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Die Schweizer sind bereit für das Spiel des Jahres. Bild: YURI KOCHETKOV/EPA/KEYSTONE

Petkovic vor Achtelfinal-Kracher gegen Polen: «Wir müssen 20 Prozent zulegen»

Die Schweiz strebt in St-Etienne gegen Polen im Achtelfinal vom Samstag den historischen Coup an. Dazu ist für Nationalcoach Vladimir Petkovic eine Steigerung nötig. «Wir müssen 20 Prozent zulegen.»

Publiziert: 25.06.16, 10:40

Der letzte Schweizer Sieg in einem WM- oder EM-K.o.-Spiel liegt 78 Jahre zurück. Der letzte Schweizer Vorstoss unter die Top 8 geht zurück auf die Heim-WM 1954. Einen Tag vor dem Achtelfinal gegen Polen ist sich Nationaltrainer Vladimir Petkovic des historischen Ausmasses dieser Partie bewusst. «Wir haben bisher kleine Schritte gemacht und nach der Vorrunde eine Türe zugemacht. Jetzt stehen wir vor dem Haupt-Portal und wollen noch weitere Türen öffnen.»

In diesem Stadion wollen Lichtsteiner, Xhaka und Co. Geschichte schreiben.
Bild: KEYSTONE

Das Haupt-Portal zur Hautevolee des Fussballs steht für die Schweizer im Stade Geoffroy-Guichard von Saint-Etienne, wo sich schon einige Momente zugetragen haben, die einen Eintrag in die Annalen fanden. Hier erzielte Michel Platini 1984 in 18 Minuten den bisher einzigen klassischen Hattrick an einer EM-Endrunde. Hier erhielt David Beckham an der WM 1998 wegen eines Tritts gegen den heutigen Atletico-Trainer Diego Simeone einen der berühmtesten Platzverweise der Geschichte.

Der Gefallen an der EM

In Saint-Etienne leben 180'000 Menschen. In einer strukturschwachen Region sind die meisten von ihnen verrückt nach Fussball. Die AS Saint-Etienne ist einer der populärsten Klubs des Landes, seit sie 1976 den Final des Meistercups erreicht hat. Der frühere Schweizer Internationale Christoph Ohrel hat in der Saison 1995/96 hier gespielt. Über Saint-Etiennes Verhältnis zum Fussball sagte er: «Fussball bedeutet für die Stadt nicht nur Freude und Genuss, sondern vor allem Schweiss, Blut und Tränen.»

Petkovic unterschätzt Polen nicht, zeigt sich aber trotzdem angriffig.  Bild: EPA/UEFA

Eine solche Aussage passt zu den Prognosen für das Spiel gegen Polen. Die Schweizer erwarten einen physischen Gegner und einen engen Ausgang. «Das wird sehr hart, wir werden viel arbeiten müssen und am Ende entscheiden Details», sagte Vladimir Petkovic. Der souveräne Vorstoss in die K.o.-Phase kommentierte der Nationalcoach so: «Wir sind stolz, aber wir wollen auch auf dem Boden bleiben.» Und dann sagte er etwas, das sich in den Ohren der Gegner wie eine Drohung anhören musste: «Jetzt haben wir Gefallen gefunden an diesem Turnier.»

Die stetige Steigerung

Captain Stephan Lichtsteiner sieht die Schweiz in einer besseren Position als noch vor zwei Jahren vor dem knapp verlorenen WM-Achtelfinal gegen Argentinien. «Wir haben mehr Vertrauen in uns.» Das habe das Spiel gegen Frankreich gezeigt, indem man «mit viel Ballbesitz» aufgetreten sei. «Wir spielen ein hervorragendes Turnier und sind sehr zufrieden.»

Die Leistung beim 0:0 gegen den Gastgeber soll für die Schweizer aber nicht den Zenit darstellen, sondern als neuer Ausgangspunkt dienen. «Wir sind seit über einem Monat zusammen und die Mannschaft ist noch immer sehr positiv. Wir sind wie eine Turniermannschaft und werden von Spiel zu Spiel besser. Morgen müssen wir nochmals 20 Prozent zulegen», sagte Petkovic.

Noch hat Lewandowski an der Euro nicht getroffen, gegen die Schweiz möchte er Verpasstes nachholen.
Bild: MAX ROSSI/REUTERS

Die Torflaute des polnischen Superstars Robert Lewandowski, der im Nationalteam seit über sieben Monaten nicht mehr getroffen hat, ist bei den Schweizern kein Thema. «Auch wenn Lewandowski drei Mal nicht trifft, ist er immer noch ein guter Stürmer. Er ist ein sehr gefährlicher Gegner für uns», so Lichtsteiner. Petkovic fügte hinzu: «Er arbeitet sehr hart für die Mannschaft. Das ist auch wichtig.»

Wer gewinnt den EM-Achtelfinal?
Leider hat was nicht geklappt. Bitte versuche es später nochmals.

Petkovic weiss, dass rund um sein Team ähnliche Debatten geführt werden. Wie Polen hat auch die Schweiz erst zwei Tore erzielt. Und wie Lewandowski ist auch der Schweizer Topskorer in der Qualifikation, Xherdan Shaqiri, an der EM bisher leer ausgegangen. Petkovic: «Wir haben in drei EM-Spielen 15 klare Torchancen erarbeitet. Das ist nicht selbstverständlich auf diesem Niveau.» Sein Team müsse so weitermachen wie bis anhin. «Wir wollen den Ball haben, dann kann der Gegner wenig ausrichten.» Petkovic hat die Strategie im Kopf, wie er in einer fussballverrückten Stadt Schweizer Fussballgeschichte schreiben kann. (sda)

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Fakten zu den polnischen Gegenspielern im EM-Achtelfinal

Polens Team feiert mit den Fans. Die Ostmitteleuropäer sind am Samstag (15 Uhr) der Gegner der Schweiz im EM-Achtelfinal. Das sind die Spieler. EPA/EPA / OLIVER WEIKEN
Lukasz Fabianski, Tor, Swansea City. 2-mal Startelf. Rückte nach dem Auftaktspiel für den verletzten Wojciech Szczesny ins Team. War einst schon bei Arsenal nur Ersatz hinter Szczesny. EPA/EPA / OLIVER WEIKEN
Michal Pazdan, Verteidiger, Legia Warschau. 3-mal Startelf. Sein Spitzname lautet «Kung Fu Pazdan». Shaqiri und Co. sollten ihm also nicht zu nahe kommen. EPA/EPA / GUILLAUME HORCAJUELO
Artur Jedrzejczyk, Verteidiger, Legia Warschau. 3-mal Startelf. Kann an Trikots ziehen, ohne sie kaputt zu machen. Feierte die EM-Qualifikation mit einer Breakdance-Einlage in der Kabine – vor den Augen von Staatspräsident Andrzej Duda. EPA/EPA / PETER POWELL
Kamil Glik, Verteidiger, Torino. 3-mal Startelf. Der 1,90 m grosse Innenverteidiger besitzt auch einen deutschen Pass, in welchem sein Nachname «Glück» lautet. EPA/EPA / Sebastien Nogier
Lukasz Piszczek, Verteidiger, Borussia Dortmund. 2-mal Startelf. Wurde einst für ein halbes Jahr gesperrt, weil er in einen Wettbetrug verwickelt war. AP/AP / Martin Meissner
Thiago Cionek, Verteidiger, US Palermo. 1-mal Startelf. Wuchs als Nachkomme polnischer Auswanderer in Brasilien auf. Spielte vier Saisons in Polen, seit 2012 ist er in Italien engagiert. X00380 / YVES HERMAN
Grzegorz Krychowiak, Mittelfeld, FC Sevilla. 3-mal Startelf. Der Mann fürs Grobe, einer von Europas besten auf seiner Position. Spielte nie in Polen, weil er schon als 16-Jähriger nach Frankreich ging. EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Krzysztof Maczynski, Mittelfeld, Wisla Krakau. 2-mal Startelf. Wechselte 2014 für drei Jahre nach China, kehrte aber nach einer Saison wieder nach Hause zurück. EPA/EPA / OLIVER WEIKEN
Bartosz Kapustka, Mittelfeld, KS Cracovia. 2-mal Startelf. Der 19-Jährige Shootingstar verletzte sich einige Monate vor der EM bei einer Schlägerei in einem Nachtclub. Rief den Nationaltrainer an, entschuldigte sich und flehte ihn an, ihn trotzdem nach Frankreich mitzunehmen. EPA/PAP / Bartlomiej Zborowski
Jakub Blaszczykowski, Mittelfeld, Fiorentina. 2-mal Startelf. Vor den Augen des zehnjährigen «Kuba» tötete sein Vater seine Mutter. Jakub und sein Bruder wuchsen bei der Grossmutter auf, da der Vater ins Gefängnis musste. Schon Blaszczykowskis Onkel war Captain der polnischen Fussballnati. EPA/EPA / TOLGA BOZOGLU
Kamil Grosicki, Mittelfeld, Stade Rennes. 1-mal Startelf. Absolvierte vor acht Jahren einige Partien für den FC Sion. Ist der DJ in Polens Kabine und legt gerne «Disco Polo» auf: Euro-Dance mit polnischem Text. Aufgepasst: Schoss für Rennes in der abgelaufenen Saison sechs seiner neun Saisontore als Joker! EPA/EPA / OLIVER WEIKEN
Tomasz Jodlowiec, Mittelfeld, Legia Warschau. 1-mal Startelf. Gilt als kopfball- und zweikampfstark. Ein Spieler wie geschaffen, um eine Führung über die Zeit zu retten. EPA/EPA / OLIVER WEIKEN
Piotr Zielinski, Mittelfeld, Empoli. 1-mal Startelf. Spielte seit der U15 in jeder polnischen Junioren-Nationalmannschaft und traf ausser für die U16 für jedes Team. Der ältere Bruder Pawel ist ebenfalls Profi in Polens höchster Liga. X01801 / EDDIE KEOGH
Arkadiusz Milik, Stürmer, Ajax Amsterdam. 3-mal Startelf. Nach 21 Toren in der Eredivisie schoss er an der EM das Siegtor im Auftaktspiel gegen Nordirland. Mit sechs Assists war er der beste Vorlagengeber der gesamten EM-Qualifikation. AP/AP / Thanassis Stavrakis
Robert Lewandowski, Stürmer, Bayern München. 3-mal Startelf. Der Captain ist als Bundesliga-Torschützenkönig der Star des Teams. An der EM schoss er allerdings in 270 Minuten noch kein Tor – kein Wunder, denn es wurde auch kein einziger Schuss aufs Tor Lewandowskis registriert! X00380 / YVES HERMAN

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