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Die Fans von Eintracht Frankfurt galten zuletzt als besonders enthusiastisch. Bild: Bongarts

Fans im Stadion?! Frankfurt steht mit dem seltsamen Entscheid quer in der Landschaft

Das Achtelfinal-Hinspiel der Europa League zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Basel wird morgen Abend vor vollen Rängen stattfinden. Der Entscheid und die Begründung der Behörden erstaunen.

Publiziert: 11.03.20, 14:22 Aktualisiert: 11.03.20, 14:38

Ganz Europa ist vom Coronavirus betroffen. Ganz Europa? Nein. Ein Bundesland im Herzen Deutschlands ist bislang mehr oder weniger verschont geblieben. «In Hessen gibt es 35 Fälle bei sechs Millionen Einwohnern», sagt René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts. Und deshalb folgert er: «Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass man sich da infizieren kann, liegt bei Null.» Das Spiel gegen den FC Basel könne «bedenkenlos» ausgetragen werden.

Nun ist der Leiter einer Gesundheitsbehörde unbestritten wesentlich qualifizierter als ein Sportredaktor, wenn es darum geht, das Risiko zu beurteilen. Aber der Sportredaktor reibt sich dennoch verwundert die Augen.

Ist es denn nicht so, dass sich das Virus quer über den Kontinent verbreitet? Dass überall Sportanlässe abgesagt oder ohne Zuschauer durchgeführt werden? Dass von denjenigen, die sich noch nicht infiziert haben, Solidarität verlangt wird? Sie zuhause bleiben sollen, möglichst nicht pendeln, möglichst nicht unter Leute gehen?

Sollten die Hessen nicht froh sein, dass sie erst so wenige Infizierte haben? Sollten sie sich nicht darum kümmern, dass diese Zahl so gering wie möglich bleibt? Wurde uns nicht beigebracht, dass sich die Ausbreitung verzögere und sie weniger verheerend sei, je früher harte Massnahmen ergriffen werden?

Die Frankfurter Behörden haben Auflagen für das Europa-League-Spiel gegen den FC Basel erlassen. Wer erkältet oder erkrankt ist, soll ebenso wenig im Stadion erscheinen wie Risikopatienten. Und was, wenn sich auch nur einer nicht daran hält und das Virus unter die Leute bringt? Was, wenn es ein Basler Anhänger in die hessische Oase einschleppt?

Alles sehr theoretisch, schon klar. Vor zwei Wochen hätte ich noch gelacht. Aber nach allem, was in den vergangenen Tagen seitens der Schweizer Behörden unternommen wurde, steht für mich der Ernst der Lage fest.

Basler Spieler feiern mit mitgereisten Fans den Sieg über APOEL Nikosia in der letzten Runde. Bild: AP

«Für uns als Spieler ist es morgen vermutlich die vorerst letzte Möglichkeit, in diesem Stadion vor diesen wunderbaren Fans zu spielen», sagte Frankfurts Schweizer Nationalspieler Djibril Sow heute Mittag. Denn die Eintracht wird zwar gegen den FCB mit Fans im Stadion antreten dürfen, nicht aber am Sonntag in der Bundesliga. Da kommt mit Borussia Mönchengladbach ein Team «aus einer Region, wo es Übertragungen gegeben hat», wie das Frankfurter Gesundheitsamt verlauten lässt.

Ich masse mir kein Urteil zur Arbeit der hessischen Behörden an. Aber verstehen kann ich den Entscheid, der völlig quer in der Landschaft steht, nicht. Ausserdem können sich die Ereignisse derzeit jederzeit überschlagen. Selbst Professor Gottschalk, der Leiter des Gesundheitsamtes, betonte: «Sollte sich die Lage noch drastisch ändern, kann sich die Entscheidung natürlich noch ändern. Auch bis morgen.»

Diskussion über Rückspiel

Für morgen in einer Woche ist das Rückspiel angesetzt, doch in Basel kann es nicht stattfinden. Die Kantonsbehörden haben eine Austragung untersagt. Nun wird diskutiert, wann und wo es gespielt wird.

Probleme gibt es auch anderswo. Viele Partien werden ohne Zuschauer stattfinden. Die Mannschaft der AS Roma konnte heute nicht zum Hinspiel nach Sevilla fliegen, weil Spanien dem Flugzeug aus Italien keine Landeerlaubnis erteilte. Der Präsident von Getafe sagte, sein Klub verliere lieber forfait gegen Inter, als sich in Mailand in Gefahr zu begeben: «Wir wollen nicht ins Epizentrum des Coronavirus reisen.»

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