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Hegseth' Pentagon gab in 5 Tagen 50 Mia. USD aus – für alles Mögliche

Defense Secretary Pete Hegseth speaks while President Donald Trump, left, listens at the Shield of the Americas Summit, Saturday, March 7, 2026, at Trump National Doral Miami in Doral, Fla. (AP Photo/ ...
Pete Hegseth steht erneut in der Kritik.Bild: keystone

Hegseth in der Kritik: Pentagon gab in 5 Tagen 50 Mia. USD aus – für alles Mögliche

Eine neue Analyse wirft dem US-Verteidigungsministerium massive Ausgaben kurz vor Ende des Haushaltsjahres vor – offenbar das Symptom einer umstrittenen Regel.
11.03.2026, 06:3011.03.2026, 06:30
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Das US-Verteidigungsministerium unter Minister Pete Hegseth hat einer Recherche zufolge im September 2025 rund 93,4 Milliarden US-Dollar für Zuschüsse und Verträge ausgegeben – umgerechnet knapp 73 Milliarden Franken. Damit erreichten die Zuschüsse und Vertragsvergaben des Pentagon den höchsten Monatswert seit mindestens 2008.

Laut einer neu veröffentlichten Analyse der Transparenzorganisation «Open the Books» floss ein Teil des Geldes in ungewöhnliche Anschaffungen: Millionen Dollar wurden für Hummer und Königskrabben, teure Büromöbel, Hunderte Tablets – und sogar ein fast 100'000 Dollar teuren Steinway-Klavierflügel für das Haus des Stabschefs der US-Luftwaffe ausgegeben.

Die Ausgaben selbst liegen damit bereits mehrere Monate zurück. Für Schlagzeilen sorgt der Fall erst jetzt, weil die Organisation die staatlichen Finanzdaten nachträglich ausgewertet und ihre Analyse nun veröffentlicht hat.

Besonders auffällig sei laut den Autoren der Zeitpunkt der Zahlungen: Allein in den letzten fünf Arbeitstagen des Septembers habe das Pentagon rund 50,1 Milliarden US-Dollar ausgegeben – knapp 39 Milliarden Franken. Das entspricht mehr als dem gesamten jährlichen Verteidigungshaushalt von Ländern wie Israel oder Italien.

Regel könnte September-Ausgaben angekurbelt haben

Hinter dem Ausgabenschub steht laut der Analyse womöglich eine Regel des US-Haushaltsrechts: das «Use-it-or-lose-it»-Prinzip («Nutze es oder verliere es»). Demnach müssen Behörden ihre zugewiesenen Mittel bis zum Ende des Fiskaljahres ausgeben, das in den USA am 30. September endet. Nicht verwendete Gelder verfallen – und können sich negativ auf zukünftige Budgets auswirken.

Deshalb steigen staatliche Beschaffungen traditionell in den letzten Wochen des Haushaltsjahres stark an. Unternehmensberater vergleichen den letzten Tag des Fiskaljahres laut Bericht sogar mit einem «Amazon Prime Day» – also einem grossen Shopping-Event – für Regierungsaufträge.

Luxusessen und grosse Möbelrechnungen

Ein Teil der Ausgaben des Verteidigungsministeriums entfiel in dieser Zeit auf Lebensmittel für militärische Einrichtungen. Dem Bericht zufolge bestellte das Pentagon im September Hummerschwänze für 6,9 Millionen Dollar, alaskanische Königskrabben für zwei Millionen Dollar, Rib-Eye-Steaks im Wert von 15,1 Millionen Dollar sowie Lachs für rund eine Million Dollar. Hinzu kamen 139'224 Dollar für Donuts und etwa 124'000 Dollar für Eismaschinen.

Auch Büroausstattung schlug zu Buche. Für Möbel gab das Verteidigungsministerium im September 225,6 Millionen Dollar aus. Darunter waren laut Analyse unter anderem hochpreisige Bürostühle sowie dreistöckige Obstkorb-Ständer für rund 12'540 Dollar.

Milliarden für IT – und ein Konzertflügel

Weitere 5,9 Milliarden Dollar investierte das Pentagon in Informationstechnologie und Telekommunikation. Darin enthalten sind 3,5 Milliarden Dollar für Dienstleistungen wie technischen Support oder Kabelfernsehen sowie Millionenbeträge für Geräte grosser Technologiekonzerne, darunter Apple-Produkte im Wert von 5,3 Millionen Dollar und Samsung-Geräte für rund vier Millionen Dollar.

Auch Musikinstrumente tauchen in den Ausgabenlisten auf. Insgesamt wurden dafür laut Analyse 1,8 Millionen Dollar ausgegeben. Neben dem 98'329 Dollar teuren Konzertflügel der Marke Steinway & Sons für den Stabschef der Air Force gehören dazu eine 26'000 Dollar teure Geige sowie eine handgefertigte Flöte des japanischen Herstellers Muramatsu für 21'750 Dollar.

Analysten kritisieren überstürzte Ausgaben

«Open the Books» ist eine Watchdog-Organisation mit Sitz in Illinois, die sich auf die Analyse staatlicher Ausgaben spezialisiert hat und sich als überparteilich beschreibt. Ihr Ziel ist es nach eigenen Angaben, öffentlich zugängliche Haushaltsdaten auszuwerten und Beispiele für Verschwendung, Betrug oder ineffiziente Ausgaben im Staat aufzudecken.

Die Organisation verfolgt das Ausgabeverhalten der US-Behörden seit Jahren. Ihrer Analyse zufolge steigen die staatlichen Ausgaben regelmässig im September deutlich an, weil Behörden ihre Restbudgets noch nutzen.

Bereits während der ersten Amtszeit von Donald Trump hatte «Open the Books» eine ähnliche Auswertung veröffentlicht. Eine Analyse zum Haushaltsjahr 2017 zeigte damals, dass US-Behörden in der letzten Woche des Fiskaljahres zahlreiche kurzfristige Ausgaben tätigten – darunter Millionen für Möbel, Fahrzeuge, Waffen, Werbekampagnen oder Alkohol für Botschaften.

Die Autoren fordern deshalb Änderungen. Verteidigungsminister Pete Hegseth habe die Möglichkeit, diese Praxis einzudämmen. Statt kurzfristiger Anschaffungen sollte das Pentagon seine Mittel stärker auf militärisch notwendige Ausrüstung konzentrieren – etwa auf Abwehrsysteme gegen Raketen und Drohnen, schrieben die Analysten.

Verwendete Quellen:

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So oder so
11.03.2026 06:34registriert Januar 2020
Die Grössten Verarschten dieser Regierung sind die MAGA Jünger, doch die Merken es nicht einmal.
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The Twelfth
11.03.2026 07:02registriert Juni 2020
Was war offiziell die Begründung für DOGE?
2002
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Eistgleichemcequadrat
11.03.2026 07:04registriert Dezember 2019
Das Prinzip „use it or lose it“ für Budgetmittel am (Budget)Jahresende gibt es auch in anderen Administrationen. Aber ich hab das noch nie so offensichtlich missbraucht gesehen, war eher schneller Ersatz für langsame Notebooks und so…
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