DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Kafi von hinten. Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Ich bin ja bekennender FFF-Fan der ersten Stunde und mag die allermeisten Ihrer Antworten sehr (gerade vorgestern wieder ein echter Kafi!). Meine kurze Frage an Sie: Haben Sie Mühe mit Ihrem Alter, bzw. mit dem Altern? 

Ich kann mir das bei Ihnen zwar so gar nicht vorstellen, aber sie scheinen eine ewig 39-Jährige zu sein? Dachte mir noch, eventuell hat sie ja erst im Dezember Geburtstag, aber nein, da steht überall immer noch 39, dabei müssten Sie mindestens 40 oder sogar schon fast 41 sein. (Ich sehe hierbei geflissentlich über das ungeschriebene Gesetz hinweg, welches Männern verbietet, eine Frau nach ihrem Alter zu fragen!) Wie spricht man Kafi eigentlich aus? Meine Frau meint: Kaafi mit langen A und ich dachte immer Kaffi wie das zum Trinken. Herzlichst, dein treuer Leser Ralph, 41.



Lieber Ralph 

Ihre Frage befremdet mich sehr. Und eigentlich fällt sie nicht in mein Schema der zu beantwortenden Fragen, weil ich ja bekanntlich keine Fragen beantworte, die sich allzu direkt mit mir als Person befassen. Ich werde es nun aber trotzdem tun, weil ich die Frage – einmal mehr – in einem grösseren Zusammenhang interessant und bemerkenswert finde.

Sie schmieren mich erst mit Honig ein und erzählen mir, wie sehr Sie doch begeistert von meiner Arbeit sind, um mich dann über mein Alter zu demontieren. Das finde ich per se seltsam und wie bereits erwähnt, höchst befremdlich. Sie, lieber Ralph, der in Wahrheit anders heisst, sind seit März 2014 mit mir auf Facebook befreundet, und wenn Sie sich die Mühe eines kleinen Klicks machen würden, könnten Sie sehen, dass ich 1975 geboren bin. Und zwar im Juni. Ich bin also tatsächlich und faktisch ganz genau 39 Jahre alt. Daraus habe ich, im Gegensatz zu den meisten vor 1980 geborenen Kolleginnen von mir, noch nie einen Hehl gemacht. Das steht in jeder Infobox über mich, und wenn Ihnen meine Phase als 39-Jährige lange vorkommt, dann hat das damit zu tun, dass ich mich schon als 38-Jährige als zu alt angegeben habe. Ich werde am 19. Juni um fünf nach halb zwei Nachmittags 40 Jahre alt. Und freue mich sehr darauf, denn wie Sie schon richtig annehmen, habe ich keinerlei Mühe mit meinem Alter. Hatte ich noch nie. Und das mit Grund, ich sehe heute besser aus, als mit 20 oder 30 und was noch viel wichtiger ist: Ich fühle mich um Welten besser, weil ich im Reinen mit mir bin.

Sind Sie das auch, Ralph? Die Tatsache, dass es Ihnen diesen einen Klick nicht wert ist, die Formulierung dieser Frage aber schon, lässt mich wundern, was Ihre Motivation ist. Reine Faulheit kann es kaum sein, da Zweites bedeutend aufwendiger ist als Ersteres. Aber was ist es dann? Wovon werden Sie getrieben, dass Sie mir hier eine auf den ersten Blick wohlgeformte, in hübsche Komplimente verpackte Frage stellen, die darauf abzielt, mich zu entlarven, zu demontieren?

Das interessiert mich im konkreten Fall von Ihnen. Aber mich interessiert diese Frage auch in einem grösseren Rahmen. Was treibt Menschen an, die sich auf so was konzentrieren? Dieser Thematik begegne ich immer wieder in Form der paar Nasen, die sich ab und an über meine Schreibfehler aufregen und dann ellenlange Statusmeldungen verfassen, wie beleidigend es doch sei, einen Text zu lesen, der nicht perfekt und fehlerfrei ist. Auch dort frage ich mich dann jeweils, um was es eigentlich geht. Wirklich um das fehlerhafte Doppel-s, wo nur ein einfaches stehen sollte oder vielleicht doch um etwas tiefer liegendes? Bin ich inhaltlich so unantastbar, dass man es über fehlende Kommas tun muss? Ich persönlich verstehe es jedenfalls so und nehme es demzufolge als Kompliment. Wenn ich mir dann die Zeit nehme zu schauen, wer sich hinter diesem grossen Zeigefinger verbirgt, dann begegnen mir Menschen, die irgendwie verhindert scheinen, sich selber nicht in diesem Masse verwirklichen und ausdrücken können, wie sie es vermutlich gerne würden.

Es scheint einfacher zu sein, andere zu massregeln, als selber etwas zu schaffen und zu erschöpfen. Es scheint einfacher zu sein, sich über Schreibfehler aufzuregen, als einen Text mit einer von Herzen kommenden Grosszügigkeit anzusehen und sich über das Geschriebene Gedanken zu machen. Und das macht mich irgendwie traurig und dankbar gleichzeitig. Ich bin traurig für all die Menschen, welchen diese Grosszügigkeit und Herzlichkeit abgeht. Weil das Leben muss ein trostloses sein, ohne diese Gabe. Und ich bin dankbar, dass ich diese Gabe besitze und die Fähigkeit habe, mit dem Herzen zu sehen, wenn die Augen nur Tadelhaftes erkennen würden.

Mit bestem Gruss. Ihre Kafi.

P.S.: Ich werde mir nicht die Zeit nehmen, Ihnen zu erklären, wie sich Kafi richtig ausspricht. Das sind Sie mir nach dieser Frage nicht wert.

Fragen an Frau Freitag? ​ 

Hier stellen!

Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

Haben Sie Artikel von FRAG FRAU FREITAG verpasst?
Sälber tschuld! 

Bild

Bild: Kafi Freitag

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wird von Apple als «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

FragFrauFreitag

Hoi Kafi. Wie bringt man ein Kind davon ab, Fluchwörter zu benutzen? Liebe Grüsse. Sandra, 30

Liebe Sandra  Oh Shit! Mit dieser Frage sind Sie bei mir nun tatsächlich an der falschen Adresse, bin ich doch eine grosse Liebhaberin des gepflegten Fluchens. Ich finde es eine wunderbare Ausdrucksform und ich mag den besonderen Singsang, wenn Anderssprachige es tun. Vor ein paar Monaten sass ich während etwa sechs Stunden bei einer brasilianischen Extension-Expertin (ein Hochzeitsgeschenk, den Roboterstaubsauger hatte ich drum bereits) und hatte die Gelegenheit, vielen Gesprächen zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel