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Viren, Wahlen und ein drohender Denkzettel für Präsident Macron (und Le Pen lauert)

Publiziert: 09.03.20, 10:58 Aktualisiert: 09.03.20, 13:12

Offenes Ohr: Emmanuel Macron. Bild: AP

In der Coronavirus-Krise ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an allen Fronten: Er berät mit dem Krisenstab, lässt Atemschutzmasken beschlagnahmen, besucht Ärzte und ein Altersheim. Ob sich sein Aktivismus in Wählerstimmen bezahlt macht, ist jedoch fraglich.

Bei den Kommunalwahlen ab nächstem Sonntag droht dem 42-Jährigen ein Denkzettel für seine Reformpolitik. Davon profitieren dürften vor allem Grüne und Rechtspopulisten.

Die Kommunalwahlen sind ein wichtiger Stimmungstest für Macron auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl 2022, rund 35'000 Städte und Gemeinden wählen neue Bürgermeister. Doch Macrons Partei drohe «alles um die Ohren zu fliegen», warnt ein Verantwortlicher von La République en Marche (LREM, Die Republik in Bewegung). Die 2016 gegründete Bewegung des Staatschefs stehe bei ihrer ersten Kommunalwahl «vor der schwersten Krise ihres Bestehens».

Rangeleien um Kandidatur

Nichts verdeutlicht die Misere besser als die Lage in Paris: Im Rennen um das Rathaus musste die bisherige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn als Notfallkandidatin einspringen. Macrons früherer Sprecher Benjamin Griveaux war zuvor über eine peinliche Sexvideo-Affäre gestürzt.

Zudem konnte der Staatschef den preisgekrönten Mathematiker Cédric Villani in Paris nicht an einer Kandidatur hindern, woraufhin Villani aus der Präsidentenpartei geworfen wurde. Buzyn und Villani machen sich nun gegenseitig Stimmen streitig, Chancen auf das Bürgermeisteramt haben beide nicht.

Auch in anderen Städten wie Lyon oder dem Badeort Biarritz lieferten sich Macron-Anhänger unwürdige Rangeleien um die Kandidatur. Die Präsidentenpartei hat ihr Wahlziel heruntergeschraubt: Sie hofft in der Stichwahl am 22. März auf 10'000 der insgesamt gut 500'000 Sitze in den Stadt- und Gemeinderäten.

Ausser in Lyon ist ihr kein Sieg in einer Grossstadt sicher. LREM-Chef Stanislas Guérini nennt dies bereits einen «riesigen Schritt» für eine Partei, die im Land kaum verankert ist.

Grüne Welle?

Eine Quittung hatte der unbeliebte Macron bereits bei der Europawahl im vergangenen Jahr bekommen, als die Rechtspopulisten von Marine Le Pen an seiner Partei vorbeizogen. Nach mehr als dreimonatigen Protesten und Streiks gegen die Rentenreform haben sich die Aussichten seither nicht verbessert.

Davon könnten vor allem die Grünen profitieren, die bereits bei der Europawahl überraschend stark abschnitten. Experten rechnen mit einer «grünen Welle» in Frankreich. In Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern kann sich fast jeder zweite Wähler vorstellen, sein Kreuz bei der Öko-Partei zu machen. In Bordeaux hoffen die Grünen sogar auf den Bürgermeister-Sessel.

Bild: EPA

Neben der Sorge über den Klimawandel kommt den Grünen der weit verbreitete Frust über Macron zugute. «Wir stehen für den Wandel, aber nicht für eine Revolution», sagt die Kandidatin Sabrina Sebaihi, die in der Pariser Vorstadt Ivry-sur-Seine antritt.

Le Pen hofft auf enttäuschte Macron-Wähler

Marine Le Pen. Bild: EPA

Auch Marine Le Pens Partei Rassemblement National (Nationale Sammlungsbewegung) hofft auf enttäuschte Macron-Wähler. Bei der letzten Kommunalwahl 2014 hatte sich die rechtspopulistische Partei unter ihrem alten Namen Front National zehn Rathäuser gesichert, vor allem im deindustrialisierten Norden und im rechtskonservativen Süden des Landes.

«Wenn unsere Bürgermeister wiedergewählt würden, wäre das ein grosser Erfolg», gibt sich Le Pen bescheiden. Die Rechtspopulisten rühmen sich, in «ihren» Hochburgen die Charta «Meine Kommune ohne Migranten» verabschiedet und die Videoüberwachung ausgeweitet zu haben.

Macron bleibt da nur die möglichst grosse Sichtbarkeit im Kampf gegen das Coronavirus. Spekulationen, die Kommunalwahlen müssten wegen der Epidemie abgesagt werden, weist die Regierung zurück. Zumindest dabei hat sie eine klare Mehrheit hinter sich: Drei Viertel der Bürger sprachen sich zuletzt dafür aus, die Wahlen dem Virus zum Trotz abzuhalten. (aeg/sda/afp)

Trump und Macron zelebrieren ihre neue Freundschaft

Macron ist der erste ausländische Gast, für den Trump seit Beginn seiner Amtszeit einen offiziellen Staatsbesuch abhält. EPA/EPA / JIM LO SCALZO
Gleich nach seiner Ankunft hält Macron seine erste Rede. Vor dem Treffen machte er klar, dass ihm eine Lösung im Streit um das Atomabkommen mit dem Iran wichtig sei. EPA/EPA / JIM LO SCALZO
Verteilt wurden dann vorest einmal viele Küsse... AP/AP / Evan Vucci
...und keine Gelegenheit wurde ausgelassen, zu betonen, wie stark die Freundschaft zwischen Macron und Trump ist. EPA/EPA / IAN LANGSDON
Nach Macrons Ankunft gings zuerst auf einen flotten Spaziergang zum Weissen Haus... AP/AP / Evan Vucci
...um im Garten einen Baum einzupflanzen. Macron brachte Trump als Geschenk eine Steineiche aus dem Wald im französischen Aisne mit, wo zum Ende des Ersten Weltkriegs Tausende US-Soldaten ihr Leben gelassen hatten. AP/AP / Andrew Harnik
Mit zum fröhlichen Baumpflanzen durften auch die First Lady Melania Trump und Brigitte Macron. EPA/EPA / SHAWN THEW
Je länger das dreitägige Treffen andauerte, umso mehr wurde klar... EPA/CNP POOL / Chris Kleponis / POOL
...dass die zwei Präsidenten kaum voneinander lassen konnten. AP/AP / Pablo Martinez
Hier wischte Trump die Schuppen von Macrons Anzug, damit dieser wieder «perfect» aussieht. EPA/CNP POOL / Chris Kleponis / POOL
Dann gab es wieder Küsse. Einmal für die eigene Frau... EPA/EPA / ERIK S. LESSER
...hier ein Handkuss von Macron für die Firstlady... EPA/EPA / ERIK S. LESSER
...und hier nochmals: schmatz, schmatz. AP/AP / Carolyn Kaster
Natürlich mussten danach auch noch wichtige Dinge gesagt werden. Trump unterstrich einen strikten politischen Kurs seiner Regierung gegen den Iran. Iran dürfe niemals erlaubt werden, Atomwaffen zu entwickeln, sagte er. EPA/EPA / SHAWN THEW
Macron seinerseits zeigte Bereitschaft zu Gesprächen über einen neuen Iran-Atomdeal. Es gelte den Weg für eine neue Übereinkunft zu ebnen, sagte er. Gespräche darüber müssten die politischen Kräfte in der Region sowie Russland und die Türkei einbinden. Ziel müsse es sein, nachhaltige Stabilität für den Nahen Osten zu gewährleisten. «Wir sind nicht naiv, was den Iran angeht», sagte Macron. EPA/EPA / SHAWN THEW
Wunderbar, diese Einigkeit. Das wurde sogleich mit einem Kuss besiegelt. AP/AP / Andrew Harnik
Und noch einmal eine symbolische Geste für die Fotografen. EPA/EPA / SHAWN THEW
Zwischendurch musste auch einmal stramm gestanden werden... AP/AP / Evan Vucci
...auch Melania und Brigitte... AP/AP / Jacquelyn Martin
Apropos: Wo war sie eigentlich, diese Melania? Ah da, versteckt unter dem Hut! AP/AP / Carolyn Kaster
Sie hatten eine grossartige Zeit zusammen. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais
Am Abend haben sich Präsidenten und deren Gattinen in die Abendrobe geschmissen und zuerst, naja, mal Küsse ausgetauscht. EPA/EPA / SHAWN THEW
Und nochmals ein bisous für die Firstlady. Derweil scheint Brigitte Macron langsam genug von dem Cabaret zu haben... AP/AP / Andrew Harnik
...muss dann aber trotzdem nochmals hinhalten. AP/AP / Andrew Harnik
Nach getaner Arbeit ging es weiter zum gediegenen Staatsdinner. An dem festlichen Abendessen nahmen 150 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil. Gastgeber Trump erinnerte in seiner Tischrede an die gemeinsame Geschichte beider Länder und deren Bedeutung für die Demokratie in der Welt. «Gott schütze unsere Allianz», sagte er. EPA/EPA / ERIK S. LESSER
Endlich gab dort auch etwas zu Trinken. Na dann, Prost und auf eine neue, wunderbare Freundschaft. AP/AP / Susan Walsh

Macrons ungewöhnliche Liebesgeschichte

Video: SRF / Roberto Krone

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