Nach minutenlanger Pflege wird Gomes in den Spital gebracht. Bild: EPA
Die schwere Verletzung von André Gomes war der Nichthinschaumoment des Wochenendes. Nach einem vermeintlich harmlosen Tackling von Heung-min Son brach sich Evertons Portugiese den Fuss. Er dürfte monatelang ausfallen.
Es war nichts für schwache Gemüter, was sich gestern in Liverpool abspielte. Beim 1:1 zwischen Everton und Tottenham Hotspur verletzte sich André Gomes schwer. Wie schwer, das zeigten alleine die erschreckten Blicke der umstehenden Spieler.
Warnung: Schau's dir nur an, wenn du es erträgst! Das Foul und die Reaktionen von Mit- und Gegenspielern. Video: streamja
Besonders einer war nur noch ein Häufchen Elend, als er den rechten Fuss des portugiesischen Europameisters quer vom Bein abstehen sah: Heung-min Son. Tottenhams Koreaner war es, der Gomes gefoult hatte und der dafür die Rote Karte sah.
Son fasst nicht, was er sieht. Bild: EPA
Der Koreaner wäre auch ohne Platzverweis kaum mehr in der Lage gewesen, weiterzuspielen. «Er weint und ist völlig aufgelöst», berichtete Mitspieler Dele Alli aus der Kabine. «Er hat keine Kraft, den Kopf zu heben, weil er so sehr weint. Dabei war es nicht sein Fehler. Er ist einer der nettesten Menschen, die es gibt.»
Schon auf dem Platz wird Son von Everton-Spielern getröstet. Bild: EPA
Die Wiederholung zeigte, dass Gomes die Verletzung womöglich zwischen dem Kontakt mit Son und dem Zusammenprall mit Serge Aurier erlitten hat. Son kann ohnehin nicht vorgeworfen werden, seinen Gegner mit Absicht verletzt zu haben. Selbst Evertons Captain Seamus Coleman sei in die Kabine gekommen, um den koreanischen Offensivspieler zu trösten, sagte Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino.
Die Szene aus einem anderen Blickwinkel. Video: streamja
Dass sein Spieler zunächst die Gelbe Karte sah, dann jedoch direkt die Rote, begriff er nicht: «Man sieht klar, dass es nie seine Absicht war, Gomes zu verletzen. Der Videoschiedsrichter muss doch beurteilen, ob es ein übles Foul war, nicht was die Folgen eines Tacklings sind. Wir wünschen André alles Gute, damit er wieder gesund wird.»
Mit diesem Wunsch ist Pochettino selbstredend nicht allein. Auf Social Media posteten viele Stars ihre Genesungswünsche:
Dass Everton unter diesen Umständen in der 97. Minute noch den Ausgleich zum 1:1 gelang, ist den «Toffees» hoch anzurechnen. «Ich hätte lieber nicht getroffen und 0:5 verloren, als dass so etwas passiert», schrieb Torschütze Cenk Tosun auf Instagram. «Du gewinnst, du verlierst, aber das spielt alles keine Rolle in so einem Moment.» Und an seinen Teamkollegen André Gomes gerichtet: «Ich weiss, du wirst noch stärker zurückkehren und wir werden für dich da sein.»
Tosun war einer der Spieler, die den verängstigten Gomes unmittelbar nach dem fatalen Zwischenfall zu beruhigen versuchten. «Er hatte einen Schock, seine Augen waren weit geöffnet und es war, als würde er zugleich weinen, rufen und schreien», schilderte er der BBC. «Ich versuchte, ihn festzuhalten und ihm gut zuzureden. Ich versuchte ihm zu sagen, Ruhe zu bewahren.»
Für längere Zeit sein letzter Einsatz: André Gomes im Zweikampf mit Tanguy Ndombélé. Bild: AP
Heute wird André Gomes operiert. Er dürfte monatelang fehlen, die Saison ist für ihn womöglich schon Anfang November vorbei.
Heung-min Sons nächstes Spiel steht schon am Mittwoch auf dem Programm, in der Champions League auswärts bei Roter Stern. Ob er in der Lage ist, dann aufzulaufen, ist noch offen. Tottenham hat seinem Star psychologische Unterstützung angeboten, um die schrecklichen Bilder verdrängen zu können.
Video: watson / Nico Franzoni