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Niko Kovacs Trainerstuhl bei den Bayern wackelte eigentlich seit seinem Amtsbeginn. Bild: AP

Der Tag, an dem Kovacs Bayern-Untergang begann – ein Drama in 6 Akten

Publiziert: 04.11.19, 18:03 Aktualisiert: 04.11.19, 18:03
philipp luther / watson.de

Am 1. Oktober war die Bayern-Welt noch in Ordnung. Mit 7:2 hatten die Münchner den Champions-League-Finalisten Tottenham Hotspur gedemütigt. Der Erfolg sollte den Verein «die kommenden Wochen tragen», stellte sich Niklas Süle nach dem Spiel vor – und jetzt das: Niko Kovac ist keine fünf Wochen nach der Gala von London nicht mehr Trainer des FC Bayern. Wie konnte das passieren? Ein Drama in sechs Akten.

Die Bayern-Gala gegen Tottenham. Video: YouTube/Teleclub Zoom

1. Akt: Die Causa Müller

Es begann an einem Bundesliga-Samstag, der für die Bayern und Trainer Kovac einen Realitäts-Check in Sachen sportlicher Leistungsfähigkeit darstellte: Mit 1:2 verlor der deutsche Rekordmeister am 5. Oktober das Spiel gegen TSG Hoffenheim. Danach musste sich Kovac die Frage gefallen lassen, warum Thomas Müller die Partie wieder einmal auf der Bank verbracht hatte – und gab eine mehr als unglückliche Antwort.

Die Highlights aus dem Spiel gegen Hoffenheim. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

«Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen», sagte der Kroate. Müller, der letzte echte Bayer im FCB-Trikot, Ex-Weltmeister und Sympathieträger, war in einem Satz zum Notnagel degradiert worden und machte sich Gedanken über seine Zukunft an der Säbener Strasse. Es folgten: Aufschrei, Aussprache und öffentliche Entschuldigung. «Was die Aussage anbetraf, das war mal ein Fehler von mir», sagte Kovac zwei Tage vor dem Bayern-Derby gegen den FC Augsburg.

Thomas Müller wurde von Kovac zum Edel-Reservisten degradiert. Bild: EPA

2. Akt: Verpasster Derbysieg

Mit den Worten «Wir könnten gar nicht besser aufgestellt sein» verabschiedete sich Kovac dann am 18. Oktober in den Bus nach Schwaben. Die Atmosphäre und Stimmung seien gut, einem erfreulicheren Herbst stehe fast nichts mehr im Weg. Doch weit gefehlt.

Denn statt die in der Saison 2019/20 im Tabellenkeller beheimateten Augsburger zu zerlegen, brachten es die Münchner gegen den Underdog gerade mal auf ein 2:2-Unentschieden. Ausgerechnet Müller hatte nach seiner Einwechslung das 3:1 liegen gelassen, dazu riss sich Süle das Kreuzband. Damit war für den Abwehrchef der Bayern das Spiel (und vermutlich die gesamte Saison) vorbei. Die gute Stimmung war verflogen.

Die Highlights aus dem Spiel gegen Augsburg. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

3. Akt: Würgesieg gegen Olympiakos

Besser wurde diese auch in der nächsten Partie nicht. Am 23. Oktober ging es in der Champions League gegen Olympiakos Piräus. Das Spiel endete mit 3:2 in einem Sieg für die Bayern, die sich nur unter grossen Mühen und dank Torjäger Robert Lewandowski gegen die Griechen hatten durchsetzen können.

Karl-Heinz Rummenigge analysierte nach dem Spiel: «Ich glaube nicht, dass die Leistung, die wir heute Abend gebracht haben, uns in diesem Jahr grosse Erfolge bescheren wird.» Und auch Manuel Neuer war unzufrieden: «Die Mannschaft steht aktuell nicht da, wo sie sein soll», sagte der Captain.

Auf der Strecke blieb zudem Neuzugang Lucas Hernandez, der sich einen Innenbandriss im Sprunggelenk zugezogen hatte und damit die Personallage in der Bayern-Abwehr weiter verschärfte. Dieses Jahr wird der Franzose nicht mehr auf den Rasen treten.

Die Highlights aus dem Spiel gegen Olympiakos. Video: YouTube/Teleclub Zoom

4. Akt: Neuer gegen Union Berlin

Am Samstag darauf stand für die Bayern wieder ein Liga-Spiel auf dem Plan. Zuhause ging es gegen Aufsteiger Union Berlin aus der zweiten Tabellenhälfte. Gegen die «Eisernen» traf Lewandowski zum 2:1 Endstand gegen eine robuste Abwehr.

Den Fähigkeiten von Torwart Manuel Neuer war es allerdings zu verdanken, dass ein Handelfmeter in der 58. Minute nicht im Bayern-Netz landete. So zeigte sich Kovac nach dem Spiel selbstkritisch: «Wir sind Erster. Wir können es trotzdem noch besser machen.»

Die Highlights aus dem Spiel gegen Union Berlin. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

5. Akt: Beinahe-Blamage im DFB-Pokal

Gelegenheit, es noch besser zu machen, hätte das DFB-Pokalspiel gegen den VfL Bochum geboten. Allein aus einem Pflichtsieg gegen den Zweitligisten wäre fast ein historisches Cup-Aus in Runde 2 geworden.

Nach dem Youngster Alphonso Davies in der 36. Minute das falsche Tor getroffen hatte, durften die Bayern den Rest des Spiels einem Rückstand hinterherlaufen. Und dabei wäre ihnen fast die Puste ausgegangen.

Erst in der 83. Minute traf Serge Gnabry zum 1:1, Thomas Müller vollendete sechs Minuten später zum 2:1 Endstand. Kovacs Analyse lautete hinterher «Fehlpass-Festival» in der ersten Halbzeit und Bayern-Dusel: «Wir hatten lange keine Kontrolle über das Spiel. Zum Schluss hatten wir das Quäntchen Glück und den längeren Atem.»

Die Highlights aus dem Pokal-Spiel gegen Bochum. Video: YouTube/DFB

6. Akt: Peinlich-Pleite gegen Frankfurt

Was Bochum im Pokal versagt blieb, schaffte dann am vergangenen Samstag Eintracht Frankfurt. Ausgerechnet die Eintracht, die es in der letzten Saison auf unterirdische 1:13 Tore gegen die Bayern gebracht hatte, demontierte den Tabellenführer mit fünf Treffern. Entsprechend breit grinste Eintracht-Abwehrchef Martin Hinteregger nach dem Spiel in die Kameras: «Es war ein richtiger Festtag.»

Die Highlights aus dem Spiel gegen Frankfurt. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Des einen Freud war des anderen Leid: «Ich gehe traurig und enttäuscht in den Bus», kommentierte Kovac die Niederlage. Ob er die kommende Woche mit Spielen gegen Olympiakos Piräus und Borussia Dortmund noch als Bayern-Trainer erlebe? «Das weiss ich nicht», antwortete Kovac.

Sein Aus hatte er da wohl schon geahnt.

(mit Material der Nachrichtenagentur dpa)

Europas Rekordmeister im Fussball

Spanien: Real Madrid – 34 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: FC Barcelona – 26 Titel. keystone / Rodrigo Jimenez
Deutschland: Bayern München – 30 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: 1. FC Nürnberg – 9 Titel. keystone / Kai Pfaffenbach
England: Manchester United – 20 Titel, zuletzt 2012/13. Erster Verfolger: FC Liverpool – 19 Titel. EPA / PETER POWELL
Italien: Juventus Turin – 36 Titel, zuletzt 2019/20. Erste Verfolger: Inter Mailand – 19 Titel. EPA/ANSA / ALESSANDRO DI MARCO
Frankreich: AS Saint-Etienne – 10 Titel, zuletzt 1980/81. Erster Verfolger: Olympique Marseille und Paris St-Germain – 9 Titel. L'EQUIPE /
Schweiz: Grasshoppers – 27 Titel, zuletzt 2002/03. Erster Verfolger: FC Basel – 20 Titel. KEYSTONE / STR
Österreich: Rapid Wien – 32 Titel, zuletzt 2007/08. Erster Verfolger: Austria Wien – 24 Titel.
Portugal: Benfica Lissabon – 37 Titel, 2018/19. Erster Verfolger: FC Porto – 29 Titel. AP / FRANCISCO SECO
Türkei: Galatasaray Istanbul – 22 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Fenerbahce Istanbul – 19 Titel. AP
Griechenland: Olympiakos Piräus – 46 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Panathinaikos Athen – 20 Titel. EPA/ANA-MPA / PANAGIOTIS MOSCHANDREOU
Niederlande: Ajax Amsterdam – 35 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: PSV Eindhoven – 24 Titel. AP / VINCENT JANNINK
Belgien: RSC Anderlecht – 34 Titel, zuletzt 2016/17. Erster Verfolger: FC Brügge – 16 Titel.
Schottland: Glasgow Rangers – 55 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Celtic Glasgow – 51 Titel.
Norwegen: Rosenborg Trondheim – 26 Titel, zuletzt 2018. Erster Verfolger: Fredrikstad FK – 9 Titel.
Schweden: Malmö FF – 21 Titel, zuletzt 2020. Erster Verfolger: IFK Göteborg – 15 Titel. Imago / Christian rnberg
Dänemark: FC Kopenhagen (1992 fusioniert aus Boldklubben 1903 und Kjøbenhavns Boldklub) – 35 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Brøndby IF – 10 Titel.
Russland: Spartak Moskau – 10 Titel, zuletzt 2016/17. Erster Verfolger: Zenit St. Petersburg – 8 Titel. EPA/EPA / SERGEI ILNITSKY
Kroatien: Dinamo Zagreb – 21 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Hajduk Split – 6 Titel.
Serbien: Roter Stern Belgrad – 31 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Partizan Belgrad – 27 Titel.
Polen: Gornik Zabrze (zuletzt 1987/88), Ruch Chorzow (zuletzt 1988/89) und Legia Warschau (zuletzt 2019/20) – je 14 Titel. www.imago-images.de / Rafal Oleksiewicz
Tschechien: Sparta Prag – 12 Titel, zuletzt 2013/14. Erster Verfolger: Slavia Prag – 6 Titel.
Slowakei: Slovan Bratislava – 10 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: MSK Zilina – 7 Titel.
Rumänien: Steaua Bukarest – 26 Titel, zuletzt 2014/15. Erster Verfolger: Dinamo Bukarest – 18 Titel.
Bulgarien: ZSKA Sofia – 31 Titel, zuletzt 2007/08. Erster Verfolger: Lewski Sofia – 26 Titel.
Ungarn: Ferencvaros Budapest – 31 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: MTK Budapest – 23 Titel.
Ukraine: Dynamo Kiew – 15 Titel, zuletzt 2015/16. Erster Verfolger: Schachtar Donezk – 12 Titel.

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Video: watson / Nico Franzoni

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