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Man muss Briefe adressieren, die Abschiedsbriefe sind. (Büsi by Ginadraws.ch)
Man muss Briefe adressieren, die Abschiedsbriefe sind. (Büsi by Ginadraws.ch)Bild: Kafi Freitag
FRAGFRAUFREITAG

Wie schafft man es weiterzumachen, auch wenn man keine Lust mehr hat?

Ich manövriere mich immer wieder in Alltagssituationen, in denen ich dann gezwungen bin, Dinge zu tun, die ich eigentlich gar nicht so cool finde und schiebe sie dann so vor mir her. Kennst du eine Lösung? Herbert, 48
19.03.2015, 16:1522.03.2015, 08:04

Lieber Herbert 

In Ihrem Alter sollte man langsam realisiert haben, dass es im Leben nicht immer nur um die Dinge geht, die man cool findet. Überhaupt kommt es mir grad chli vor, als würde mein knapp 11-jähriger Sohn diese Frage stellen, aber egal.

Es gibt viele Dinge im Leben, die man delegieren kann. Der Alltag wird dann saumässig spannend und schöpferisch, wenn man mindestens zu 80% Dinge tut, die man wirklich gerne macht und gut kann. Dennoch gibt es immer wieder Dinge, um die man nicht herumkommt. Wenn Sie sehr viele solche auf Ihrer Liste haben, dann sollten Sie sich mal fragen, ob Sie vielleicht ein Problem mit dem Nein-sagen haben. Nein? Aha.

Menschen, die schlecht nein sagen können, kämpfen oft mit Aufgaben, die sie eigentlich gar nie haben wollten. Da macht es dann keinen Sinn zu überlegen, wie man diese zu Ende bringt, sondern viel mehr sich anzugewöhnen, auch mal klipp und klar nein zu sagen. Bei allen anderen Dingen, die man wirklich tun muss – und davon gibt es sehr wenige, also eigentlich nur sterben, früher oder später – lohnt es sich, wenn man etwas an der eigenen Einstellung schraubt.

Die Sprache ist unglaublich stark mit den Empfindungen und der eigenen Einstellung verbunden. Und so erzeugt alles, was man angeblich muss, schon mal präventiv Druck. Und Druck raubt Energie, die dann für die Umsetzung fehlt. Warum machen Sie sich nicht dieses Wissen zunutze und basteln sich aus dem «Müssen» ein «Können» und aus dem Druck eine eigene, freie Entscheidung? Selbstbestimmung setzt Kraft frei, und ob Sie etwas müssen oder können, können Sie tatsächlich selber bestimmen. Alles, was Sie in dieser Form erledigen, wird Sie wahrhaftig befreien. Denn es gibt vermutlich nichts Blockierenderes, als das vor sich Herschieben von Unerledigtem.

Das Leben, das man selber in die Hand nimmt und formt, hat grosses Potenzial, ein aufregendes und spannendes zu werden. Das verstehen viele Menschen nicht und dümpeln stattdessen lieber in der Mittelmässigkeit der Fremdbestimmung herum. Ich bin als Mensch in einem politischen und sozialen System schon genügend fremd bestimmt. Da wäre ich doch doof, wenn ich mich von all dem Kleinkram, der mich täglich umgibt, auch noch herumkommandieren liesse, nicht?

Ich weiss, dass all diese Einstellungsfragen auch ein bisschen ein Hirnfick sind. Aber ein regelmässig durchgeficktes Hirn ist zu ganz anderen Dingen fähig, als ein angestaubtes verklemmtes. In diesem Sinne: FUCK YOUR FUCKING BRAIN!

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.



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Bild: Kafi Freitag
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