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Elon Musk verkauft seine Häuser und droht Kalifornien mit Abzug von Tesla

Nach mehreren Eskapaden auf Twitter stellen sich mindestens zwei Fragen: Ist dem Milliardär das flüssige Geld ausgegangen? Und wie spricht man eigentlichen den Namen seines Sohnes «X Æ A-12» aus?

Publiziert: 11.05.20, 22:58 Aktualisiert: 12.05.20, 08:23
Raffael Schuppisser / ch media

Was tut er als nächstes? Elon Musk wird immer unberechenbarer. Zu diesem Schluss kommt, wer dem Unternehmer auf Twitter folgt. In den letzten Tagen hat er auf dem Kurznachrichtendienst angekündet, alle seine Häuser zu verkaufen, die Regierung von Kalifornien als faschistisch beschimpft, vermeldet den Hauptsitz von Palo Alto nach Nevada zu verlegen und sich mit seiner Freundin über den Namen ihres gemeinsamen Sohnes gestritten.

Musks Elektroautofirma Tesla, die mehrfach vor dem Bankrott stand, hat in diesem Jahr punkto Marktwert Volkswagen überholt und ist damit hinter Toyota zum zweit wertvollsten Autobauer aufgestiegen. Doch solange der Chef dermassen unberechenbar ist, solange ist das auch die Zukunft der Firma.

Wut über den Lockdown und Wegzugspläne

Der Grund für den Ärger gegen die kalifornische Regierung liegt in deren Massnahmen gegen die Coronapandemie: Elon Musk passte nicht, dass er seine Fabrik nicht schon diese Woche öffnen darf. Er twitterte, dass nun das Mass voll sei und er sein Hauptquartier unverzüglich nach «Texas/Nevada» verlegen werde. Auch die Produktion in Kalifornien stehe auf dem Spiel, wenn Tesla in Zukunft nicht besser behandelt würde. Tesla ist der letzte Autohersteller, der noch in Kalifornien produziert, und Arbeitgeber von 10'000 Angestellten.

Es ist eine Trotzreaktion. Denn bereits in einer Woche könnte die Fabrik wieder geöffnet werden. Die Verlagerung des Hauptsitzes oder gar der Produktionsstätte aber ist ein langwieriges und kostspieliges Manöver. In der «New York Times» entgegnete ein kalifornisches Regierungsmitglied, dass Musk doch die Zeit mit seinem neuen Baby geniessen solle und er seine Fabrik am 18. Mai wieder öffnen könne.

Musk Freundin, die 32-jährige Sängerin Grimes, hat kürzlich einen Sohn geboren, den das Paar auf dem Namen «X Æ A-12» getauft hat. Wobei noch nicht ganz klar ist, ob das die Behörden überhaupt zulassen. X, so hat es die Mutter auf Twitter erklärt, sei die «unbekannte Variable», Æ bedeute in einer Elfensprache «Liebe» oder «A. I. für Artificial Intelligence» (künstliche Intelligenz), und A-12 sei der Name ihres Lieblingskampfjets sowie eine Abkürzung für «Archangel», ihren Lieblingssong. Ausgesprochen werde der Namen «X Ash Archangel». Anders sieht das Musk, der den Namen in einem Podcast als «x-as-a-12» aussprach und auch die Sache mit dem Kampfjet etwas anders sieht.

Musks Freundin, die Musikerin Grimes. Bild: Invision/Invision

Für den 48-jährigen Musk ist es bereits das sechste Kind. Mit seiner Ex-Frau, der Fantasy-Schriftstellerin Justine Wilson, hat er fünf gemeinsame Söhne. Seit zwei Jahren ins Musk mit der kanadischen Musikerin Grimes zusammen, die mit bürgerlichem Namen Claire Boucher heisst und die Popwelt als Technofeministin und Klimaaktivistin aufwirbelt. Wo die Familie in Zukunft leben wird, ist noch offen, denn Elon Musk hat angekündigt, alle seine sieben Häuser zu verkaufen. Drei seiner Villen stehen im Internet bereits zum Verkauf ? für insgesamt 75 Millionen Dollar.

Was ihn zu diesem Schritt bewogen hat, ist nicht klar. In einem Artikel stellt das «Wall Street Journal» die Vermutung an, dass Musik liquide Mittel brauche. Es wäre nicht das erste Mal, dass dem Unternehmen das flüssige Geld ausgehen würde. Musks Vermögen wird zwar auf 37 Milliarden Dollar geschätzt, allerdings ist fast alles Geld in seinen Firmen investiert. Neben Tesla ist Musk auch Gründer und Chef des Raumfahrtunternehmen SpaceX. Musk hat bisher kaum Aktienanteile abgegeben ? teils sogar noch hinzugekauft. Er will die Kontrolle über seine Firmen nicht aus der Hand geben.

Raumfahrer reisen mit wenig Ballast

Vor zwei Jahren meinte er in einem Tweet sogar, dass er Tesla von der Börse nehmen wolle. Der Tweet liess den Aktienkurs steigen ? was die Börsenaufsicht auf den Plan rief und letztlich in einem aussergerichtlichen Vergleich endete. Während der Coronakrise schrieb Musk auf Twitter, dass die Tesla-Aktie seiner Auffassung nach «überbewertet» sei, worauf der Kurs kurzzeitig um über 10 Prozent fiel und grosse Teile seines Vermögens vernichtete.

Gemäss Musk geht es beim Verkauf seiner Häuser aber nicht um Geld, sondern um einen neuen minimalistischen Lebensstil. «Ich widme mein Leben dem Mars und der Erde», meint er auf Twitter: «Besitz zieht einen da nur runter.»

Wie Elon Musk mit Tesla durchstartete

Tesla Motors, oder kurz Tesla, wurde 2003 von Silicon-Valley-Ingenieuren gegründet. Sie wollten beweisen, dass Elektrofahrzeuge herkömmlichen Autos überlegen sind. Getty Images North America / Joe Raedle
Namensgeber ist der Physiker und Erfinder Nikola Tesla. Er hatte schon 1888 einen raffinierten Elektromotor patentieren lassen. Getty Images North America / Trixie Textor
Mit diesem Antrieb debütierte 2008 der Tesla Roadster. Mit der limitierten Auflage von 2500 Autos und einem Preis ab 100'000 Euro war die Firma noch nicht am Ziel ... Getty Images North America / Vince Bucci
Tesla Motors hat sich zum Ziel gesetzt, Elektrofahrzeuge massentauglich zu machen. Im Bild: Ein Tesla Modell S (2014). AP/AP / Ng Han Guan
Die Geschichte des börsennotierten Unternehmens ist eng verknüpft mit der Geschichte seines Geschäftsführers Elon Musk. 2003 stieg er als Investor bei dem US-Unternehmen ein. Getty Images North America / Kevork Djansezian
Musk ist Multimilliardär. 1999 verkaufte er seine erste Firma Zip2 für 307 Millionen Dollar. Später baute er den Online-Bezahldienst Paypal mit auf, der 2002 von Ebay übernommen wurde. AP / PAUL SAKUMA
Mit dem 2002 gegründeten US-Unternehmen SpaceX führt Elon Musk Raumflüge durch. Seit Oktober 2012 finden regelmässige Flüge zur Versorgung der ISS statt. X01879 / SCOTT AUDETTE
Die Tesla-Autos werden in den USA in einem ehemaligen Toyota-Werk gebaut. Im Bild: Musk, 2010, mit dem Toyota-Chef und dem damaligen kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger (von rechts). Getty Images North America / Justin Sullivan
Die zweite Tesla-S-Generation wurde vor allem für Geschäftskunden entwickelt und kostet um die 65'000 Euro. Im Bild: das 2015 vorgestellte Modell S 70D. AP/AP / Carlos Osorio
Gemeinsam mit Panasonic baut Tesla zurzeit für fünf Milliarden Dollar in den USA eine riesige Batterie-Fabrik, die «Gigafactory». 6500 Mitarbeiter sollen dort beschäftigt werden. X02985 / JAMES GLOVER
In der Gigafactory will Musk auch Akkus fertigen lassen, die als Energiespeicher für Privathäuser und Firmen dienen und die Stromversorgung günstiger und sicherer machen sollen. GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Max Whittaker
Elon Musk ist auch Verwaltungsratspräsident des US-Solaranlagenherstellers SolarCity. AP / MARK LENNIHAN
Tesla beschreibt sich selber als «mehr als ein Autohersteller, nämlich ein Technologie- und Designkonzern, der sich innovativen Energielösungen verschrieben hat». AP / CARLOS OSORIO
Tesla wurde denn auch schon verschiedentlich mit Apple verglichen. Allerdings gab es zuletzt auch Spannungen, weil sich die beiden Unternehmen Ingenieure abwerben. Laut Gerüchten will auch Apple ein Elektroauto entwickeln. EPA/EPA / ANDREW COWIE
Negative Publicity gab es 2013 wegen Elektroautos, die ausbrannten. Innert Wochen gab es mehrere Zwischenfälle. AP Tennessee Highway Patrol
2013 wäre Tesla Motors wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten fast an Google verkauft worden. Dann kam die Wende. In den vergangenen zwei Jahren ist der Börsenwert von sechs auf rund 26 Milliarden Dollar gestiegen. AP/AP / Marcio Jose Sanchez
Seit letztem Jahr wissen wir, dass er nicht nur die Auto- und Raumfahrtindustrie modernisieren will. Der Unternehmer plant angeblich, Satelliten kleiner und billiger zu machen. Ziel ist es, weltweiten kabellosen Internetzugang zu ermöglichen. X80002 / STRINGER

Haben die Milliardär-Bosse ein schlechtes Gewissen?

Video: SRF / Roberto Krone

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