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Es kommt immer wieder vor, dass uns Fahrer von ihren ausserehelichen Affären erzählen (Symbolbild). bild: thomas schlittler

Per Autostopp um die Welt

So unverfroren prahlen unsere Fahrer mit ihren Seitensprüngen und Zweitfamilien

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Ronaldo, dessen richtigen Namen ich für mich behalte, ist ein lustiger Zeitgenosse. Er bringt meine Freundin Lea und mich ständig zum Lachen, als wir bei ihm im Lastwagen sitzen. Zudem zeigt uns der brasilianische Familienvater auf seinem Smartphone Fotos von seinen kleinen, herzigen Kindern und seiner Ehefrau. Und dann, gleich anschliessend, hält er uns ein Bild vor die Nase von einer anderen, offensichtlich viel jüngeren Frau. «Das ist meine Freundin», sagt Ronaldo stolz und strahlt dabei übers ganze Gesicht.

Lea und ich wissen nicht, wie wir reagieren sollen. Der plötzliche, unerwartete Wechsel von Familienglück zu Fremdgeh-Geständnis überfordert uns. Als die Fahrt mit Ronaldo zu Ende ist, sagt Lea frustriert: «Ach man, ich werde auf dieser Reise völlig desillusioniert!»

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Mich überrascht dabei nicht die Tatsache, dass fremdgegangen wird, sondern wie offen und hemmungslos einige Fahrer davon erzählen (Symbolbild). bild: thomas schlittler

Ronaldo ist längst nicht der erste unserer Fahrer, der ungefragt mit seinen ausserehelichen Bettgeschichten prahlt. Mich überrascht dabei nicht die Tatsache, dass fremdgegangen wird, sondern wie gross das Bedürfnis einiger Fahrer ist, uns alle Details ihrer Affären stolz zu präsentieren. Teilweise scheinen sie fast darauf gewartet zu haben, mit Wildfremden über ihre Untreue zu sprechen.

Zu Beginn meiner Autostopp-Weltreise war ich auf dem Balkan unterwegs. Da sass ich eines Tages bei einem Familienvater im Auto, der gerade auf dem Weg war zu einem Seitensprung. Als wir ankamen, trank er noch gemütlich einen Kaffee mit mir, um auf sein Blind-Date zu warten. Als die unbekannte Dame dann aus ihrem Auto stieg, konnte er seine Enttäuschung allerdings nicht verbergen. «Scheisse», sagte er leise. Die Frau hatte auf der Dating-Plattform im Internet offenbar viel besser ausgesehen als in natura. Das entgeisterte Gesicht meines Fahrers werde ich nie mehr vergessen. Ich konnte mir nur knapp ein Grinsen verkneifen.

Die Route der 112. Woche um die Welt:

Vor einigen Wochen in Brasilien haben wir aber eine Fremdgeh-Geschichte gehört, bei der uns ganz und gar nicht mehr zum Lachen zumute war: Marcelo, der in Wirklichkeit natürlich auch anders heisst, ist nicht nur fremdgegangen, sondern hat gar eine zweite Familie gegründet. Neben den drei Kindern in Brasilien hat er einen 16-jährigen Sohn in Frankreich. «Meine Frau und die Kinder in Brasilien wissen davon aber nichts. Und sie dürfen es auch nie erfahren!»

Passiert ist das Ganze, als Marcelo um die Jahrtausendwende für ein paar Jahre in Europa gearbeitet hat. Er lernte eine Französin kennen, die unbedingt ein Kind von ihm wollte. Er willigte ein. Wieso, verstehen wir wegen unserer mangelnden Portugiesisch-Kenntnisse nicht. Ein Grund schien zu sein, dass er hoffte, durch das Kind einfacher an den französischen Pass zu kommen. Das hat er mittlerweile geschafft.

Die Bilder der Woche:

Marcelo scheint mit der Situation ganz gut zurechtzukommen: «Ich habe via Facebook fast wöchentlich Kontakt mit meinem Sohn. Er weiss, dass ich hier in Brasilien eine Familie habe.» Was der Teenager über die ungewöhnliche Familiensituation denkt, sagt uns Marcelo nicht. Zumindest finanziell dürfte der Junge aber nicht zu kurz kommen. Marcelo: «Die Mutter kommt aus einer reichen Familie und hat viel Geld. Sie erwartet keine Unterstützung von mir.»

Der Brasilianer erzählt das Ganze, als sei es die normalste Sache der Welt. Wir können das nicht nachvollziehen und wollen wissen: «Aber wie machst du das? Ist es nicht sehr kompliziert, so zu leben und das alles geheim zu halten?» Marcelo schüttelt den Kopf: «Nein, man gewöhnt sich daran. Und da ich als Lastwagenfahrer arbeite, bin ich sehr viel unterwegs.»

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Salvador. Bild: Thomas Schlittler

Wir sind perplex, halten uns Marcelo gegenüber aber zurück mit einem Urteil – genau gleich wie bei allen anderen Ehebrechern. Als Tramper sind wir schliesslich Gäste und es ist nicht unsere Aufgabe, Moralapostel zu spielen. Eine Frage erlaube ich mir aber jeweils: «Denkst du, dass deine Frau auch fremdgeht?» Die Antwort kommt bei allen Männern wie aus der Pistole geschossen: «Nein, nie im Leben

Bei diesem überzeugten Nein muss ich immer schmunzeln. Denn schliesslich gibt es auf der Welt ungefähr gleich viele Männer wie Frauen. Und zum Sex braucht es bekanntlich zwei. Entweder müssen einige wenige Frauen also mit ganz vielen verschiedenen Männern ins Bett steigen, oder aber die Weiblein gehen etwa gleich oft fremd wie die Männlein.

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