Dieses französische Elektroauto beeindruckt mit seiner Reichweite
Wir durften den DS N°8 im letzten Jahr in seiner leistungsstärksten Version mit 350 PS und Allradantrieb kennenlernen und hatten dabei das Gefühl, uns in einem hervorragend gedämpften Kokon fortzubewegen – absolut ruhig, extrem komfortabel, sehr leistungsstark und mit solider Verarbeitung.
Setzt man sich heute hinter das Steuer einer Long-Range-Version mit Frontantrieb und 245 PS, ist der Eindruck ein etwas anderer, auch wenn der Charakter ganz klar derselbe ist. Weniger auffällig, gelassener und ohne dabei schwerfällig zu wirken, setzt diese Version definitiv einen anderen Schwerpunkt: die Reichweite. Und hier nennt DS einen beeindruckenden Wert: ganze 750 km nach WLTP.
Schön und gut, aber …
Rein optisch ist kaum ein Unterschied zwischen der Version mit Frontantrieb und der Allradvariante zu erkennen. Der DS N°8 präsentiert sich in beiden Ausprägungen mit einem eigenwilligen, durchaus polarisierenden Stil, den er jedoch mit grossem Selbstbewusstsein vertritt – ein Design, das nicht die breite Masse überzeugen will, sondern über seinen charaktervollen Auftritt hinaus auch der Effizienz dient.
Das Ambiente im Innenraum bleibt ein echtes Markenzeichen, mit einer besonderen Mischung aus Originalität und hochwertigen Materialien, angefangen bei einem Leder, das erfreulicherweise tatsächlich nach Leder riecht. Ein Detail, das heutzutage fast schon selten geworden ist.
Nach mehrtägiger Nutzung enttäuscht das Multimediasystem durch seine lange Einschaltdauer, eingeschränkte Funktionalität und Probleme mit der Apple CarPlay-Verbindung, die man in diesem Segment nicht erwarten würde.
Wie gross ist die Reichweite tatsächlich?
Auf der Strasse zeigt der DS N°8 Long Range erst wirklich, was in ihm steckt, vor allem wenn man die Herstellerangaben mit der Praxis vergleicht. Auf einer Teststrecke von rund 150 km, die Kantonsstrassen, Stadtfahrten und Autobahnfahrten umfasste, verbrauchte der Stromer bei durchschnittlichen 60 km/h und trotz kühler Temperaturen 16,4 kWh/100 km. Für einen SUV dieser Grösse ist das Ergebnis sehr überzeugend und lässt eine reelle Reichweite von rund 600 km erwarten.
Auf den 1700 km, die wir während der Testphase zurückgelegten – unter Ausschöpfung aller Leistungsreserven des Fahrzeugs und ohne besonders energiesparend zu fahren – lag der Durchschnittsverbrauch bei 19,3 kWh/100 km, was einer durchschnittlichen Reichweite von 500 km pro Batterieladung entspricht. Die vom Hersteller angegebenen 750 km wurden zwar nicht erreicht, doch unter realistischen Bedingungen erweist sich der DS dennoch als äusserst sparsam, und seine Batterie mit einer Nettokapazität von 97,2 kWh ist gut dimensioniert.
Und auf der Autobahn?
Der Autobahn-Test, der für Elektroautos gemeinhin eine grosse Herausforderung darstellt, liess angesichts des Fahrzeuggewichts von 2,3 Tonnen, der Winterbereifung und der niedrigen Temperaturen einen deutlich höheren Verbrauch vermuten. Doch auch hier wurden wir überrascht. Bei konstanter (gesetzlicher Höchst-)Geschwindigkeit, mit Tempomat und im Normalmodus verbrauchte der DS N°8 20,1 kWh/100 km – ein bemerkenswert niedriger Wert für diese Klasse, in der einige Konkurrenten leicht 25 oder sogar 28 kWh/100 km überschreiten.
Dieses Ergebnis lässt sich vor allem auf die ausgefeilte Aerodynamik zurückführen, die dem Design zugrunde liegt: eine straffe Linienführung, aktive Elemente in der Frontschürze und ein stromlinienförmiges Heck. Damit lässt sich die Strecke zwischen der Region Freiburg und Zürich hin und zurück – also etwa 360 km Autobahn – ohne Ladestopp bewältigen, und bei der Ankunft zeigt die Batterie sogar noch eine komfortable Restreichweite an. Mit dieser Leistung können es nur wenige Langstrecken-Stromer aufnehmen.
Wie geschaffen für Reisen
Was den Komfort angeht, wird der DS N°8 den Erwartungen voll und ganz gerecht und gleicht dank seiner kameragesteuerten Federung Unebenheiten, insbesondere Bodenwellen, bemerkenswert gut aus. Dagegen sind Vertiefungen in der Fahrbahn deutlicher zu spüren, insbesondere im Fond, wo die Federung etwas härter reagiert.
In diesem Zusammenhang fällt das Fehlen einer Luftfederung besonders auf – in Anbetracht des Fahrzeugpreises, der aktuellen Wettbewerber (nicht nur aus China), die diese fast schon serienmässig anbieten, vor allem aber angesichts des langjährigen Know-hows in Sachen Komfort, über das die Marke verfügt und mit dem sie wirbt. Dennoch lässt das Gesamtpaket wenig Wünsche offen, was auch der hervorragenden Geräuschdämmung und den gerade auf langen Strecken sehr bequemen Sitzen zu verdanken ist.
Und das Laden?
Was das Laden angeht, setzt DS auf ein klassisches 400-V-System, während sich bei Premium-SUVs zunehmend 800 V durchsetzen. Auf dem Papier sieht das etwas mager aus, aber in der Praxis liegt der DS N°8 mit einer maximalen Ladeleistung von 160 kW im Mittelfeld: In 25 bis 30 Minuten wird die Batterie von 20 auf 80 % geladen.
Das ist zwar nicht spektakulär, reicht aber für den Alltagsgebrauch aus, auch wenn die Ladeleistung beim langsameren Laden unterhalb von 80 % und – zwangsläufig – zwischen 80 und 100 % recht schnell abfällt. Die manuelle oder automatische Vorkonditionierung der Batterie mithilfe des Routenplaners trägt dazu bei, die Standzeiten zu optimieren. Dennoch ist in Zukunft mit einer Weiterentwicklung im Bereich des Ladens zu rechnen, zumal der Stellantis-Konzern die 800-V-Technologie bereits bei anderen Marken einsetzt.
Letztendlich erweist er sich damit als die stimmigste Variante der Modellreihe. Weniger spektakulär als die Allradvariante, aber besser auf den Alltag abgestimmt, überzeugt dieses Modell durch bemerkenswerte Effizienz und die Fähigkeit, mühelos Strecke zu machen.
Einzig das Multimediasystem und die Ladetechnik müssen noch modernisiert werden, damit der DS N°8 zu den Premium-Modellen aufschliessen und sich in seinem Segment als neues Flaggschiff etablieren kann. Mit einem Preis ab 61 000 Franken präsentiert er eine realistische und einzigartige Vision französischer Elektromobilität der Oberklasse – eine Vision, bei der Komfort, Laufruhe und Reichweite letztlich mehr zählen als blosse Werbebotschaften.
