Ski-Boss Flatscher stärkt Odermatt den Rücken: «Für Aussenstehende schwer nachvollziehbar»
Es sind anstrengende zwei Wochen für Swiss-Ski-Alpin-Direktor Hans Flatscher. Da die olympischen Skirennen der Frauen und Männer nicht am gleichen Ort stattfinden, pendelt Flatscher regelmässig zwischen Cortina d'Ampezzo und Bormio hin und her.
In Bormio lief es eindeutig besser für die Schweizer. Fünfmal konnten sich die Swiss-Ski-Athleten über eine Medaille freuen. Jedes Rennen entschied Franjo von Allmen für sich. Nach der Abfahrt gewann der Berner Oberländer in der Team-Kombination mit Tanguy Nef und zwei Tage später noch den Super-G.
«Ich denke, seine Bodenständigkeit hilft ihm. Seine Herkunft, sein Umfeld, seine Freunde und Rückzugsorte – all das gibt ihm Halt», erklärte Flatscher im Interview mit der Nachrichtenagentur SDA auf die Frage, wie von Allmen mit dem ganzen Ruhm umgehen wird. Er führte weiter aus: «Er wird fast überall erkannt werden. Das kann manchmal anstrengend sein. Aber ich bin überzeugt, dass er damit sehr gut umgehen wird.»
Odermatt erneut Gold-Favorit
Eine Spur weniger erfolgreich verlaufen die Olympischen Spiele in diesem Jahr für Marco Odermatt – dies, obwohl der Nidwaldner sich bereits über zwei Medaillen freuen durfte. «Vielleicht ist es für Aussenstehende schwer nachvollziehbar, warum jemand mit Medaillen nicht ganz zufrieden ist. Aber genau diese Haltung macht ihn aus. Wenn er nicht so ehrgeizig wäre, hätte er nicht so viel gewonnen», sagt Flatscher über den Gesamtweltcupsieger, welcher zum Teil einen enttäuschten Eindruck machte.
Flatscher sieht es auch als Stärke, dass sich «Odi» jeweils kurz ärgert und sehr hart zu sich selbst ist, aber dann auch gleich wieder loslassen kann und sich auf die nächste Aufgabe konzentriert. Am Samstag ist Odermatt im Riesenslalom (10.00 und 13.30 Uhr) der ganz grosse Favorit auf die Goldmedaille. Vor vier Jahren in Peking hatte er vor dem «Riesen» noch gar keine Medaille und gewann dann Gold.
Medaillentrumpf Camille Rast
Während es bei den Männern in jedem Rennen etwas zu bejubeln gab, gingen die Frauen bisher leer aus. Das beste Resultat ist aktuell ein sechster Platz in der Team-Kombination, herausgefahren von Jasmine Flury und Wendy Holdener. Die Hoffnungen in den kommenden Rennen liegen primär bei Camille Rast.
Die Waadtländerin gewann in dieser Saison bisher zwei Rennen und belegt im Gesamtweltcup den zweiten Platz. Im Riesenslalom und im Slalom gehört sie zu den Favoritinnen. Dass der Druck für die 26-Jährige zu hoch werden kann, denkt Flatscher nicht: «Eigentlich ist der Druck schon den ganzen Winter über da. Sie ist diejenige, die regelmässig Podestplätze einfährt. Das Gute ist: Sie hat mehrfach bewiesen, dass sie mental extrem stark ist.»
Neben Rast kann auch Holdener im Slalom auf eine Medaille hoffen. In der Team-Kombination setzte sie mit der zweitbesten Laufzeit ein erstes Ausrufezeichen.
Vor vier Jahren in Peking gewannen die Alpinen fünf Goldmedaillen. Auf eine Prognose, ob diese Marke in diesem Jahr eingestellt wird, lässt sich Flatscher nicht ein. Er sagt aber: «Die Chance lebt. Bei den Männern stehen wir aktuell unglaublich gut da. Und auch bei den Frauen ist es so, dass die Disziplinen, in denen wir unsere grössten Stärken haben, erst noch kommen.» (riz)
