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Bild: EPA

Deutscher Zoll blockiert Schweizer Medizin-Importe aus China

Der deutsche Zoll in Hamburg hat eine Lieferung mit Medizinalgütern festgesetzt. Der Schiffscontainer wäre für die Schweiz bestimmt. War es ein Versehen?

Publiziert: 11.03.20, 04:50 Aktualisiert: 11.03.20, 09:44

Am Sonntag sorgte ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag» für reichlich Ärger in der Schweiz. Der deutsche Zoll blockierte eine Lieferung mit 240'000 Schutzmasken, die für die Schweiz bestimmt waren. Laut dem Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sei es kein Einzelfall, weitere Transporte seien blockiert.

Dahinter steckt der Entschluss Deutschlands von letzter Woche, dass die Versorgung der eigenen Bevölkerung im Kampf gegen das Coronavirus Priorität habe. Der grosse Kanton verbot deswegen die Ausfuhr von medizinischen Schutzmaterialien.

Nun berichtet der «Tagesanzeiger» von einem weiteren Fall, der noch gravierender ist. Gemäss mehreren voneinander unabhängigen Quellen blockiert der deutsche Zoll in Hamburg einen Schiffscontainer mit Medizinalgütern. Ein Schweizer Importeur hatte die Lieferung in China bestellt, der Container wäre also nur zu Transitzwecken durch Deutschland. Rechtlich gesehen, war der Container also gar nicht in die Bundesrepublik eingeführt worden. Gemäss «Tagi» befinden sich im Container Operationshandschuhe aus asiatischer Produktion.

«Weitet sich der deutsche Exportstopp für medizinisches Schutzmaterial zum Handelsembargo gegen die Schweiz aus?»

«Tagesanzeiger»-Artikel

Parmelin interveniert

Das Wirtschaftsdepartement bestätigte den Lastwagenfall vom Sonntag, zum neuen Fall in Hamburg will es sich aber nicht äussern. Gegenüber dem «Tagi» sagte das Departement jedoch, dass man von mehreren blockierten Lieferungen Kenntnis habe und man unter Hochdruck an einer Lösung arbeite.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Bild: KEYSTONE

So habe Bundesrat Parmelin am Montag persönlich in Berlin interveniert und mit seinem deutschen Amtskollegen Peter Altmaier telefoniert. Parmelins Kommunikationschef Urs Wiedmer sagte, die Gespräche laufen «lösungsorientiert auf höchster Ebene weiter.» Laut «Tagesanzeiger» mit Erfolg: Eine Quelle beim deutschen Zoll berichtete, dass der Container in Hamburg wieder freigegeben wurde und es sich dabei nur um ein Versehen gehandelt hätte. Offiziell bestätigt ist dies aber nicht.

Exportstopp trifft Schweiz besonders hart

Das Dekret des deutschen Wirtschaftsministerium vom 4. März verbietet jegliche Ausfuhr von Schutzbrillen, Masken, Schutzanzügen und weiterem Schutzmaterial in andere EU-Länder oder Drittstaaten.

Da die Schweiz fast das gesamte medizinische Schutzmaterial importiert, hat Dekret besonders harte Auswirkungen. Gut möglich, dass jetzt aber Bewegung in die Sache kommt. Die deutsche Botschaft sagte auf Anfrage, dass das Dekret «noch diese Woche angepasst werde, um im Einzelfall Exporte genehmigen zu können.» Es seien mehrere Ministerien in den Prozess involviert.

Am Montag hiess es bei einer Pressekonferenz des Auswärtigen Amts in Berlin: Man stehe «in einem engen Austausch mit unseren europäischen Partnern, eben auch mit der Schweiz. Klar ist natürlich: Wir wollen hier in Europa solidarisch sein.»

Grippe und Covid-19 im Vergleich

Bei der Diskussion um den Coronavirus wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Die WHO nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede: EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ähnlich ist demnach die Ausprägung der Infektionskrankheiten: Beide sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. EPA / IGOR KUPLJENIK
Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch direkten Kontakt übertragen. Darum greifen bei beiden auch die gleichen Vorsichtsmassnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden. KEYSTONE/TI-PRESS / Alessandro Crinari
Unterschiede gibt es laut WHO bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit: Influenza habe eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome, zudem erfolgten die Ansteckungen in den Infektionsketten rascher aufeinander. Bei Covid-19 liege dieses Intervall bei etwa 5 bis 6 Tagen, bei Influenza bei 3 Tagen. Das bedeute, dass sich Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Hinzu komme, dass bei Influenza oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen angesteckt würden. Bei Covid-19 seien zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt, sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe selten und spielten für die Weiterverbreitung kaum eine Rolle. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die Ansteckungsrate. Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben - und damit an mehr als bei Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heisst es von der WHO. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Erhebliche Unterschiede gibt es im Bezug auf Kinder: «Kinder sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft», so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken - Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. EPA / JALIL REZAYEE
Bei 5 Prozent der Infizierten ist demnach künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle - exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen. AP / Sakchai Lalit
Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen. EPA / NICOLA FOSSELLA
Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. «Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19», so die WHO. Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. EPA / ALEX PLAVEVSKI

Reaktionen aus der Schweiz

Nun wird auch die Politik in der Schweiz aktiv: Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann habe in der aussenpolitischen Kommission mehrere Fragen eingereicht, so verlange er etwa vom Bundesrat, eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) zu prüfen. Auf Twitter schrieb er: «Internationale Klagen sind vorzubereiten!»

(jaw)

Coronavirus: Was du wissen musst

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 geht um die Welt. Was du darüber wissen musst. AP / Zoltan Balogh
Sars-CoV-2 gehört zur gleichen Erregergruppe wie das Sars- und Mers-Virus. EPA / CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND
Das neue Virus ist zwar deutlich ansteckender, die Sterberate ist jedoch deutlich tiefer als bei Sars und Mers. EPA / NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES O
Ende 2019 waren vier Fälle bekannt, am 1. März waren es weltweit rund 90'000. EPA / MARK R. CRISTINO
Das erste Opfer in Europa starb am 21. Februar in Norditalien. EPA / JAN HETFLEISCH
Das grösste Risiko, an Covid-19 – so heisst die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit – zu sterben, haben Menschen über 80 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Mortalitätsrate in dieser Altersgruppe bei 14,8 Prozent. EPA / JEROME FAVRE
Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders gefährdet, vor den Diabetikern und Personen mit Atemwegserkrankungen und hohem Blutdruck. EPA / TOLGA BOZOGLU
Anzeichen für eine Infektion sind gemäss WHO grippeähnliche Symptome, Atembeschwerden, Atemlosigkeit, Fieber und Husten. AP
Vier von fünf der von der Krankheit betroffenen Patienten leiden an einer gutartigen Ausprägung, wie eine chinesische Studie an 72'000 Personen zeigte. AP / Kerstin Joensson
In schweren Fällen kann das Virus zu Lungenentzündungen, akuten Atembeschwerden, Nierenversagen oder zum Tod führen. EPA / Tamas Soki
Zur Vorbeugung wird empfohlen, Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten, sich regelmässig die Hände zu waschen, Mund und Nase zu bedecken, wenn man hustet und niest, respektive in die Ellenbeuge zu husten und zu niesen. EPA / MOURAD BALTI TOUATI
Einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gibt es noch nicht. Und das dürfte auch noch dauern. Für das Mers-Virus, das 2012 auf der Arabischen Halbinsel entdeckt wurde und das auch zu den Coronaviren gehört, wird ein Impfstoff erst seit 2018 klinisch geprüft. EPA / NICOLA FOSSELLA
Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben – und damit an mehr als bei einer Grippe (Influenza). Hier ist die Datenlage aber noch unsicher. AP / Piero Cruciatti

So bauen die Chinesen ein Notspital innert zehn Tagen

Video: SRF / Roberto Krone

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