Geniesst das Bad in der Menge: Luiz Inácio Lula da Silva.
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Anhänger feiern aus Haft freigelassenen Lula bei São Paulo
Einen Tag nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis ist Brasiliens früherer Präsident Luiz Inácio Lula da Silva von seinen Anhängern als Held gefeiert worden. In einer Rede griff Lula den rechtsradikalen Staatschef Jair Bolsonaro scharf an.
Vor dem Sitz der Metallarbeitergewerkschaft nahe São Paulo wurde der linksgerichtete Ex-Präsident am Samstag von Vertrauten, Unterstützern und sogar Journalisten warmherzig empfangen. Bolsonaro sei gewählt worden, «um für das brasilianische Volk zu regieren und nicht für die Milizen in Rio de Janeiro», sagte Lula. «Ich bin zurück», sagte er und bezeichnete den damaligen Richter in seinem Prozess und heutigen Justizminister Sergio Moro als Schurken.
Über alle Etagen des Gebäudes hing ein riesiges Transparent mit Lulas Konterfei, zudem wurde eine mehrere Meter hohe Lula-Pappfigur aufgestellt. Auf Schildern war «Lula frei» zu lesen.
«Lula frei»: Anhänger feiern die Freilassung von Luiz Inácio Lula da Silva.
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Urteil des Gerichts
«Ich bin gekommen, weil ich an seine Unschuld glaube», sagte die 38-jährige Tamara Blanco der Nachrichtenagentur AFP. Lula sei «der beste Präsident, den Brasilien je hatte» gewesen und werde «es immer bleiben».
Lula hatte das Gefängnis am Freitag nach mehr als eineinhalb Jahren Haft unter dem Jubel seiner Anhänger verlassen. Möglich geworden war die Freilassung nach einem Urteil des Obersten Gerichts.
Dieses hatte am Donnerstag eine Regelung aufgehoben, wonach ein Verurteilter schon vor Ausschöpfung aller Rechtsmittel inhaftiert werden kann, wenn seine Verurteilung bei der ersten Berufung bestätigt wurde. Lulas Anwälte hatten nach dem Urteil umgehend seine Freilassung beantragt.
Millionen Menschen aus Armut geholt
Als Staatspräsident hatte Lula mit Sozialprogrammen Millionen Menschen aus der bittersten Armut geholt. Auch wirtschaftlich boomte Brasilien während seiner Amtszeit (2003-2010). Allerdings blühte unter seiner Präsidentschaft auch die Korruption in der grössten Volkswirtschaft der Region.
Lula kündigte nach seiner Freilassung an, er werde Brasilien bereisen. Dabei wolle er «zeigen, dass dieses Land viel besser sein könnte, wenn es einen Präsidenten hätte, der nicht so viel auf Twitter lügt wie Bolsonaro», sagte er mit Blick auf den amtierenden rechtsradikalen Staatschef Jair Bolsonaro. Er werde weiter kämpfen, «um das Leben des brasilianischen Volkes zu verbessern».
Bolsonaro schrieb am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, Lula sei zwar «momentan frei, aber schuldig». Im vergangenen Jahr hatte Bolsonaro während seines Wahlkampfes verkündet, er wolle, dass Lula «im Gefängnis verrottet».
Herabsetzung der Strafe
Lula, der von 2003 bis 2010 Präsident Brasiliens war, war 2017 nach einem Aufsehen erregenden Verfahren wegen Korruption zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Seit April 2018 sass er seine Haftstrafe ab, die zwischenzeitlich auf acht Jahre und zehn Monate herabgesetzt wurde.
Lula wird vorgeworfen, eine Luxuswohnung als Gegenleistung für lukrative Aufträge des Staatskonzerns Petrobras an das Bauunternehmen OAS erhalten zu haben. Er weist alle Vorwürfe zurück und sieht diese als politisch motiviert an, um ihn an einer Rückkehr ins Präsidentenamt zu hindern. (sda/afp/dpa)
Erst Präsident, dann im Knast
Park Geun Hye (*1952), Südkorea, Präsidentin von 2013 bis 2017. Park wurde am 6. April 2018 wegen Korruption und Machtmissbrauchs zu 24 Jahren Haft verurteilt. Sie war im Dezember 2016 vom Parlament abgesetzt worden. Das Verfassungsgericht bestätigte die Amtsenthebung im März 2017. EPA/KYODONEWS POOL / SONG KYUNG-SEOK / POOL
Luiz Inácio Lula da Silva (*1945), Brasilien, Präsident von 2003 bis 2011. Lula da Silva wurde im Juli 2017 zu neun Jahren und sechs Monaten Haft wegen Korruption verurteilt; das Berufungsgericht erhöhte die Haftstrafe im Januar 2018 auf zwölf Jahre und einen Monat. AP/AP / Nelson Antoine
Mosche Katzav (*1945), Israel, Präsident von 2000 bis 2007. Katzav wurde wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe gegenüber drei Frauen schuldig gesprochen und 2011 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. 2016 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. AP/AP / Sebastian Scheiner
Ehud Olmert (*1945), Israel, Premierminister von 2006 bis 2009. 2015 wurde er wegen Bestechlichkeit zu 18 Monaten Haft verurteilt, die er im Februar 2016 antrat. Im Juni 2017 konnte er das Gefängnis vorzeitig verlassen. EPA/SIPA PRESS POOL / HEIDI LEVINE / POOL
Alberto Fujimori (*1938), Peru, Präsident von 1990 bis 2000. Fujimori wurde 2000 während eines Japan-Aufenthalts des Amtes enthoben und blieb danach in Japan. 2005 wurde er bei der Einreise nach Chile verhaftet und später an Peru ausgeliefert. Ab 2007 wurde Fujimori mehrfach wegen Korruption und Menschenrechtsverstössen zu jahrzehntelangen Haftstrafen verurteilt. Ende 2017 wurde er aufgrund seines Gesundheitszustandes begnadigt. EPA/EFE / Ernesto Arias
Ollanta Humala (*1966), Peru, Präsident von 2011 bis 2016. Humala und seiner Gattin Nadine Heredia (r.) wird Geldwäsche und Verschwörung vorgeworfen. Seit 2017 sitzt das Paar in Untersuchungshaft. EPA/EFE / Raul Garcia Pereira
Alfonso Portillo (*1951), Guatemala, Präsident von 2000 bis 2004. Nach dem Ende seiner Amtszeit ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsverdachts gegen Portillo, doch das Verfahren wurde 2011 aus Mangel an Beweisen eingestellt. 2013 lieferte Guatemala ihn an die USA aus, wo er 2014 wegen Geldwäsche zu 70 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. AP/AP / Luis Soto
Joseph Estrada (*1937), Philippinen, Präsident von 1998 bis 2001. Estrada wurde nach einer putschähnlichen Amtsenthebung 2001 verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Im September 2007 wurde er der Korruption für schuldig befunden und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, im gleichen Jahr aber von seiner Nachfolgerin begnadigt. AP/AP / Kin Cheung
Gloria Macapagal-Arroyo (*1947), Philippinen, Präsidentin von 2001 bis 2010. Gegen Estradas Nachfolgerin Macapagal-Arroyo wurde im November 2011 ein Haftbefehl wegen Wahlbetrug erlassen. 2012 kamen Vorwürfe wegen Korruption hinzu. Im gleichen Jahr wurde sie auf Kaution freigelassen. Seit 2013 ist sie Parlamentsabgeordnete. EPA/EPA / ROLEX DELA PENA
Chen Shui-bian (*1950), Taiwan, Präsident von 2000 bis 2008. Shi-bian erhielt 2009 eine lebenslange Haftstrafe wegen Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung von Staatsgeldern. Später wurde die Strafe auf 20 Jahre reduziert. POOL / LIU HSIN-TEH
Augusto Pinochet (1915-2006), Chile, Präsident (de facto) von 1973 bis 1990. Der General wurde nie für ein während seiner Diktatur begangenes Verbrechen wie Mord oder Folterung verurteilt; er starb vor Abschluss der Verfahren. Er wurde 1998 bei einer Reise nach Grossbritannien wegen eines spanischen Haftbefehls verhaftet, aber aufgrund seiner schlechten Gesundheit 2000 entlassen, worauf er nach Chile zurückkehrte. Dort stand er bis zu seinem Tod mehrfach unter Hausarrest. AP/AP / SANTIAGO LLANQUIN
Jorge Rafael Videla (1925-2013), Argentinien, Präsident (de facto) von 1976 bis 1981. Der Chef der Militärjunta und Diktator
wurde 1985 wegen Menschenrechtsverletzungen zu lebenslanger Haft verurteilt, aber 1990 begnadigt. 1991 erneut verhaftet, wurde er unter Hausarrest gestellt. 2010 und 2012 erhielt er weitere hohe Haftstrafen. Videla starb 2013 im Gefängnis. AP/AP / Eduardo Di Baia
Roberto Eduardo Viola (1924-1994), Argentinien, Präsident (de facto) 1981. Nach dem Ende der Militärdiktatur wurde der kurzzeitige Juntachef mit acht anderen Mitgliedern der Junta vor Gericht gestellt und verurteilt. 1992 wurde er begnadigt. Wikimedia Commons
Leopoldo Galtieri (1926-2003), Argentinien, Präsident (de facto) von 1981 bis 1982. Der Chef der Militärjunta wurde nach der Niederlage im Falkland-Krieg entmachtet. Ende 1983 wurde er verhaftet und 1986 von einem Militärgericht wegen Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur zu zwölf Jahren Haft verurteilt. 1991 wurde er begnadigt. AP / STR
Reynaldo Bignone (1928-2018), Argentinien. Der General war von 1982 bis 1983 als Chef der Militärjunta faktisch Staatspräsident. 2010 und in den Jahren danach wurde der letzte Diktator Argentiniens mehrfach wegen Menschenrechtsverletzungen zu hohen Haftstrafen verurteilt. AP/AP / Victor R. Caivano
Canaan Banana (1936-2003), Simbabwe, Präsident von 1980 bis 1987. 1996 wurde Banana wegen Homosexualität verhaftet und im Jahr darauf wegen Homosexualität, versuchter Homosexualität und Sexualverbrechen verurteilt. Er floh ins Ausland, kam aber 1999 zurück und wurde erneut verurteilt. Diesmal erhielt er zehn Jahre Gefängnis, wurde aber 2001 aus der Haft entlassen. AP / ROB COOPER
Slobodan Milošević (1941-2006), Bundesrepublik Jugoslawien, Präsident von 1997 bis 2000. Im Mai 1999 wurde Milošević vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. 2001 wurde er festgenommen. Er starb vor Beendigung des Verfahrens im März 2006. AP/ICTY
Saddam Hussein (1937-2006), Irak, Präsident von 1979 bis 2003. Der irakische Diktator ging nach der US-geführten Invasion und seinem Sturz 2003 in den Untergrund, wurde aber Ende des Jahres verhaftet. Im November 2006 verurteilte ihn ein irakisches Sondertribunal zum Tod, er wurde im folgenden Monat hingerichtet. AP POOL / DARKO BANDIC
Luis Ángel González Macchi (*1947), Paraguay, Präsident von 1999 bis 2003. Im Dezember 2006 wurde González wegen Veruntreuung in Millionenhöhe zu acht Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von umgerechnet 750'000 Euro verurteilt. AP / STR
Manuel Noriega (1935-2017), Panama, Präsident (de facto) von 1983 bis 1989. Nach der US-Invasion in Panama wurde er gestürzt und 1992 von einem US-Gericht wegen Drogenhandels, Schutzgelderpressung und Verschwörung zu einer Haftstrafe verurteilt. Er blieb bis zu seinem Tod 2017 in Haft. AP/a Government Handout / Anonymous
Moussa Traoré, (*1936), Mali, Präsident von 1968 bis 1991. Nach seinem Sturz 1991 wurde Traoré für Gewaltverbrechen während seiner Amtszeit zum Tode verurteilt. 1999 verhängte ein Gericht eine weitere Todesstrafe gegen ihn, doch 2002 wurde er begnadigt. AP / HERMANN J. KNIPPERTZ
Zulfikar Ali Bhutto (1953-1979), Pakistan, Präsident von 1971 bis 1973, Premierminister von 1973 bis 1977. Bhutto wurde 1977 verhaftet und wegen angeblicher Anstiftung zum Mord an einem Oppositionspolitiker zum Tode verurteilt. Am 4. April 1979 wurde er trotz internationaler Proteste in Rawalpindi gehenkt. AP/AP
Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva soll ins Gefängnis
Video: SRF / Roberto Krone
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