DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
1 / 13
Drama um Frachter «Blue Sky M» im Mittelmeer
quelle: epa/ansa / biagio claudio longo
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Drama auf dem Mittelmeer

Hat Frontex die Tragödie um das Flüchtlingsschiff «Blue Sky M» unnötig aufgebauscht? 



Die Empörung in den Medien war riesig, auch bei watson: Ende Dezember rettete die italienische Marine Hunderte Migranten, die auf dem schrottreifen Frachter «Blue Sky M» auf die apulische Küste zutrieben. Die Besatzung hatte sich aus dem Staub gemacht und die Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen. Die europäische Grenzschutzbehörde Frontex sprach von einem «neuen Grad der Grausamkeit».

Nun soll alles ganz anders – und viel weniger schlimm – gewesen sein, behauptet das ARD-Magazin «Panorama» in seiner aktuellen Ausgabe (siehe Video unten) – und erhebt schwere Vorwürfe an Frontex.

abspielen

video: youtube/ard

Erster Fehler: Die «Blue Sky M» ist kein Schrottkahn
«Das war ein Schiff, das wie man auch aus frei zugänglichen Internetseiten erkennt, bis vor kurzem als normaler Frachter die Meere befuhr. Es war absolut seetauglich», sagt Guglielmo Cataldi von der Staatsanwaltschaft Lecce, die das Schiff beschlagnahmt hat.

Zweiter Fehler: Die Besatzung hatte das Schiff nicht verlassen
Die Besatzung war zu jedem Zeitpunkt an Bord und hatte die Kontrolle über das Schiff. Sie hatten sich offenbar unter die Flüchtlinge gemischt, um nicht als Schlepper verhaftet zu werden. Doch als die italienische Marine eintraf, verrieten sich die syrischen Seeleute: «Die Besatzung hat meine Männer auf dem Schiff begleitet, ihnen den Weg zum Maschinenraum gezeigt und ihnen erklärt, wie man die Motoren steuert», sagt Attilo Daconto von der italienischen Küstenwache.

Frontex reagiert gereizt

Ein «neuer Grad der Grausamkeit» wurde also offensichtlich nicht erreicht. Frontex reagiert gereizt auf den Vorwurf, unhaltbare Behauptungen aufgestellt zu haben: Die Informationslage habe sich eben geändert, so die europäische Grenzschutzbehörde. «Also Sie beschuldigen Menschen Schlepper zu sein, dann stimmen die Vorwürfe nicht, aber das ist dann nicht mehr so wichtig», hakt der «Panorama»-Reporter nach. «Ich weiss nicht, was Sie von mir hören wollen», erwidert Frontex-Sprecherin Ewa Moncure.

Für «Panorama» ist auch klar, warum Frontex die Geschichte derart aufblies: Geldgierige und skrupellose Schlepper sollen für das Elend auf dem Mittelmeer verantwortlich sein, nicht die Flüchtlingspolitik der EU. Ein seetaugliches Frachtschiff von professionellen Seeleuten gesteuert, die selbst vor dem Krieg in Syrien fliehen, passe da nicht ins Bild.

Die syrische Besatzung der «Blue Sky M» befindet sich derzeit in Lecce in Haft. Wegen versuchter fahrlässiger Tötung muss sie sich nicht verantworten, wohl aber wegen Schleusungskriminalität.  (kri)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Corona stoppt Migrationsbewegungen: So wenig Flüchtlinge kommen noch in die Schweiz

Einst prägten sie die Nachrichten, jetzt sind geflüchtete Personen gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden – was nicht heisst, dass es sie nicht mehr gibt. Die wichtigsten Asylzahlen und -grafiken im Überblick.

Im Corona-Jahr gerieten Asylsuchende aus dem Fokus von Politik und Medien – was nicht heisst, dass keine da waren. Zwar stellten so wenige Personen in der Schweiz ein Asylgesuch wie zuletzt vor dreizehn Jahren, doch gerade an den europäischen Aussengrenzen versuchen nach wie vor viele Menschen, die Grenzen zu überwinden.

Im Jahr 2020 wurden 11'041 Asylgesuche gestellt. Das sind 22,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Es ist der tiefste Wert seit dem Jahr 2007 mit 10'844 Gesuchen. Das …

Artikel lesen
Link zum Artikel