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Wie ein Horror-Thriller: Die Studie des WEF zur Lage der Welt

Publiziert: 16.01.19, 11:11 Aktualisiert: 16.01.19, 13:11

Der neuste Risikobericht des Weltwirtschaftsforums liest sich wie ein Horror-Thriller. Demnach geht es an verschiedenen Fronten für die Welt ums Überleben. Hoffnung macht die Organisation nicht.

Klimawandel, Datenkriminalität, geopolitische Krisen und weltwirtschaftliche Spannungen: Der am Mittwoch in London vorgestellte Risikobericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeichnet ein verheerendes Bild vom Zustand der Erde.

«Von allen Risiken ist es bei der Umwelt am offensichtlichsten, dass die Welt in eine Katastrophe schlafwandelt»

«Globale Risiken nehmen zu, aber der kollektive Wille, sie zu bekämpfen, schwächt sich ab. Stattdessen nimmt die Spaltung zu», heisst es in der Studie. Wie ernst die Lage ist, zeigen die Titel der einzelnen Kapitel: «Out of Control» (Ausser Kontrolle) heisst eines, ein anderes «Fight or Flight» (Kampf oder Flucht).

«Für viele Menschen ist dies eine zunehmend ängstliche, unglückliche und einsame Welt»

Ein besonders hohes Risiko geht demnach vom Klimawandel aus. Erstmals werden in dem jährlich erscheinenden Bericht Umweltprobleme als die drei drängendsten Herausforderungen genannt. Konkret sind dies Wetterextreme, Versagen beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel sowie Naturkatastrophen.

«Von allen Risiken ist es bei der Umwelt am offensichtlichsten, dass die Welt in eine Katastrophe schlafwandelt», heisst es in der Studie. Aber auch Datenbetrug und -raub sowie Cyberattacken zählen demnach zu den grössten Bedrohungen.

«In vielen Ländern ist die Polarisierung auf dem Vormarsch. In manchen Fällen fasern die sozialen Verträge aus, die die Gesellschaften zusammenhalten» 

Knapp eine Woche vor dem Jahrestreffen in Davos (22. bis 25. Januar) rief das WEF mit Nachdruck zur Zusammenarbeit auf. «Es gab nie einen dringenderen Bedarf für einen kollaborativen und gemeinsamen Ansatz für globale Probleme, die alle angehen», schrieb WEF-Präsident Børge Brende im Vorwort des «Global Risk Report».

«Wirtschaftspolitik (...) wird heutzutage zunehmend als Mittel des strategischen Wettbewerbs gesehen»

Doch das WEF zeigt sich zugleich äusserst skeptisch, dass die Menschheit die Herausforderung annimmt und angeht. Mit Blick auf politische und wirtschaftliche Konflikte warnt die Organisation: «Vor diesem Hintergrund ist es vermutlich schwieriger, gemeinsame Fortschritte bei anderen globalen Herausforderungen zu erreichen.»

Traditionell stellt das WEF den Weltrisikobericht rund eine Woche vor Beginn der Tagung in den Schweizer Alpen vor. Die Organisation versteht die Studie als eine Art Leitfaden für die zentralen Fragen des Jahres 2019.

«Dies ist ein Zeitalter beispielloser Möglichkeiten und technologischen Fortschritts, aber für zu viele Menschen ist dies auch ein Zeitalter der Unsicherheit»

In ihrem Bericht warnen die Autoren auch vor den Folgen der aktuellen Handelskonflikte, etwa zwischen den USA und China oder zwischen den USA und der EU. «Wirtschaftspolitik (...) wird heutzutage zunehmend als Mittel des strategischen Wettbewerbs gesehen», heisst es.

Krisen noch lange nicht vorbei

Dabei betont der Bericht, dass diese Krisen noch lange nicht vorbei sind. So rechnen 91 Prozent der Befragten mit wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den wichtigsten Staaten, und 85 Prozent erwarten ein erhöhtes Risiko politischer Konfrontation.

«Es gab nie einen dringenderen Bedarf für einen kollaborativen und gemeinsamen Ansatz für globale Probleme, die alle angehen»

«In vielen Ländern ist die Polarisierung auf dem Vormarsch. In manchen Fällen fasern die sozialen Verträge aus, die die Gesellschaften zusammenhalten», warnte WEF-Präsident Brende.

Eine gewichtige Rolle dabei spielt das langsamere Wirtschaftswachstum, zumal die Konjunktur mit schweren Problemen zu kämpfen habe. Hinzu käme, dass die Finanzmärkte unbeständiger geworden seien und weltweit die Schuldenlast stark zugenommen habe: Sie betrage nun 225 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts und damit mehr als vor der jüngsten Finanzkrise.

Zeitalter der Unsicherheit für viele

Nicht zuletzt warnt das WEF vor der «menschlichen Seite» globaler Risiken. «Für viele Menschen ist dies eine zunehmend ängstliche, unglückliche und einsame Welt», heisst es in dem Bericht.

Schätzungen zufolge würden etwa 700 Millionen Menschen weltweit an psychischen Problemen leiden. «Dies ist ein Zeitalter beispielloser Möglichkeiten und technologischen Fortschritts, aber für zu viele Menschen ist dies auch ein Zeitalter der Unsicherheit», mahnte WEF-Präsident Brende.

Wetterkriege

Auch als Diskussionsanstösse für das Treffen in Davos formulierte das WEF im Risikobericht zehn «Zukunftsschocks» als theoretische Szenarien. Dazu zählen die Autoren unter anderem sogenannte Wetterkriege – also Klimamanipulationen zur Schwächung von Gegnern – und die absichtliche Unterbrechung der Nahrungsversorgung.

Weitere Szenarien sind ein Ende der Wasserversorgung in Grossstädten sowie die Verlagerung geopolitischer Konflikte ins Weltall. Es handele sich bei all diesen Szenarien um eine Mahnung, kreativ über Risiken nachzudenken und das Unerwartete zu erwarten. (whr/awp/sda/dpa)

Indien versinkt im Plastik

Neu-Delhi ist Gastgeberstadt des diesjährigen UNO-Umwelt-Tags am 5. Juni 2018 zum Thema Plastikmüll. Die folgenden Bilder sind alle heute entstanden und zeigen das Plastik-Desaster in Indien. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Plastikabfall soweit das Auge reicht. AP/AP / Channi Anand
Plastikflaschen, Säcke, Lebensmittelverpackungen und andere Abfälle, die die Kanalisation und die Strassen verstopfen, sind ein vertrautes Bild in den Slums von Mumbai. EPA/EPA / DIVYAKANT SOLANKI
Streunende Hunde, Ziegen und Kühe suchen im Plastikmüll nach Futter. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Ein Arbeiter sortiert Plastik. EPA/EPA / DIVYAKANT SOLANKI
Strandgut. EPA/EPA / HOTLI SIMANJUNTAK
Nach Angaben des indonesischen Umwelt- und Forstministeriums erreichte die nationale Abfallproduktion in einem Jahr 64 Millionen Tonnen, darunter 14 Prozent Kunststoff. EPA/EPA / ADI WEDA
Depok, Indonesien, am 5. Juni 2018. EPA/EPA / ADI WEDA
Selfie mit Plastikabfall in Mumbai, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Rafiq Maqbool
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Channi Anand
Eine Kuh sucht im Müll in Jammu, Indien, nach Nahrung. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Bhopal, Indien, 5. Juni 2018. EPA/EPA / SANJEEV GUPTA
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Channi Anand
Kalkutta, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Bikas Das
Mumbai, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Rafiq Maqbool
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Channi Anand
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Indien verbot Plastiktüten im Jahr 2009 und erweiterte sie später auf alle Kunststoffverpackungen und Einweg-Kunststoffe, aber das Verbot wird selten durchgesetzt. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Trotz der Zusage von Premierminister Narendra Modi, das Land bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2019 zu säubern, erzeugt Indien weiterhin jährlich rund 5,6 Millionen Tonnen Plastikmüll. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Srinagar, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Mukhtar Khan
Srinagar, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Mukhtar Khan

Kinder protestieren gegen den Klimawandel

Video: watson

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