Bild: EPA/PERFECTURE OF ATLANTIC
Containerschiff sinkt vor Atlantikküste – es droht eine Umweltkatastrophe
Nach dem Untergang des Containerschiffs «Grande America» vor der französischen Atlantikküste hat sich ein kilometerlanger Ölteppich auf dem Meer gebildet. Ein Spezialschiff zur Bekämpfung von Meeresverschmutzung werde am Donnerstagmorgen erwartet.
Dies teilte die zuständige Meerespräfektur am Mittwochabend in Brest mit. Auch die Europäische Agentur für die See-Sicherheit wurde im Kampf gegen die Verschmutzung eingeschaltet.
Der Ölteppich sei etwa zehn Kilometer lang und etwas einen Kilometer breit, berichtete die Präfektur weiter. Die See sei sehr bewegt; Wellen erreichten eine Höhe von bis zu sechs Metern.
Der aus Hamburg kommende und unter italienischer Flagge fahrende Frachter war in Brand geraten und am Dienstag rund 330 Kilometer von der französischen Küste entfernt in der Biskaya gesunken. Das Schiff hatte Gefahrgut an Bord. Der Inhalt von 45 Containern werde als gefährlich eingestuft, hatte die Meerespräfektur zuvor mitgeteilt. Insgesamt hatte das Schiff 365 Container an Bord. Die «Grande America» gehört zur italienischen Grimaldi-Gruppe.
Ausserdem hatte die «Grande America» rund 2200 Tonnen Schweröl an Bord, wie der Sender Franceinfo berichtete. Das 214 Meter lange Schiff, das auch rund 2000 Fahrzeuge transportierte, hatte zuletzt starke Schlagseite gehabt. Umweltminister François de Rugy warnte bereits nach dem Unglück vor einer möglichen Meeresverschmutzung.
Nach Angaben der Präfektur waren 27 Menschen an Bord des Schiffes. Sie wurden vom britischen Kriegsschiff «HMS Argyll» gerettet. (sda/afp/dpa)
Riesenfrachter verliert in stürmischer Nordsee 270 Container:
Video: srf/SDA SRF
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Schiff mit Tarnung – 1000 Seemeilen durch Feindesgebiet:
Wie du siehst, siehst du ... nichts: 1942 im Zweiten Weltkrieg wurde ein niederländisches Schiff vom Minenräumboot zum Gemüsefrachter. Der clevere Kapitän tarnte es so gründlich mit Bäumen, Büschen und Gestrüpp, dass es aussah wie eine kleine Insel. Dann tuckerten die Niederländer in Schleichfahrt davon und erreichten nach einigen Tagen tatsächlich Australien, unentdeckt von japanischen Streitkräften.
Grün ist die Hoffnung, grün ist das Leben! Nachdem der Grossteil der niederländischen Flotte in Südostasien während der Schlacht in der Javasee zerstört oder in die Flucht geschlagen worden war, fand sich die Besatzung der «Hr. Ms. Abraham Crijnssen» 1942 in einer misslichen Lage. Als eines der letzten verbliebenen Militärschiffe musste sich die «Crijnssen» fast 1000 Seemeilen auf eigene Faust bis nach Australien durchschlagen – quer durch von den Japanern kontrolliertes Gebiet. Kapitän Anthonie Van Miert liess das Schiff kurzerhand als Tropeninsel tarnen – mit Unmengen von Gestrüpp. Die wenigen nicht begrünten Flecken des Schiffes strich die Besatzung in Tarnfarben an.
Eine Insel mit zwei Masten: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 15 Knoten war die «Abraham Crijnssen» nicht schnell genug, um japanischen Schiffen im Ernstfall entkommen zu können. Und mit seiner 3-Zoll-Bordkanone und vier kleinen Flugabwehr-MGs nicht stark genug bewaffnet, um ernsthafte Chancen bei der Begegnung mit japanischen Kampfflugzeugen zu haben. Also besann sich die Besatzung auf eine andere Strategie – möglichst wirkungsvolle Tarnung.
Unbepflanzt: Die «Abraham Crijnssen», ohne ihren grünen Tarnmantel deutlich weniger inselartig, nach ihrer spektakulären Flucht im März 1942. Nach ihrer Ankunft in Australien wurde das Schiff umgebaut und in den Dienst der Royal Australian Navy überstellt. Noch bis 1951 wurde es als Eskorte für Konvois und als Minensuchschiff eingesetzt.
Angespanntes Nichtstun: Nur nachts setzte die «Crijnssen» ihre Fahrt langsam fort, tagsüber ankerte man stets in der Nähe von Inseln und wartete ab. Eine harte Nervenprobe für die aus niederländischen Soldaten und Zivilisten auf der Flucht zusammengewürfelte Besatzung. Dieses Crewmitglied vertreibt sich die Zeit, indem es einen der Aussenborder eines Beiboots kontrolliert.
Lebenswichtige Gärtnerarbeiten: In der tropischen Hitze Indonesiens trockneten die abgeschnittenen Bäume, Äste und Büsche schnell. Darum folgte die Mannschaft der «Abraham Crijnssen» einem täglich wiederholten Rhythmus: Wenn nach nächtlicher Fahrt in den frühen Morgenstunden vor einer neuen Insel geankert wurde, fuhren als erstes Soldaten mit dem Beiboot an Land. Sie versuchten, noch vor Tagesanbruch neue Begrünung zu schneiden und an Bord zu schaffen, um den Tarnmantel aufzufrischen, von dem ihre Leben abhingen.
Sorgfältige Tarnung: Die Crew der «Crijnssen» profitierte davon, dass Kapitän Van Miert kühlen Kopf bewahrt hatte, als am 6. März der Befehl zum Rückzug erteilt worden war. Während andere Schiffe sofort aufgebrochen waren, hatte Van Miert den Tag genutzt, um die «Crijnssen» und die Aufbauten akribisch mit Ästen zu bedecken. Erst am Abend hatten sie den Hafen der niederländischen Militärbasis in Soerabaja (heute: Surabaya) verlassen.
Dezimierte Mannschaft: Da mit dem Fluchtversuch ein hohes Risiko verbunden war, hatte Kapitän Van Miert seiner 45 Mann starken Crew vor Antritt der Fahrt freigestellt, ob sie mitkommen wollten oder nicht. Ein grosser Teil der Besatzung – inklusive aller indonesischen Mitglieder – war daraufhin von Bord gegangen. Anschliessend war die Mannschaft mit Ersatzkräften von anderen Schiffen und Zivilisten auf der Flucht vor den japanischen Invasoren aufgestockt worden.
Die «Crijnssen» heute: Nach seinem Gastspiel in Australien wurde das Minenräumboot 1951 wieder an die Marine der Niederlande übergeben. 1995 trat die «Abraham Crijnssen» schliesslich in den Ruhestand – im Marinemuseum von Den Helder, wo sie noch immer zu besichtigen ist. Wenn auch ohne fotogene Begrünung.
Museumsstück: Innenraum der «Abraham Crijnssen» im Marinemuseum Den Helder. In diesen Kabinen drängte sich 1942 die Besatzung des Schiffes, die während der tropischen Hitze des Tages unter Deck bleiben musste, um die Illusion der Insel nicht zu zerstören.
In Sicherheit: Die «Crijnssen» bei ihrer Einfahrt in den Hafen von Sydney im September 1942, nun im Dienst der australischen Marine. Am 15. März war das Schiff von einem australischen Aufklärungsflieger vor der Küste treibend entdeckt worden.
Abgeguckt: Das Tarnmodell der «Abraham Crijnssen» funktionierte so gut, dass es nach kurzer Zeit auch von einem seiner Schwesterschiffe, der «Jan Van Amstel», übernommen wurde. Nachdem deren Kapitän am 10. März der «Crijnssen» begegnet war, versuchte auch er, sein Minenräumboot notdürftig mit Laub tarnen zu lassen. Offenbar zu spät: Noch in der folgenden Nacht wurde die «Jan Van Amstel» von einem japanischen Militärschiff entdeckt und versenkt.