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Bizarre Party: Reinhold Beckmann spielt ein Ständchen vor Deutschlands neuen Rechten

Publiziert: 11.03.19, 19:32 Aktualisiert: 11.03.19, 19:38

Ein alter Freund oder eine alte Freundin lädt dich zum Geburtstag ein. Ihr kennt euch schon Jahre, Jahrzehnte vielleicht. Du weisst aber, dass er oder sie inzwischen irgendwie mit komischen Leuten abhängt und ihr euch – wie man so schön sagt – in verschiedene Richtungen entwickelt habt. Hingehen oder wegbleiben?

Der deutsche Fernsehmoderator Reinhold Beckmann hat sich für Hingehen entschieden. Die Party war der 65. Geburtstag seines alten Kumpels Matthias Matussek, ein ehemaliger Spiegel und Welt-Redakteur, früher bekennender Marxist und 68er.

Wer kommt noch?

Die verschiedenen Richtungen, in die sich die beiden entwickelt haben, sind die: Beckmann (früher bekannt aus «ran») ist inzwischen Moderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Matussek gilt inzwischen als Vertreter der sogenannten «neuen Rechten» in Deutschland. Nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November postete er zum Beispiel auf Facebook: „Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.“ Im März 2018 warnte er bei einer „Merkel muss weg“-Kundgebung vor der vermeintlichen „Islamisierung“ und einer „Flut muslimischer Bodybuilder“.

Dementsprechend hatte Matussek neben alten Bekannten auch neue Bekannte zu seinem Geburtstag eingeladen. Fotos auf Facebook zeigen zum Beispiel den Identitären Mario Müller (Müller wurde 2012 zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, weil er einen Antifaschisten mit einem selbstgebastelten Totschläger schwer verletzt hatte), die AfD-Sympathisantin Erika Steinbach und den rechten Journalisten Dieter Stein, Chefredakteur der «Jungen Freiheit».

Ein Ständchen als Mitbringsel?

Als Geschenk präsentierte Beckmann ein Ständchen: «meine Version des Bob Dylan-Klassikers ‹Things have changed›», erklärt er später auf Facebook. Matussek und die Identitäre Mario Müller gucken zwar mit verschränkten Armen zu, auf Facebook betitelt Matussek den Vortrag aber später als «glänzendes Ständchen».

Das «glänzende Ständchen» ist es auch, das nach der Party in den sozialen Medien für einige Aufregung sorgt. Matussek hat nämlich ein Video davon auf Facebook veröffentlicht. Mal abgesehen davon, dass man über die Qualität des deutschen Bob-Dylan-Covers streiten kann, fragen viele: Was zur Hölle macht Beckmann auf dieser Party?

Oder doch ein Erziehungsversuch?

Beckmann schreibt in seiner Reaktion auf die Kritik auf Facebook: Er sei sich um Matusseks Sinneswandel bewusst gewesen, nicht aber darum, in welcher Gesellschaft er da tatsächlich landen würde. Er schreibt: «Ich muss zugeben, ich habe mich da verlaufen, ich hätte dort nicht hingehen sollen.» Das Ständchen sollte ein «vergiftetes Geschenk» sein. Matussek sollte «was zu kauen haben. Schluckbeschwerden bekommen. Ich wollte so meine Widerworte gegen seinen Irrweg setzen.»

« Ein trauriger Mann mit traurigem Geist, niemand mehr da, alle längst abgereist... Die Menschen sind verrückt, die Zeiten sind obskur. Er hängt hier fest, ist neben seiner Spur. Ihm war mal was wichtig, aber heut nicht mehr...»

Ausschnitt aus Beckmanns Ständchen für Matussek facebook

Die illustre Runde

Beckmann war übrigens nicht der einzige, bei dem man vielleicht Zweifel äussern konnte, ob sein Erscheinen auf der Feier berufsethisch gesehen vertretbar ist. Auch «alte buddies» vom Spiegel (die Redakteure Martin Müller und Reporter Alexander Smoltczyk sowie der Kolumnist Jan Fleischhauer) sind auf den Fotos zu sehen. Laut Bild-Zeitung waren auch Franz-Josef Wagner von der Bild, Ulrich Greiner von Zeit Online, Stephan Sattler vom Focus und Jochen Siemens vom Stern da.

Vorsichtige Stellungnahme des Spiegel

Moderator Jan Böhmermann forderte vom Spiegel eine Stellungnahme zur Teilnahme der Redakteure an Matusseks Geburtstagsfeier.

Das Magazin nahm am Montag gegenüber dem deutschen Medienmagazin DWDL.de Stellung: «Die Einladung zur Geburtstagsfeier von Matthias Matussek an einzelne Kollegen war ausschließlich privater Natur und der Chefredaktion des ‹Spiegel› deshalb nicht bekannt. Ebenso wenig hatte sie Kenntnis von der Teilnahme an der Veranstaltung. Selbstverständlich distanzieren sich der ‹Spiegel› und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von rechtsextremen Gesinnungen.»

(tam)

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Video: srf

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