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Da kann Dieter Hecking noch so schreien: Die Aufstiegschancen des HSV sind minim. Bild: www.imago-images.de

«Deppen von der Elbe» – der HSV vermasselt erneut seine Aufstiegschancen

Der Hamburger SV galt als Dinosaurier der Bundesliga, ehe 2018 nach 55 Jahren der Abstieg in die 2. Liga nicht mehr zu verhindern war. Nach der 1:2-Niederlage in letzter Minute am Sonntag in Heidenheim droht die Mission Wiederaufstieg erneut zu scheitern.

Publiziert: 22.06.20, 16:10
christian finkbeiner / keystone-sda

Die sportliche Bilanz ist ernüchternd. Der HSV holte seit der Wiederaufnahme der 2. Bundesliga Mitte Mai nur 10 von 24 möglichen Punkten. Fünf Mal gaben die Hamburger eine Führung aus der Hand, vier Mal kassierten sie in der Nachspielzeit einen Gegentreffer und vergaben dadurch sechs Punkte.

«Wenn ich jetzt sagen würde, nein, wir haben keine Chance mehr, dann wäre ich wohl ein ganz schlechter Trainer.»

Dieter Hecking, Trainer HSV NDR

«Es scheint so zu sein, dass der Fussball-Gott nicht auf unserer Seite ist», sagte Trainer Dieter Hecking am Sonntag, nachdem der HSV erstmals seit dem 2. Spieltag aus den Top 3 gefallen war. «Aber wir sind auch selbst schuld. Wir hätten schon längst durch sein können.»

Die Bilder der HSV-Niederlage in Heidenheim. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nach dem neuerlichen Hamburger K.o. in der Schlussphase liessen Freund und Feind in den sozialen Netzwerken ihrem Ärger oder ihrer Schadenfreude freien Lauf. «Danke, dass wir ein weiteres Jahr wieder mal die Lachnummer ganz Deutschlands sind», schrieb ein User stellvertretend für viele. Auch die Medien gingen mit dem HSV hart ins Gericht. «Jedes Jahr der gleiche Schrott», schrieb die «Bild»-Zeitung. «Der HSV ist nur noch ein nervliches Wrack», kommentierte das «Hamburger Abendblatt» den Zustand der Mannschaft – und die «Süddeutsche Zeitung» titelte: «Deppen von der Elbe.»

Neue Köpfe, alte Probleme

Seit Jahren dreht sich in der Hansestadt die Spirale nach unten. Die grossen Zeiten des Traditionsvereins mit der Raute im Vereinslogo sind schon lange vorbei. 1983 gewann der HSV die dritte Meisterschaft innerhalb von fünf Jahren, im selben Jahr holte die Mannschaft des legendären Trainers Ernst Happel den Europacup der Landesmeister dank einem 1:0 im Final in Athen gegen Juventus Turin.

Spätestens seit 2009 und der letzten Top-5-Klassierung in der Bundesliga ging es aber stetig bergab. Seither gaben sich 15 Cheftrainer die Klinke in die Hand. Auch in der Klubführung gab es immer wieder Wechsel, zuletzt Ende März, als Marcell Jansen als Aufsichtsratsvorsitzender den als Vorstandschef entlassenden Bernd Hoffmann als starken Mann an der Vereinsspitze ablöste.

Die Niederlage in Heidenheim lässt die HSV-Spieler Fassungslos zurück. Bild: www.imago-images.de

Der frühere HSV-Spieler und deutsche Internationale, dem eine Nähe zum langjährigen Investor und Mitbesitzer Klaus-Michael Kühne nachgesagt wird, will die Klubspitze wieder einen. «Teamfähigkeit, Teamplay, Kommunikation», nannte Jansen als Schlagwörter für die HSV-Zukunft.

Doch auch der 34-jährige gebürtige Rheinländer scheint sportlich vorerst zu scheitern – wie auch der erfahrene Trainer Hecking und Sportvorstand Jonas Boldt. Sie wurden vor einem Jahr für den x-ten Neuanfang geholt. Nun sind sie auf Schützenhilfe von Arminia Bielefeld angewiesen, um zumindest die Relegationsspiele doch noch zu erreichen. Der Leader und Aufsteiger empfängt zum Abschluss Heidenheim. Der HSV trifft auf Sandhausen und braucht einen Punkt mehr als Heidenheim, um noch auf Platz 3 vorzustossen.

Zumindest keine Häme im Stadion

Dass Jansen sich der sportlichen Realität bewusst ist, liess er die Vereinsmitglieder und Fans schon im Frühjahr wissen. Sollte es am Ende der Saison nichts werden mit dem Aufstieg, nehme man in der nächsten Spielzeit wieder einen Anlauf, so Jansen. Im Fall eines Abstiegs von Werder Bremen und dem Nicht-Aufstieg des HSV kündigt sich aus norddeutscher Optik mit St. Pauli, Kiel, Hannover, Osnabrück und den möglichen Aufsteigern aus Braunschweig und Rostock aber auch in der 2. Liga eine attraktive Meisterschaft an.

HSV-Präsident Marcell Hansen muss womöglich einen Rückschlag hinnehmen. Bild: www.imago-images.de

Sollte es am Sonntag mit dem Sprung in die Relegation gegen den drittletzten der Bundesliga nicht klappen, wird den HSV-Protagonisten zumindest die Häme des Publikums im eigenen Stadion erspart bleiben.

Vor einem Jahr, als der HSV durch ein blamables 0:3 gegen Ingolstadt am drittletzten Spieltag auf Rang 4 zurückfiel, pfiffen die gut 50'000 Zuschauer im Volksparkstadion ihr Team gnadenlos aus. Aber vielleicht meint es in diesem Jahr der Fussball-Gott für einmal ja auch gut mit dem Hamburger SV. (abu/sda)

Europas Rekordmeister im Fussball

Spanien: Real Madrid – 34 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: FC Barcelona – 26 Titel. keystone / Rodrigo Jimenez
Deutschland: Bayern München – 30 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: 1. FC Nürnberg – 9 Titel. keystone / Kai Pfaffenbach
England: Manchester United – 20 Titel, zuletzt 2012/13. Erster Verfolger: FC Liverpool – 19 Titel. EPA / PETER POWELL
Italien: Juventus Turin – 36 Titel, zuletzt 2019/20. Erste Verfolger: Inter Mailand – 19 Titel. EPA/ANSA / ALESSANDRO DI MARCO
Frankreich: AS Saint-Etienne – 10 Titel, zuletzt 1980/81. Erster Verfolger: Olympique Marseille und Paris St-Germain – 9 Titel. L'EQUIPE /
Schweiz: Grasshoppers – 27 Titel, zuletzt 2002/03. Erster Verfolger: FC Basel – 20 Titel. KEYSTONE / STR
Österreich: Rapid Wien – 32 Titel, zuletzt 2007/08. Erster Verfolger: Austria Wien – 24 Titel.
Portugal: Benfica Lissabon – 37 Titel, 2018/19. Erster Verfolger: FC Porto – 29 Titel. AP / FRANCISCO SECO
Türkei: Galatasaray Istanbul – 22 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Fenerbahce Istanbul – 19 Titel. AP
Griechenland: Olympiakos Piräus – 46 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Panathinaikos Athen – 20 Titel. EPA/ANA-MPA / PANAGIOTIS MOSCHANDREOU
Niederlande: Ajax Amsterdam – 35 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: PSV Eindhoven – 24 Titel. AP / VINCENT JANNINK
Belgien: RSC Anderlecht – 34 Titel, zuletzt 2016/17. Erster Verfolger: FC Brügge – 16 Titel.
Schottland: Glasgow Rangers – 55 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Celtic Glasgow – 51 Titel.
Norwegen: Rosenborg Trondheim – 26 Titel, zuletzt 2018. Erster Verfolger: Fredrikstad FK – 9 Titel.
Schweden: Malmö FF – 21 Titel, zuletzt 2020. Erster Verfolger: IFK Göteborg – 15 Titel. Imago / Christian rnberg
Dänemark: FC Kopenhagen (1992 fusioniert aus Boldklubben 1903 und Kjøbenhavns Boldklub) – 35 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Brøndby IF – 10 Titel.
Russland: Spartak Moskau – 10 Titel, zuletzt 2016/17. Erster Verfolger: Zenit St. Petersburg – 8 Titel. EPA/EPA / SERGEI ILNITSKY
Kroatien: Dinamo Zagreb – 21 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Hajduk Split – 6 Titel.
Serbien: Roter Stern Belgrad – 31 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Partizan Belgrad – 27 Titel.
Polen: Gornik Zabrze (zuletzt 1987/88), Ruch Chorzow (zuletzt 1988/89) und Legia Warschau (zuletzt 2019/20) – je 14 Titel. www.imago-images.de / Rafal Oleksiewicz
Tschechien: Sparta Prag – 12 Titel, zuletzt 2013/14. Erster Verfolger: Slavia Prag – 6 Titel.
Slowakei: Slovan Bratislava – 10 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: MSK Zilina – 7 Titel.
Rumänien: Steaua Bukarest – 26 Titel, zuletzt 2014/15. Erster Verfolger: Dinamo Bukarest – 18 Titel.
Bulgarien: ZSKA Sofia – 31 Titel, zuletzt 2007/08. Erster Verfolger: Lewski Sofia – 26 Titel.
Ungarn: Ferencvaros Budapest – 31 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: MTK Budapest – 23 Titel.
Ukraine: Dynamo Kiew – 15 Titel, zuletzt 2015/16. Erster Verfolger: Schachtar Donezk – 12 Titel.

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Video: watson / Nico Franzoni

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