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Medienexperte Vincenzo Nero (Symbolbild) (Archivbild), der weiter unten noch zu Wort kommt.
Medienexperte Vincenzo Nero (Symbolbild) (Archivbild), der weiter unten noch zu Wort kommt.flickr
Der Enthüller

«Es ist eine Frechheit, dass es noch Menschen gibt, die sich nicht voll und ganz mit den Karikaturen solidarisieren»

14.01.2015, 10:4214.12.2018, 12:44
Pavel Kulicka
Falschmeldung
Satire - (fast) kein Wort ist wahr!

Paris/Zürich (den). Noch immer ist die westliche Welt nach den Anschlägen von Paris im Schockzustand. Doch obwohl verschiedenste Menschen an allen Ecken und Enden mit dem Claim #JeSuisCharlie ihre Solidarität mit den Opfern bekunden, scheren je länger je mehr Personen willentlich aus der kollektiven Trauer aus. «Gerade gestern habe ich mit einem Fremden im Zug über die Anschläge gesprochen. Da hat er sich doch tatsächlich dazu erdreistet zu sagen, dass er die Karikaturen von Charlie Hebdo gar nicht lustig findet. Ich habe ihm eine in die Fresse geknallt und gesagt, er soll sich zum Teufel scheren», so der 28-Jährige Grafiker Fabian Bauer. «Was denkt sich dieses Arschloch eigentlich? Da sind Personen im Namen der Meinungsfreiheit umgebracht worden und dieser Penner findet das Attentat offenbar völlig gerechtfertigt. Auch wenn er dies nicht explizit so gesagt hat, hab ich ihn sofort durchschaut, diesen verdammten Terroristen», ereifert sich Bauer weiter.

«Charlie Hebdo» im App-Store.
«Charlie Hebdo» im App-Store.Twitter

Doch auch falsche Solidaritätsbekundungen werden gnadenlos überführt. So schmückte sich der französische Apple-Store letzte Woche mit dem «Je Suis Charlie»-Banner (Bild rechts). Doch bei der Netz-Community kam diese Aktion gar nicht gut an. «Apple hat sich stets geweigert, die Karikaturen von Charlie Hebdo zu zeigen und nun machen sie einen auf ‹Hochhalten der Meinungsfreiheit›. Das ist lausigste Betroffenheits-PR, mehr nicht», sagt Netz-Aktivist Alexander Seifert. Doch Seifert geht auch mit der hiesigen Onlinewelt hart ins Gericht. «Besonders enttäuscht bin ich von den Schweizer Medien. Nur wenige News-Portale hielten die Meinungsfreiheit hoch, indem sie gleich nach dem Anschlag die Karikaturen online schalteten. Das ist in etwa gleich inkonsequent, wie wenn man über die globale Erwärmung schreibt, aber trotzdem weiterhin mit dem Auto zur Arbeit fährt», so Seifert.

«Wie kann man nur Terroristen unterstützen!»

Auch User Sillum wittert hinter dem Karikaturisten Ruedi Widmer einen verkappten Silamsiten. Cox pflichtet ihm vollmundig bei.
Auch User Sillum wittert hinter dem Karikaturisten Ruedi Widmer einen verkappten Silamsiten. Cox pflichtet ihm vollmundig bei.screenshot watson

Medienexperte Vincenzo Nero plädiert ebenfalls für die konsequente Umsetzung der Meinungsfreiheit. «Schon vor den Anschlägen auf ‹Charlie Hebdo› war das Magazin weltweit für seine oft geistreichen Karikaturen, die niemals bloss der Provokation dienten, bekannt. Dies erklärt die sehr hohe Auflage von 60'000. Zum Vergleich, das deutsche Heft Titanic bringt es nur auf läppische 99'000», so Nero. «Jetzt, wo die Meinungsfreiheit unter Beschuss gerät, ist es umso wichtiger, dass diese Freiheit bis aufs letzte verteidigt wird. Da ist es natürlich eine bodenlose Frechheit, wenn es nun noch Menschen gibt, die sich nicht voll und ganz mit den Karikaturen solidarisieren», so der «Hebdo»-Fan Nero, der das Satiremagazin schon seit dem November 2014 kennt.

Nero kann es darum nicht verstehen, wenn nun Journalisten, Karkaturisten und Satiriker Kritik an den Zeichnungen äussern. «Jeder der sagt, die Karikaturen seien auch ein bisschen provokativ, stellt sich damit automatisch auf die Seite der Terroristen und gegen die Meinungsfreiheit. Wie kann man nur!!», wettert Nero. Er ist darum froh, dass bald der nationale Wahlkampf beginnt und die Parteien der Bevölkerung wieder mal zeigen, dass auch die Schweiz hervorragende Satire zu bieten hat.

Der Enthüller
Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über einen Schwangerschaftstest fürs iPhone oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.

www.der-enthüller.ch
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Weshalb investieren wir so viel unserer wertvollen Zeit in das Durchscrollen von Feeds? Roger Hämmerli, Chef einer Content-Agentur, weiss, welche Posts dich reinziehen. Und er sagt, wie wir mit den Gefahren umgehen sollten.

Es ist nicht Roger Hämmerlis Art, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Er will zeigen, was er draufhat und steht für seine Überzeugungen ein. Für die einen wirke das selbstbewusst, für andere arrogant. Sein Wirtschaftsstudium hat er vorzeitig beendet, weil er plötzlich mehr Interesse am App-Programmieren hatte. Lange leben konnte er davon nicht, deshalb hat er sich beim damaligen «Blick am Abend» als Journalist versucht.

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