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Legt uns Gott oder die Migros die Eier ins Osternest?

Pieter Bruegel der Aeltere Schlaraffenland WikiCommons
Das Schlaraffenland als Sinnbild für die Belohnung Gottes im berühmten Bild von Pieter Bruegel.Bild: WikiCommons
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Legt uns Gott oder die Migros die Eier ins Osternest?

Der Glaube ans Wohlstandsevangelium oder ans positive Denken führt uns aufs geistige Glatteis.
15.04.2017, 12:0817.09.2019, 15:20

Wir Menschen sind clevere Wesen, ohne Zweifel. Wo ein Vorteil lauert, greifen wir meist mit fester Hand zu. Wir nutzen alle Tricks und Instrumente, um Wohlsein und Wohlstand zu optimieren. Auch Glauben, Religion und Spiritualität gehören zum Repertoire.

Zwei Beispiele: Die Ideologie des positiven Denkens nach Joseph Murphy erklärt, alles sei Energie, auch die Materie. Und diese Energie lasse sich mit unserem Geist beeinflussen.

Wenn wir unser Bankkonto geistig «füttern» und jeden Abend vor dem Einschlafen visualisieren, wächst es zwangsläufig, oder?

Konkret, wenn wir unser Bankkonto geistig «füttern» und jeden Abend vor dem Einschlafen visualisieren, wächst es zwangsläufig, behauptet Murphy. Ohne auch nur den kleinsten Beitrag per E-Banking zu überweisen. Ein esoterisches Wunder der höheren (oder gröberen) Art.

Doch nicht nur Esoteriker glauben an das Wunder der mysteriösen Vermehrung materieller Güter durch den (Aber-)Glauben, sondern auch Evangelikale in Freikirchen. Dafür haben sie einen schönen Begriff kreiert, den selbst Pastoren verwenden: Wohlstandsevangelium.

Belohnt Gott die frommen Gläubigen wirklich?

Wie dies? Ganz einfach. Gott belohnt die frommen Gläubigen und edlen Spender, die monatlich den zehnten Teil ihres Einkommens in den Opferstock werfen, mit materiellem Reichtum. Wie das pekuniäre Perpetuum mobile konkret funktioniert, konnte mir leider noch kein Gläubiger verraten.

Die wahrscheinlichste und nachhaltigste Möglichkeit ist sicher eine Gehaltserhöhung. Doch diese kommt nachweislich nicht von Gott, sondern vom Chef.

Nun kann man natürlich argumentieren, Gott habe den Boss beeinflusst. Oder ihm eingeflüstert, seinem frommen Sohn den Lohn aufzustocken. Pech nur, wenn der Arbeitskollege, ein unverbesserlicher Atheist, eine höhere Lohnaufbesserung bekommt, weil seine Leistung besser war.

Flucht in den Aberglauben

Wir Menschen lügen uns gern in die Westentasche, weil es das Jammertal erheblich angenehmer gestaltet. Dabei nehmen wir oft auch Glauben und Gott zu Hilfe, die wir für unsere irdischen Bedürfnisse instrumentalisieren.

Wenn wir aber bei dieser Selbsttäuschung auch den letzten Rest an Vernunft und Verstand im Meer des Aberglaubens versenken, dann belügen wir uns nicht nur, sondern engen unser Bewusstsein in einer gefährlichen Weise ein. Dann drohen Wahrnehmungsverschiebung, Realitätsverlust und eine geistige und emotionale Regression, die uns zurück in unsere Pubertät katapultieren.

Schliesslich glauben wir auch nicht, dass uns Gottes Osterhase die Eier ins Nest legt.

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Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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Wie ein Buchrücken mich daran erinnert, wo ich nie mehr hin will
Die alltägliche Physik des Unglücks.
Das Schwierige beim Ausmisten sind ja immer die Gefühle und Erinnerungen, die an den Sachen haften, von denen man sich trennen soll. In meinem Leben sind die Folgen dieses Umstands nicht nur ein Bestand von aktuell 26 (!?) Pullis, sondern auch zwei proppenvolle Bücherregale, deren Inhalte ich bei jedem Umzug aufs Neue verfluche. Und doch behalte ich sie alle: die Französischromane, die wir in der Schule lesen mussten und die mir aber so gut gefielen, dass sie mich über alle elf Wohnungswechsel meines Lebens begleitet haben, Bücher voller Eselsohren und Notizen, die ich liebte zu lesen, und solche, von denen ich glaube, sie noch lieben zu werden. Aber auch ein paar Klopper, bei denen mich einfach Titel oder Cover überzeugten oder von denen ich denke, sie machen sich besonders gut in einem wohl sortierten Bücherregal (niemand hat doch jede Seite von Ulysses gelesen?).
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