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Schweiz
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epa08568621 A traveler gets his swab sample collected in a walk-in test center for coronavirus at the International Airport in Duesseldorf, Germany, 27 July 2020. Within a few days, a test centre has now also been set up at Duesseldorf International Airport, where returnees from risk areas can be tested for COVID-19.  EPA/SASCHA STEINBACH

Ist dieser Herr einer der momentan drei Prozent, die positiv getestet werden? Bild: keystone

Analyse

Immer mehr Coronatests in der Schweiz fallen positiv aus – was heisst das?

Die Fallzahlen in der Schweiz sind seit ungefähr fünf Wochen konstant, diese Woche steigen sie wieder an. Die Anzahl durchgeführter Tests nimmt gleichzeitig ab. Um die Lage besser einschätzen zu können, sollte man einen Blick auf die Positivitätsrate werfen.



Kurz nach dem Mittag veröffentlicht das Bundesamt für Gesundheit jeweils täglich die Anzahl der neuen Corona-Infektionen der letzten 24 Stunden. Vor rund fünf Wochen stiegen die Neuinfektionen rapide an, seitdem schwanken sie irgendwo zwischen 30 und 220 Fällen pro Tag.

So weit, so bekannt.

Die einzige Konstante in dieser Flut an Zahlen war in den letzten Wochen die Tendenz der sogenannten Positivitätsrate. Diese steigt nämlich Schritt für Schritt die Prozente-Leiter hoch. Mit der Positivitätsrate bezeichnet man den prozentualen Anteil an durchgeführten, positiv ausgefallenen Tests.

Die Positivitätsrate steigt seit Juni kontinuierlich an:

Bild

bild: reto fehr

Schauen wir uns also an, warum die nackten Fallzahlen nicht das Mass aller Dinge sind, wie die Positivitätsrate hier aushelfen kann, wo dennoch ihre Grenzen liegen und was sie uns über die jetzige Situation beibringen kann.

Die Krux mit den Fallzahlen

Bei den Zahlen müssen wir unterscheiden zwischen registrierten Fällen (Fallzahlen) und der Anzahl tatsächlich infizierter Personen. Eine infizierte Person wird erst zu einem «Fall», wenn sie sich positiv testen lässt. Jene, die ohne Symptome erkranken, werden in der Statistik nicht erfasst. Die steigende Positivitätsrate lässt jedoch erahnen, dass die tatsächliche Anzahl Infizierter seit Wochen steigt.

Ein Beispiel: Am 16. Juni meldete das BAG 180 Neuinfektionen. An diesem Tag wurden jedoch 14'852 Tests durchgeführt. Absoluter Rekord seit Ausbruch der Pandemie. Die Positivitätsrate lag dementsprechend bei 1,21 Prozent.

Vergangenen Montag, am 27. Juli, wurden 194 Fälle gemeldet. Es wurden jedoch nur 5287 Tests durchgeführt. Positivitätsrate: 3,67 Prozent.

Bild

bild: reto fehr

Aus diesen Zahlen lassen sich zwei Thesen ableiten:

  1. Die erhöhte Positivitätsrate beweist, dass es mehr Infizierte in der Bevölkerung gibt. Also eine höhere Dunkelziffer.
  2. Die erhöhte Positivitätsrate ist das Ergebnis eines funktionierenden Contact Tracings der Kantone.

These 1: Die Dunkelziffer steigt

Nehmen wir also an, dass die Dunkelziffer in der Bevölkerung steigt und sich das Virus wieder vermehrt ausbreitet. Die steigende Positivitätsrate lässt darauf schliessen, dass es tatsächlich mehr Infizierte gibt und man nicht lediglich aufgrund von vermehrten Tests mehr findet.

Um das zu bestätigen, kann man sich die Hospitalisierungen anschauen. Mehr Infizierte sollten auch zu mehr Hospitalisierungen führen. Dies jedoch mit einem kleinen Zeitunterschied.

Bild

bild: reto fehr

Dies scheint bis Mitte Juli tatsächlich der Fall gewesen zu sein, wenn auch auf tiefem Niveau. In den letzten zwei Wochen sank die Hospitalisierungsrate jedoch wieder – trotz höheren Zahlen.

Grund dafür könnte das Alter der Patienten sein. Im Gegensatz zur ersten Welle sind es nämlich vor allem junge Leute, die sich momentan anstecken. Die Gefahr, dass die Krankheit bei jungen Leuten einen schweren Verlauf nimmt, ist deutlich kleiner als bei älteren Personen.

So sieht die Altersverteilung momentan aus:

Bild

bild: reto fehr

Nichtsdestotrotz ist die erhöhte Positivitätsrate ein guter Indikator dafür, dass die Dunkelziffer in der Bevölkerung steigt. So sagte der Epidemiologe Christian Althaus gegenüber der Republik, dass die kontinuierlich steigende Positivitätsrate auf einen epidemiologischen Trend hinweise.

These 2: Das Contact Tracing funktioniert

Die erhöhte Positivitätsrate könnte auch darauf hinweisen, dass die Kantone das Contact Tracing im Griff haben. Der Gedanke dahinter ist folgender: Die Kantone finden vermehrt grosse Gruppen von Infizierten, indem sie Kontaktketten nachverfolgen und jede Person darin testen lassen. Die präzisen Tests führen zu einer höheren Trefferrate.

Einige Beispiele gab es bereits dafür: So wurden 50 Personen eines Ferienlagers im Graubünden positiv getestet. Nicht nur Kinder und Lehrer, die daran teilgenommen haben, auch in den Familien wurden Fälle gefunden.

Die Fälle in der Schweiz sind breit gestreut:

Kumulierte Anzahl Fälle der letzten sieben Tage. bild: infogram

Schaut man sich die Streuung der Coronafälle in der Schweiz an, so dürfte das Contact Tracing den Anstieg der Positivitätsrate aber nur zu einem kleinen Teil erklären. Fälle gibt es in fast jedem Kanton, in Genf explodieren die Zahlen sogar förmlich. Das könnte das Contact Tracing sogar bald wieder unmöglich machen, meint die Epidemiologin Olivia Keiser zu watson.

Fazit

Wer die Positivitätsrate in den letzten Wochen also verfolgt hat, dem dürften die am Donnerstag gemeldeten Fallzahlen wenig überrascht haben. Die Rate klettert nämlich seit fünf Wochen ziemlich gradlinig nach oben.

Bei den am Donnerstag gemeldeten 220 neuen Fällen lag die Positivitätsrate sogar «nur» bei 3,08 Prozent, der Mittelwert der letzten sieben Tage liegt bei 3,3 Prozent.

Der Trend ist dennoch klar: Es geht bergauf. Wenn auch langsam. Denn von den Zahlen von März und April ist die Schweiz noch ziemlich weit entfernt. Zu Spitzenzeiten lag die Positivitätsrate bei 25 Prozent, auch die Hospitalisierungen und Todesraten waren ungleich höher. Zu einem gewissen Grad scheinen die Massnahmen also zu funktionieren. Trotzdem: Wie die erste Welle im März bewiesen hat, kann es plötzlich sehr schnell gehen.

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