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Mindestens 20 Tote in Kolumbien bei Militärangriff auf Guerilla-Camp

Publiziert: 14.05.20, 21:42

Bild: EPA/EFE

Bei einem ungewöhnlich heftigen Bombenangriff der kolumbianischen Luftwaffe auf ein Camp der Guerilla-Organisation «Nationale Befreiungsarmee» (ELN) sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen.

Unter den Opfern des Angriffs in einer ländlichen Gegend um die Gemeinde Montecristo seien zwei regionale Anführer des ELN, sagte der Innenminister des nördlichen Department Bolívar, Carlos Feliz, im kolumbianischen Fernsehen. Die Regierung Kolumbiens hatte eine Art Kopfgeld von 150 000 Euro auf einen der beiden Anführer ausgesetzt.

Das Verteidigungsministerium bestätigte auf Twitter, dass sich die Operation gegen den Mann mit dem Alias «Mocho Tierra» gerichtet habe. Er soll verantwortlich für Anschläge auf Militär und Polizei gewesen sein. Der ELN hatte zuletzt eine wegen der Corona-Krise ausgerufene vorübergehende einseitige Waffenruhe nicht über den 30. April hinaus verlängert.

Kolumbien litt jahrzehntelang unter einem bewaffneten Konflikt zwischen den Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Die grösste Rebellen-Organisation «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (Farc) hat inzwischen einen Friedensvertrag mit der Regierung geschlossen und die Waffen niederlegt.

Die Sicherheitslage in dem südamerikanischen Land hat sich seitdem verbessert. Aber die kleinere Guerillagruppe ELN kämpft noch immer gegen den Staat. Im Januar 2019 starben bei einem ELN-Anschlag auf eine Polizeiakademie in Bogotá 22 Menschen. Die Regierung brach die Friedensgespräche mit den Rebellen daraufhin ab. (sda/dpa)

Das echte Dschungelcamp: Alltag bei den kolumbianischen FARC-Rebellen

Es ist nicht die kolumbianische Version des RTL-«Dschungelcamps», sondern Alltag bei der FARC: Rebellen baden Anfang Januar 2016 in einem Fluss nahe ihres Unterschlupfs im Bundesstaat Antioquia. Bei der marxistischen Guerilla gibt es viele Paare ... AP/AP / Rodrigo Abd
... das Wenige wird geteilt. Das Camp selber ist kein Luxus. Hier cremt sich Yira Castro ein: Die Kommandantin mittleren Ranges ist sowas wie die Mutter des Lagers der 36. Brigade, in dem sich immer öfter Frauen des Machotums erwehren. AP/AP / Rodrigo Abd
Vernetzt auch im kolumbianischen Urwald: Auch Yira Castro ist mit einem FARC-Kämpfer liiert. Die Gruppe ist heute etwa 8000 Mann (und Frau) stark und wurde 1964 gegründet. In dem blutigen Konflikt wurden bisher mindestens 220'000 Menschen getötet ... AP/AP / Rodrigo Abd
Die jungen Kämpfer haben oftmals schon viel erleben müssen: Oft sind sie mehr von persönlichen Tragödien gezeichnet als von politischer Ideologie. Diese 20-Jährige ist mit 16 aus ihrem verarmten Zuhause zusammen mit ihrem Onkel geflohen, nachdem ihr Stiefvater sie vergewaltigt hat. AP/AP / Rodrigo Abd
Das Leben im Dschungel ist hart, doch meist kommen die Kämpfer ohnehin aus bescheidenen Verhältnissen: Harrison zieht ein Schwein zum Feuer, bevor die Borsten entfernt werden. Das Tier wird 26 Menschen einige Tage ernähren. AP/AP / Rodrigo Abd
Hier verwertet die Gruppe Innereien des Schweins. Und wo wir schon beim Allttag sind: Und in den Töpfen, sieht es ... AP/AP / Rodrigo Abd
... dann so aus: Reis, Eier, Wurst und Bohnen kommen auf den Blättertisch. Das ist für die meisten Kämpfer mehr als früher: Die FARC ist für sie Familienersatz, ernährt sie und vermittelt Zugehörigkeit. AP/AP / Rodrigo Abd
Nach wie vor verdient die FARC Geld durch Entführungen. Erst Mitte Januar hat das Militär in der Stadt Aguachica mit 200 Soldaten 15 Fischer, darunter drei Minderjährige, aus der Hand der Rebellen befreit. Im Bild: Commander Juan Pablo, 41, mit einer Patrouille. AP/AP / Rodrigo Abd
Doch in den Konflikt ist Bewegung gekommen: Regierung und Guerilla haben sich bei Verhandlungen auf eine von der UNO überwachte Waffenruhe geeinigt. Die Beobachter sollen nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrages auch ... AP/AP / Rodrigo Abd
... zwölf Monate lang eine Entwaffnung der Rebellen kontrollieren. Marcela beim Baden im besonders undurchlässigen Dschungel. Grosse Camps gehören der Vergangenheit an: Einheit 36 (eigentlich Front 36) besteht aus 22 Soldaten, 4 Kommandeuren und 2 Hunden. AP/AP / Rodrigo Abd
Durchschnaufen im Bürgerkrieg: Seit die FARC am 20. Juli 2015 eine einseitige Waffenruhe ausgerufen hatte, stellte die kolumbianische Regierung die Luftangriffe auf Rebellenstellungen ein. Seit Mitte November sind die Kämpfe ganz zum Erliegen gekommen. AP/AP / Rodrigo Abd
Bei der Küchenarbeit müssen alle ran – doch vielleicht ist die Mission bald vorbei. Bis März wollen die Konfliktparteien in Kolumbien den Friedensvertrag unterzeichnen. AP/AP / Rodrigo Abd
Kommandeur Juan Pablo mit Freundin und Mitkämpferin Tania. Die 25-Jährige hat grosse Ambitionen: «Wenn der Friedensvertrag unterzeichnet wird, würde ich mit Juan gerne zwei Kinder haben, Zahnarzt werden und Armen mit meiner Arbeit helfen.» AP/AP / Rodrigo Abd
Feldärztin Cindy wickelt ihre Waffe ein, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Sie ist bei der FARC, seit sie 18 Jahre alt ist. «Wenn es Frieden mit der Regierung gibt, müssen wir in die Politik gehen, Bildung schaffen – und nach all den Jahren endlich unsere Familien wiedersehen.» AP/AP / Rodrigo Abd
Juliana und Alexis vor ihrem Zelt: Innerhalb des Camps spielt Geld keine Rolle. Von Medizin bis zu Zigaretten wird alles zugewiesen. «Deshalb gibt es auch keine Abhängigkeit, durch die sie erwartet, dass ich sie versorge – so wie es üblich ist in Lateinamerika», erklärt Alexis. «Zwischen uns gibt es nur Liebe.» AP/AP / Rodrigo Abd
Alexis, 24, schert Juan Pablos Haare. Der denkt erstmals an ein Leben nach dem Dschungel. Im Zuge des Friedensprozesses sind die ersten 16 Rebellen aus der Haft entlassen worden. Es handle sich um eine «erste Geste der Regierung» nach dem Andauern der Waffenruhe. AP/AP / Rodrigo Abd

8'500 Entführungen – FARC-Kommandanten vor Gericht

Video: SRF / Roberto Krone

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