich um 900 in Asien kultiviert. wikimediacommons
Nein, dieses Ding lebt nicht, auch wenn es wie eine Abart der Heuschrecke aussieht. Hier haben wir den Vorläufer des ... mifami
... Mais, richtig! Am Geschmack des Mais erfreuten sich die Menschen relativ früh: Bereits 7000 vor Christus wurde die Pflanze das erste Mal angebaut. wikimedia commons
Orange? Zitrone? wikimediacommons
Nope, Aubergine. Hier ein Bild der Aubergine, wie wir sie normalerweise in der Gemüseauslage vorfinden. In Spezialitätengeschäften stösst man aber durchaus auf unterschiedliche Varianten der Eierfrucht. wikimediacommons

Statt sie wegzuwerfen macht Yves Chikuru aus Bananen Wein

Video: SRF / Roberto Krone

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