Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A general view shows decommissioned German-made Marder fighting vehicles in the compound of the Koch Battle Tank Dismantling firm in the eastern village of Rockensussra, some 300 km (186 miles) south west of Berlin, May 6, 2014. Founded in 1991 the company specialises in taking apart former battle tanks and armoured vehicles from the German armed forces and others from around the world. Picture taken May 6, 2014. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: MILITARY)

Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Briefe von der Heimatfront

Das Schweigen der Deutschen

Die Deutschen sind überall in der Schweiz, sie bedienen Kaffeevollautomaten, passen Kontaktlinsen an, drücken Löhne und unterrichten Quantenbotanik. Sind sie aber auch organisiert, drücken sie ihre Interessen durch, wie es der wichtigsten oder jedenfalls lästigsten Minderheit im Land gebührt? Die offizielle Antwort lautet: nein, die halboffizielle: ja, aber sehr diskret.

Für eine Invasionsstreitmacht dieser Grösse fehlt jedenfalls eine deutlich sichtbare Kommandostruktur, ein Feldlager Olten oder wenigstens ein Zelt, angefüllt mit Orden und den dazu passenden Generälen. Fast 300'000 Deutsche auf einem Haufen, aber sie bilden kein Regiment, keinen Verein, nicht einmal ein Kaffeekränzchen! Die Interessenvertretung der Deutschen in der Schweiz ist mit «unsichtbar» kaum hinreichend beschrieben.

Da gibt es zum Beispiel ein „Deutsches Haus“, sich selbst titulierend als „Verein der Deutschen in der Schweiz“, das wenigstens auf seiner Webseite so transparent und weltoffen daherkommt wie eine durchschnittliche Scientology-Filiale. Kaum Informationen über die Vereinsaktivitäten, keine Pressemitteilungen zu den deutsch-schweizerischen Beziehungen, stattdessen ein von «20 Minuten» abgeschriebener Artikel, der darüber informiert, dass neuerdings auch die Schweizer bei deutschen Fussballsiegen jubeln. In der Berichterstattung ist der Verein folgerichtig auch kaum existent.

Auch in der Blogosphäre: Stille, Dunkelheit und Wirrnis. Die Seite blogwiese.ch soll das Leben eines Deutschen in der Schweiz dokumentieren; der letzte Eintrag stammt jedoch aus dem Oktober und befasst sich mit der Namensgebung der Schweizer Münzstätte swissmint – obskur und sinnlos! Eine Seite für deutsche Einwanderer wiederum, hallo-schweiz.ch, soll ebendiesen das Leben hier erleichtern, publizierte zuletzt aber nur Tipps für die Europawahl und kommentiert die eigene Untätigkeit auch noch mit einem gewissen faulen Stolz: «Vielleicht wäre es mal an der Zeit, was Neues zu beginnen :-)? (Ich werde mal darüber nachdenken ... aber bin bislang noch nicht viel weiter gekommen ;-) ...)»

Wenn die Immigranten selbst nicht handeln, so muss der Staat einspringen. In Anlehnung an die deutsche Islamkonferenz sollten die Schweizer baldmöglichst eine Eidgenössische Deutschenkonferenz einführen – allein schon im eigenen Sicherheits- und Informationsinteresse! Ganz verschiedene religiöse Gruppen wie Radikalschwaben, gemässigte Bajuwaren und prussophile Berlinisten könnten so an einen Tisch gebracht werden, erhielten eine Stimme, müssten sich nicht ghettoisieren und in irgendwelchen «deutschen Häusern» Hinterzimmerpolitik machen. Und dann, man kennt das ja, irgendwo in die Luft sprengen.

Leo Fischer

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.

Mehr von Leo Fischer gibts bei Titanic



Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nic9000 03.06.2014 14:28
    Highlight Highlight Ich kann die Aversion gegenüber unseren deutschen Nachbarn nicht nachvollziehen. Sprache, Werte und Kultur sind praktisch kongruent und auch sonst hatte ich nur selten negative Erfahrungen mit Deutschen; ganz im Gegensatz zu anderen, östlicheren Einwanderern...
    • Blue64 06.06.2014 06:44
      Highlight Highlight Nein, sind sie nicht, genauso wenig wie zwischen Österreich und der Schweiz!
  • Horny 03.06.2014 13:40
    Highlight Highlight Was wollen Deutsche in der Schweiz, wenn alles in Deutschland besser ist?
    Sind die Deutschen Dumm in ein Land auszuwandern, das Schlechter ist als Deutschland, oder sind sie einfach nur Masochisten? Antwort:

    Deutsch ist und bleibt alles was Deutsche haben, wenn sie Auswandern.

    Leider haben die Deutschen bis heute nicht bemerkt, das in der Schweiz Schwizerdütsch gesprochen wird und sich diese Sprache wesentlich vom Deutsch unterscheidet. Wüsten sie das, würden Sie wohl in Deutschland bleiben.
  • mikado5034 02.06.2014 09:07
    Highlight Highlight Das Thema ist doch jetzt wirklich längstens gegessen und den Mampf des German-bashings aufzuwärmen ist auch als Blog überflüssig.

Briefe von der Heimatfront

Die neuen Fussballgesetze sind da!

Vor wenigen Stunden hat der deutsche Bundesrat eine Sonderverordnung von Bundesumweltministerin Hendricks (SPD) bestätigt. Diese erlaubt den Gemeinden, fürs Public Viewing bestimmte Flächen auch dann zu nutzen, wenn eigentlich die gesetzlichen Lärmschutzzeiten gelten müssten. 

Der Hintergrund: Bei der Fussball-WM in Brasilien wird knapp die Hälfte aller Spiele erst nach 22 Uhr ausgestrahlt, zehn davon sogar erst nach Mitternacht. Erstmals hat damit die Bundesregierung die …

Artikel lesen
Link to Article