Angriff aus den eigenen Reihen: Die Klimastreikenden attackieren Grüne-Fraktionschefin Aline Trede.
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Angriff aus den eigenen Reihen: Klimastreik schiesst gegen Grüne-Fraktionschefin
Die Wut ist gross: Mit scharfen Worten greift die Klimabewegung die Grünen an. Sogar Fraktionschefin Aline Trede ist ins Visier der Klimaaktivisten geraten. Das steckt dahinter.
Die Klimabewegung radikalisiert sich – und greift selbst die politischen Verbündeten mit scharfen Worten an. «Wir wurden von den linken Parteien benutzt und belogen.» Sie hätten das Blaue vom Himmel versprochen und nichts davon geliefert, sagten Vertreterinnen der Klimabewegung am Dienstag vor versammelten Medien.
Um gehört zu werden, wollen sich die Klimastreikenden von der Politik verabschieden und rufen zu zivilem Ungehorsam auf.
Grünen-Fraktionschefin im Visier
Die Klimaaktivisten nehmen auch Aushängeschilder der Grünen ins Visier. Auf Twitter greift der Klimastreik etwa die Fraktionschefin der Grünen persönlich an. «Alles nur leere Worthülsen?», schreiben die Klima-Aktivisten an die Adresse von Aline Trede.
Hintergrund ist der letzte Woche vorgestellte Klima-Aktionsplan der Grünen, dieser ist den Klimastreikenden zu mutlos. Denn er sieht vor, dass die Schweiz erst ab 2040 und nicht wie gefordert ab 2030 netto null Treibhausgase ausstösst.
Am Telefon räumt Trede ein, dass sie diese persönliche Attacke «betroffen» macht. Sie setze sich seit ihrer Schulzeit für Klimaschutz ein, habe schon 2006 für ein Offroader-Verbot gekämpft und unterstütze persönlich alle Forderungen des Klimastreiks.
«Man muss sich schon fragen, ob es zielführend ist, wenn der Klimastreik den wichtigsten politischen Verbündeten angreift.» Man müsse gemeinsam kämpfen und weiter «Guzzi» geben, damit die Klimabewegung nicht nur auf der Strassen, sondern auch im Parlament noch mehr Gewicht erhalte. Die Grünen hätten seit jeher verschiedenste Vorstösse im Bundeshaus für mehr Klimaschutz eingereicht. «Man kommt mit Visionen und Vorstellungen ins Parlament. Aber die Realpolitik holt uns immer wieder ein. Uns fehlen nach wie vor die Mehrheiten», so Trede.
Klimabewegung ruft zu zivilem Ungehorsam auf
Video: watson
Aber warum greift der Klimastreik ausgerechnet jetzt zum verbalen Zweihänder? Die Klimastreiker müssten lauter, frecher und radikaler werden, damit sie nebst der omnipräsenten Pandemie wahrgenommen werden, sagt Lukas Golder, Co-Leiter des Forschungsinstituts GFS Bern, zu Tamedia. Es bestehe dadurch die Gefahr, dass sie an «Breite und Kraft verlieren.» Ob sie diesen Balanceakt schafften, würde sich in den nächsten Monaten zeigen.
Junge Grüne kritisieren Mutterpartei scharf
Auch innerhalb der Grünen Partei brodelt es. Die Jungen Grünen etwa kritisierten in einer Medienmitteilung den Klimaaktionsplan der Mutterpartei scharf. Ein Beispiel: «Diese Forderungen sind für uns völlig unverständlich», schreiben die Jungen Grünen etwa auf den Vorschlag der Mutterpartei, dass neue Ölheizungen bis 2030 eingebaut werden dürften. Der Klimaplan gehe definitiv zu wenig weit.
Vertreterinnen der Klimabewegung attackieren linksgrüne Parteien scharf.
bild: watson
Für Zündstoff bei der ersten Parteiversammlung unter dem neuen Präsidenten Balthasar Glättli ist also gesorgt. Dort diskutieren am kommenden Samstag die Delegierten etwa über den Green New Deal, mit dem laut Mitteilung die «Weichen für eine grüne Zukunft» gestellt werden soll.
Die besten Schilder des Klimastreiks
Zehntausende Klimaaktivisten gehen seit Monaten auf die Strassen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren, und zeigen bei der Gestaltung ihrer Schilder viel Kreativität. Wir machten uns auf die Suche nach den besten Schildern. EPA/EPA / NEIL HALL
Kate, 31, aus Bern (und Texas): «Es gibt viel zu viele Arschlöcher, Pardon, Politiker auf diesem Planeten, die nur ans Geld denken. Besonders in den USA, wo ich herkomme. Diese Leute sollte man aus ihren Ämtern verbannen. Und dazu viele Bäume pflanzen, die CO2 aufnehmen.»
Petra Frey, 28, Bern: «Velo statt Tram, reparieren statt wegwerfen. Ich habe einfach jene Sachen aufgeführt, mit denen man im Alltag das Klima schonen kann. An dem Plakat haben wir eine halbe Stunde gebastelt. Dabei haben mich meine Kolleginnen kurzerhand in eine Kartonschachtel gesteckt und diese mit verschiedensten Sujets bemalt.»
Lino, 15, Aarau: «Rick and Morty ist meine Lieblingsserie. Deshalb ist auf unserem Plakat der Arm von Rick zu sehen, der aus seinem Portal herausschaut und Donald Trump den Mittelfinger zeigt. Wir haben dann in unserer Klasse Geld zusammengelegt und haben das Sujet in Aarau in einer Druckerei drucken lassen. Am Schluss haben wir es an einem alten Besenstiel befestigt, um es in die Höhe strecken zu können.»
Michael Bühler, 32, Bern: «Ist euch unsere Zukunft egal? Mein Plakat soll zeigen, wie unsere rechten Politiker und vor allem die Banken aufs Klima pfeifen und rücksichtslos Gewinne einfahren. Wir verbrennen das Geld und heizen so das Klima an! An dem Plakat habe ich etwa eine Stunde gebastelt.»
Elvira (11) und Ursula, Zürich: Was bedeutet euer Plakat? – «Wir wollen damit den Tieren eine Stimme geben. Auf sie achtet man in der ganzen Diskussion zu wenig.»
Nicole, 16, Aarau: Wie kam es zu diesem Plakat? – «Das ist ganz simpel. Wir haben im Internet gestöbert und sind dann auf diesen Spruch gekommen.»
Sämi, 14, Zürich: «Meine selbst gebastelte Puppe stellt ein Spermium dar. Weil: Es geht hier um unsere Zukunft!»
Olive, 15, Zürich: «Ich denke, dass die Politiker endlich wachgerüttelt werden müssen. Schlussendlich müssen wir aber auch Eigenverantwortung wahrnehmen.»
«Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit.» EPA/EPA / ADAM BERRY
«Wir haben keine Wahl mehr, wir müssen etwas tun»: Tausende von Schülern und Studenten protestierten im November in der australischen Stadt Sydney.
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In Melbourne kämpfen Schülerinnen verkleidet als Schutzengel für «Unser Klima, unsere Zukunft». EPA/AAP / DANIEL POCKETT
Bis Anfang Dezember schliessen sich weltweit mehr als 20'000 Schüler in rund 270 Städten Thunbergs Protesten an. So wie hier in Berlin ... AP/AP / Michael Sohn
So diese zwei Schülerinnen in Zürich. Anfang Januar halten sie eine Klima-Mahnwache am Paradeplatz.
Auch in Lausanne trotzen zahlreiche Schüler der eisigen Kälte und machen mit selbstbemalten Transparenten auf den Klimawandel aufmerksam.
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In Rom erheben die Schüler ihre Transparente zum Protest.
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Im Berliner Invalidenpark haben sich Mitte Januar Hunderte von Schülern versammelt, um für das Klima zu streiken.
An Kreativität mangelt es nicht. Stolz werden die Plakate am «Friday for Future» in die Luft gehoben. EPA/EPA / ADAM BERRY
Noch immer dasselbe Plakat in den Händen, sorgt Thunberg für einen riesigen Medienrummel in Davos. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Während Thunberg versucht, die Wirtschaftselite aufzurütteln, streiken in Deutschland die Schüler weiter.
In München demonstrieren bis zu 2000 Schüler leidenschaftlich gegen die zurückhaltende Klimapolitik Deutschlands.
Auch das Alter spielt keine Rolle: Wie die «Süddeutsche» schreibt, setzen sich diese beiden Buben mit ihrem Transparent sogar in die Bäume, um besser gesehen zu werden.
laif / Gordon Welters/laif
Auch die Schweizer Städte sind freitags voll mit Schülern.
Die Proteste werden immer grösser: Im Januar marschierten in der belgischen Hauptstadt Brüssel über 70'000 Menschen für ein besseres Klima. EPA/EPA / STEPHANIE LECOCQ
Kalte Temperaturen und Nieselregen tun dem Demonstrationswillen keinen Abbruch. Im Gegenteil. EPA/EPA / STEPHANIE LECOCQ
Greta Thunberg, das 17-jährige Mädchen aus Schweden, ist die Galionsfigur der Klimaschutzbewegung. Am 20. August 2018 schnappt sie sich Plakat und Stift, schwänzt das erste Mal die Schule und stellt sich mit dem Slogan «Skolstrejk för klimatet» (Schulstreik fürs Klima) vor das schwedische Reichstagsgebäude in Stockholm. EPA/TT NEWS AGENCY / HANNA FRANZEN
Wie Greta Thunberg zum Vorbild einer Generation wurde
Video: SRF / Roberto Krone
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