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Ein Nasen-Rachen-Abstrich-Test kann wehtun, wie dieses Symbolbild zeigt. Bild: keystone

Immer mehr Covid-Tests: Wie lange kann der Bund noch dafür bezahlen?

Das Parlament hat gesprochen: Der Bund soll die Corona-Tests von Herr und Frau Schweizer bezahlen. Das Budget beträgt dafür 288,5 Millionen Franken. Unklar ist, ob das auch ausreicht, wo sich nun täglich tausende Leute testen.

Publiziert: 16.09.20, 13:47 Aktualisiert: 17.09.20, 06:59

Der Bund bezahlt seit bald drei Monaten die Kosten für die Corona-Tests. Das Parlament hat vergangene Woche dafür den Betrag von 288'500'000 Franken gesprochen – eine grosse Menge Geld, die aber angesichts des Wiederanstiegs der Corona-Fallzahlen notwendig erscheint.

Doch reicht das aus? Diese Frage stellt sich, weil der dreistellige Millionenbetrag für durchschnittlich 8000 Tests pro Tag gesprochen wurde. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vermeldet jedoch seit Wochen deutlich mehr Tests, in den vergangenen Tagen wurden vereinzelt gar 16'000 oder mehr Corona-Tests an einem einzigen Tag durchgeführt.

Bleiben die Testzahlen hoch, könnten die 288 Millionen Franken knapp werden. Ernsthafte negative Auswirkungen auf die Pandemie dürfte das zwar nicht haben: Aus dem Bundeshaus heisst es von informierten Personen, dass man den Fehlbetrag unkompliziert umlagern könnte.

Bund bezahlt viele, aber nicht alle Tests

Beim BAG behält man aber diese Situation im Auge, wie Mediensprecher Jonas Montani sagt: «Wir beobachten die Entwicklung der Testzahlen, später auch die Kosten sehr engmaschig.» Das Bundesamt werde zu «gegebenem Zeitpunkt die nötigen weiteren Schritte vorschlagen», heisst es in seiner Stellungnahme weiter.

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Nur ist das derzeit keine einfache Sache. Für eine weitsichtige Planung der Finanzen müsste das BAG wissen, wie viel die bisher durchgeführten rund 665'000 Tests gekostet haben. Die Zahlen dazu sind aber auch bald drei Monate nach der Einführung der kostenlosen Corona-Tests noch unklar. Der Bund bezahlt nämlich seit dem 25. Juni die meisten Corona-Tests, aber eben nicht alle.

«Das BAG wird zu gegebenem Zeitpunkt die nötigen weiteren Schritte vorschlagen.»

BAG-Sprecher Jonas Montani

Die Kosten werden – vereinfacht gesagt – dann übernommen, wenn es Gründe für einen Corona-Test gibt. So reichen etwa Symptome einer Atemwegserkrankung wie Husten oder ein enger Kontakt zu einer positiv getesteten Person aus, um sich via Rachenabstrich oder Blutprobe auf Sars-Cov-2 testen zu lassen. Will man sich aber nach dem Motto «lieber Vorsicht als Nachsicht» testen lassen, so bezahlt man selbst.

Wie viel die vom Bund bezahlten Tests ausmachen, wird aber erst Anfang Oktober bekannt. «Da die Abrechnung quartalsweise erfolgt, ist bis dato noch keine Rechnung beim BAG eingetroffen», sagt Mediensprecher Montani. Aktuell könne man die Anzahl nur anhand aktueller Testzahlen schätzen.

Bundesrat senkt am Freitag Test-Tarif

Sprich: Kommt im Oktober heraus, dass das gesprochene Geld für die bundesfinanzierten Corona-Tests knapp werden könnte, muss beim Bund schnell gehandelt werden, damit die Kosten für die Tests noch bis Ende Jahr durch die Staatskasse gedeckt werden können. Bezahlt werden sie derzeit durch die Krankenkassen, sie können quartalsweise ihre Kostenübernahmen dem Bund in Rechnung stellen.

Helfen könnten günstigere Tests. Die Republik zeigte Anfang August auf, dass es bei Bund und Kantonen zunächst ein Wirrwarr um die Corona-Test-Tarife gab. Dieser «Tarif» besagt, welchen Betrag eine Krankenkasse höchstens für einen Corona-Test übernehmen darf. Nach anfänglicher Kritik, der Bund übernehme zu viel für solche Tests, senkte er den Tarif zunächst auf 119 Franken, ab kommendem Freitag gar auf 106 Franken pro Analyse des Nasen-Rachen-Abstrich-Tests (PCR).

Das ist im Vergleich immer noch deutlich mehr, als Nachbarländer wie Deutschland für eine Corona-Analyse bezahlen. Die neuste Tarifsenkung führt aber laut BAG-Angaben immerhin dazu, dass «rund 1200 zusätzliche PCR-Tests pro Tag zur Verfügung» stehen.

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Fallen die Tarife für Corona-Tests noch mehr und nähern sie sich dem Ausland an, dann könnten die gesprochenen 288 Millionen Franken für noch mehr Tests ausreichen. Im Frühling klappte die Tarifsenkung, nachdem der Preisüberwacher, die Krankenkassen und die wissenschaftliche Corona-Taskforce beim Bund intervenierten. Was aktuell zu tieferen Tarifen geführt hat, sagte der Bundesrat an seiner Pressekonferenz letzte Woche nicht.

Hast du dich schon auf Corona testen lassen?
Leider hat was nicht geklappt. Bitte versuche es später nochmals.

Bilder der Corona-Demo in Berlin

Knapp 20'000 Personen forderten am 1. August in Berlin ein Ende der «Corona-Diktatur». keystone / FELIPE TRUEBA
Veranstalter hatten zunächst 500'000 Teilnehmer angekündigt. Laut Polizei sind 17'000 gekommen. keystone / FELIPE TRUEBA
Darunter radikale Impfgegner, Esoteriker und Verschwörungserzähler wie auch Antisemiten und Rechtsextremisten. keystone / FELIPE TRUEBA
Menschen mit Mund-Nasen-Schutz wurde aus dem Protestzug «Masken weg» entgegengerufen. keystone / Markus Schreiber
Am Nachmittag wurde auf der Kundgebungsbühne erst von 800'000, dann von 1,3 Millionen Menschen gesprochen. keystone / Markus Schreiber
Die Polizei ging «in der Spitze» von etwa 17'000 Teilnehmenden aus. Bei einer anschliessenden Kundgebung sollen rund 20'000 Personen teilgenommen haben. keystone / Markus Schreiber
Die Corona-Demonstrierenden verbreiteten mit Fake-Bildern die Falschmeldung, in Berlin hätten über eine Million Menschen gegen Corona-Massnahmen demonstriert. Hier ist nicht Berlin, sondern die Street Parade in Zürich zu sehen.
Im Internet wurden die Fake-News der Corona-Leugner schnell entlarvt.
Auch Parolen wie «Die grösste Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie» waren zu hören. keystone / Paul Zinken
Das Motto der Demonstration lautete «Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit». Den Titel «Tag der Freiheit» trägt auch ein Propagandafilm der Nazi-Ikone Leni Riefenstahl über den Parteitag der NSDAP 1935. keystone / Paul Zinken
Gegendemonstranten unter dem Motto «Omas gegen rechts» riefen dem Zug «Nazis raus» entgegen keystone / Christoph Soeder
Angela Merkel ist das Feindbild der Corona-Demonstrierenden. keystone / Christoph Soeder
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier plädiert für härtere Strafen bei Verstössen gegen die Corona-Regeln. «Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat», sagte der CDU-Politiker. keystone / FELIPE TRUEBA
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das Demonstrationsrecht unterstrichen, zugleich aber harsche Kritik am Berliner Protestzug gegen staatliche Corona-Beschränkungen geäussert. keystone / Christoph Soeder
«Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so», schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. keystone / FELIPE TRUEBA
Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur «mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist» zu meistern. keystone / Markus Schreiber
Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken schrieb auf Twitter: «Tausende #Covidioten feiern sich in #Berlin als «die zweite Welle», ohne Abstand, ohne Maske. Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Unverantwortlich!» keystone / FELIPE TRUEBA
Brandenburgs CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann schrieb auf Twitter: «Wieder 1000 Neuinfektionen/Tag und in Berlin wird gegen Coronaauflagen demonstriert? Diesen gefährlichen Blödsinn können wir uns nicht mehr leisten.» sda / Christoph Soeder
Laut Polizei wurden die Hygieneregeln während der Demo nicht eingehalten. keystone / FELIPE TRUEBA
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keystone / Markus Schreiber
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Video: watson / Jara Helmi

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