Fiat liebt subtile Anspielungen auf seine ruhmreiche Vergangenheit, besonders wenn es darum geht, in den eigenen Archiven zu stöbern. Nachdem die italienische Marke lange Zeit auf den Sympathiebonus des 500 gesetzt hatte, beschloss sie nun, eine andere Legende des Hauses in Angriff zu nehmen: den Panda. Nur dass er 2025 unter einem neuen Namen – Grande Panda – und in einer neuen Form zurückkehrt. Moderner, grösser, aber ohne den ursprünglichen Geist zu verlieren.
Bei Fiat ist das Design Kult. Mit diesem Grande Panda setzt der italienische Autohersteller alle Häkchen für einen gelungenen Neo-Retro-Wagen. Die kubische Silhouette, die geraden Linien und der Nutzfahrzeugcharakter des Panda von 1980 sind sofort erkennbar. Der Name «Panda», der stolz an der Unterseite der Türen eingegossen ist, lässt keinen Raum für Zweifel. Es handelt sich nicht um ein schüchternes Revival, sondern um eine echte zeitgenössische Neuinterpretation.
Das Gesamtdesign erinnert fast an ein Konzeptfahrzeug. Das ist kein Zufall: Die Pixel-Scheinwerfer an der Vorderseite, die klare Grafik und die ausgeprägten Volumen sind Ausdruck des Bestrebens, ein Auto zu schaffen, das Aufmerksamkeit erregt, einen hohen Wiedererkennungswert hat, aber auch originell ist. Die Linien des Grande Panda stammen von François Leboine, einem ehemaligen Renault-Mitarbeiter, der den neuen Renault 5 entworfen hat. Und auch wenn Giugiaro die Stifte nicht mehr in der Hand hat, schweben die Geister des Maestros und des ursprünglichen Panda noch immer über Leboines Zeichenbrett.
Auch ein paar ausgeklügelte Details sind erkennbar: Das Fiat-Logo ist je nach Blickwinkel auf die Seiten in einer Druckschrift- oder einer Vintage-Version zu sehen. Und das wirklich gelungene Heck treibt den futuristischen Stil noch weiter voran. Mit einer Länge von 3,99 Metern macht der Grande Panda seinem Namen alle Ehre: Er ist zwar gewachsen, aber immer noch kompakt genug, um in der Stadt überall durchzukommen.
Schon beim Öffnen der Tür wird klar, dass sich Fiat bei den Funktionen nicht lumpen lassen wollte. Der Innenraum setzt auf lässige Originalität, wobei auch hier Elemente zu finden sind, die fest in der DNA der Marke verankert sind. Das Armaturenbrett ist der elliptischen Form der Teststrecke auf dem Dach des Lingotto-Werks, der legendären Fiat-Fabrik im Herzen von Turin, nachempfunden.
Die Topversion «La Prima», die wir getestet haben, schmückt sich auf der Beifahrerseite mit einem Einsatz aus Bambusfasern – der Lieblingsspeise des (echten) Pandas. Lustig, eicht und bereit, Geschichten zu erzählen, sogar bei den Materialien. Um diesen dekorativen Teil und zwei Handschuhfächer zu integrieren, wurde der Airbag ins Dach verlegt. Genial und gut durchdacht.
Ja, nicht alles ist perfekt: Die Kunststoffe, insbesondere die der Türverkleidungen, sind nicht besonders hochwertig. Ihre dünne Textur scheint anfällig für Kratzer zu sein und man merkt, dass der Schwerpunkt nicht auf der Haptik lag.
Das stimmige Gesamtbild, die farbenfrohe Atmosphäre, die einladenden Sitzplätze und die Anordnung der Bildschirme verleihen dem Interieur jedoch eine echte Persönlichkeit. Dabei bleibt alles ergonomisch, einfach, warm und spielerisch.
Der Kofferraum bietet 361 Liter, was angesichts der Grösse des Fahrzeugs eine echte Überraschung ist. Im Gegensatz dazu ist die Beinfreiheit im Fond eher knapp bemessen. Fiat hat offensichtlich eine bewusste Entscheidung zwischen Ladevolumen und Raumangebot getroffen. Es ist ein Kompromiss, der aber mit der Philosophie des Autos übereinstimmt.
Der elektrische Grande Panda verfügt über einen Motor mit 113 PS und 122 Nm Drehmoment. Er ist weit entfernt von den GTI-Standards, entspricht aber voll und ganz seiner Bestimmung als elektrisches Stadtauto. Er beschleunigt langsam, aber stetig, ohne ruckartige oder brutale Bewegungen. Perfekt zum Manövrieren, Einparken und für das Fahren in der Innenstadt. Zumal die Batterien im Boden den Schwerpunkt senken und für eine schöne Stabilität sorgen.
Die 44-kWh-Batterie würde eine WLTP-Reichweite von bis zu 320 km ermöglichen. Im realen Stadtverkehr sollte man eher mit 250 km rechnen, was für den täglichen Gebrauch immer noch sehr ordentlich ist. Zum Aufladen bietet der Grande Panda ein geniales, in den Kühlergrill integriertes Spiralkabel für Wechselstrom. Ansonsten frisst er bis zu 100 kW Leistung an Schnellladestationen und kann optional mit einem 11-kW-Bordladegerät ausgestattet werden.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in über 10 Sekunden ist der Grande Panda natürlich nicht darauf aus, Rekorde zu brechen. Das Fahrzeug liegt nicht nur in der Stadt, sondern auch auf den abwechslungsreichen Landstrassen rund um Turin gut auf der Strasse. In schnellen und teils engen Kurven bleibt er solide, berechenbar und kontrollierbar. Die über die Taste «C» einstellbare Motorbremse hätte vielleicht eine aussagekräftigere Bezeichnung wie «B» für «Brake» verdient, aber das System funktioniert gut und ermöglicht in vielen Situationen ein Fahren fast mit nur einem Pedal.
Der Komfort ist gut, die Federung ist gut eingestellt, um Unregelmässigkeiten im Asphalt auszugleichen, und die Rückmeldungen des Lenkrads werden direkt und präzise herausgefiltert. Er ist ein komfortabler Stadtwagen, ohne schwerfällig zu sein, mit guten Voraussetzungen für alle möglichen Fahrten.
Mit einem Preis von 24 990 Franken für die Elektroversion gehört der Grande Panda zu den erschwinglichen Elektro-Stadtautos. Eine Mild-Hybrid-Version mit 100 PS steht ebenfalls im Katalog, ab 18 990 Franken, für diejenigen, die einen Fuss in der Tür des Verbrennungsmotors behalten wollen, ohne sich zu ruinieren. Und Fiat hat bereits angedeutet, dass es bald eine Version mit Allradantrieb geben wird – ein Panda steht schliesslich auch für Freiheit.
Fiat setzt auf Emotionen, das kollektive Gedächtnis und ein starkes Design und schafft es damit, die Einfachheit wieder in Mode zu bringen, ohne sie durch den Kakao zu ziehen. Der Grande Panda geht über seine Funktion als pfiffiger Kleinwagen hinaus, er ist ein echtes Statement für die Zukunft.