Ein «Date» mit viel heissem Wasser
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Nach 21 Jahren treffen wir uns in der Basler Altstadt, als wären wir Nachbarn. Sind wir nicht, aber wir waren zu Studienzeiten mal ein Päärli – eines dieser Nervigen, das durch die Uni läuft, als würde es zusammenkleben.
Es folgt eine euphorische Einladung zum Znacht. Wie sich zeigt, ist er immer noch der Monsieur Energie.
Auftritt: Monsieur Energie
Monsieur Energie: Und so stolpere ich in diesen Blog. Eigentlich ungeplant, eigentlich ohne Zeit. Denn meine 42 Jahre, zwei Teenager zu Hause und ein Job als Jugendsozialarbeiter haben den enthusiastischen Monsieur Energie von früher konsequent auf Sparflamme gestellt.
Doch jetzt steht sie plötzlich face to face vor mir, meine frühere Madame Energie. Die Einladung zum Abendessen rutscht mir fast zu leicht über die Lippen. Wie geht’s? Was läuft?
Ich werde es erfahren. Nächsten Dienstag wagt sie sich hinaus aus der Stadt – zu mir in die Einfamilienhaushälfte.
Es folgt die Neverending-Dusche
An jenem Dienstag nimmt der Abend eine plötzliche Wendung. Eigentlich wollen wir bei Pasta und Wein in Monsieur E.’s Agglo-Bleibe in alten Zeiten schwelgen. Doch nach der Neverending-Dusche seiner Teenie-Tochter (es waren ohne Witz etwa 15 oder 20 Minuten) ist unser Nostalgie-Schwatz vorbei.
Dicke Luft breitet sich aus
Mir wär's gar nicht aufgefallen, aber jetzt ist ein bitz dicke Luft im Raum und eine leichte Röte im Gesicht meines Ex. Ich weiss nicht recht ob aus Ärger, Scham oder Verzweiflung.
Monsieur Energie: Das läuft jetzt nicht ganz so, wie geplant. Die Fenchel-Ricotta-Paccheri stehen zwar im Ofen, der Natur-Pinot ist temperiert – aber im Badezimmer plätschert es seit gut zwanzig Minuten ohne Unterbruch. Mit Sicherheit auch nicht zu überhören für Madame Energie, die mich vor 25 Jahren noch «Hopp, hopp, hopp – Atomkraft stopp» predigen gehört hat. Und nun fliesst bei Familie Energie 2026 der Strom via Boiler literweise in den Abfluss.
Diskussionen über Duschzeiten enden bei uns zuverlässig im Familienfrieden-Notstand. Madame Energie schaut mich an. Sagt nichts. Aber ich weiss genau, was sie denkt.
Energiesparen mit Teenies?
Ob sie wohl noch etwas heisses Wasser übriggelassen hat, frage ich mich insgeheim und im selben Augenblick fällt mir einmal mehr auf, dass es für Eltern gar nicht so einfach ist, Teenies zum Energiesparen zu motivieren.
«Eine Freundin von mir hat sogar mal einen Familien-Duschplan aufgestellt», erzähl ich ihm und nehme einen grossen Schluck Wein. «Wer sich nicht daran gehalten hat, musste in derselben Woche die Dusche putzen oder ein anderes Putzämtli übernehmen.»
Danke für nichts!
Monsieur Energie: Familien-Duschpläne? Kenne ich. Etwa so wirkungsvoll wie Neujahrsvorsätze. Kosten viel Nerven, sparen aber kein Warmwasser. «Ja doch, das könnten wir mal versuchen», antworte ich zaghaft und bemühe mich, nicht zynisch zu klingen. Es ist schlicht einfacher, wenn man nicht alles ständig aushandeln muss.
In diesem Moment steckt die Teenagerin ihre nassen Haare zur Tür herein: «Redet Ihr von mir?», fragt sie fröhlich. Normalerweise ist sie mir gegenüber deutlich wortkarger.
Madame Energie nimmt den Ball sofort auf: «Bei uns zuhause gilt: Wer länger als zehn Minuten duscht, zahlt den nächsten Wein.»
Lieber eine Sparbrause statt Wein
OMG, hab ich gerade einer Teenagerin gesagt, dass sie Alkohol kaufen muss, wenn sie zu lange duscht? Und wer bin ich überhaupt, dass ich mich hier einmische? Jetzt werde ich selber rot. «Ich war auch immer eine Langduscherin», gestehe ich den beiden. «Mein jetziger Partner hat mir in der zweiten Staffel Madam E. eine Sparbrause organisiert. Und seit ich als M. E. unterwegs bin, hab ich mir die 4-Minuten-Dusche mithilfe von Dusch-Song-Playlists angewöhnt.»
Monsieur Energie: Oha. Wenn es offenbar möglich ist, aus Madame Energie eine 4-Minuten-Duscherin mit Sparbrause zu machen, dann sollte das mit der eigenen Tochter eigentlich auch klappen. Vielleicht wird sie sich irgendwann erinnern – nicht an den Duschplan oder den Wein, sondern daran, dass Warmwasser nicht unendlich ist. Ich nehme mir vor, dranzubleiben.
