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Wollen mit «Mister Loo» zum Starbucks der WC-Anbieter in Asien werden. Dominik Schuler und Andreas Wanner.
Wollen mit «Mister Loo» zum Starbucks der WC-Anbieter in Asien werden. Dominik Schuler und Andreas Wanner.Bild: flavia Korner, FH SCHWEIZ
Work in progress

Zwei Schweizer Ex-Investmentbanker mischen den WC-Markt auf – und erobern Asien

Andreas Wanner und Dominik Schuler kennen sich noch aus Zeiten als junge Investmentbanker. Doch ein negatives Reiseerlebnis brachte sie auf eine neue Geschäftsidee. In Thailand. Mit Toiletten. Eine Erfolgsgeschichte.
04.02.2022, 10:2605.02.2022, 16:03
Guy Studer
Guy Studer
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Dies ist eine Geschichte von zwei jungen Investmentbankern, die ihren Arbeitgebern den Rücken kehrten, um ihr eigenes Startup zu gründen. Mit dem Unterschied, dass Andreas Wanner (38) und Dominik Schuler (40) nicht in eine naheliegende Branche eingestiegen sind, wie etwa Fintech oder Consulting. Vielmehr bauen und betreiben sie öffentliche Toilettenanlgen in Südostasien.

Andreas Wanner und Dominik Schuler vor einem ihrer WCs.
Andreas Wanner und Dominik Schuler vor einem ihrer WCs.Bild: zvg

Eine Idee, auf die Andreas Wanner während einer Reise in Thailand kam. Heute beschäftigen sie über hundert Angestellte in vier Ländern. Ihr Geschäft umfasst 50 Standorte mit über einer halben Million Besuchern monatlich. Sie sind an öffentlichen Orten präsent, etwa an Lebensmittelmärkten, Busbahnhöfen, öffentlichen Plätzen oder Einkaufscentern.

Was hat bei euch den Ausschlag gegeben, einen gutbezahlten, sicheren Job gegen ein Startup-Projekt am anderen Ende der Welt zu tauschen?
Andreas: Wir haben als Investmentbanker viel gelernt, das wollen wir nicht missen. Doch in grossen Unternehmen fehlt heute oft der Unternehmergeist. Es wird zwar viel davon gesprochen, aber die Wahrheit sieht meist anders aus. Wir wollten unsere eigenen Entscheidungen treffen, etwas Eigenes umsetzen. Da muss man auch bereit sein, Risiken in Kauf zu nehmen. Auch das ist in den grossen Firmen etwas abhandengekommen.

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Die Beiträge dieses Blogs stammen vom Dachverband der Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen (FH Schweiz). Darin geht es um Arbeit, Karriere sowie Aus- und Weiterbildung. Es handelt sich nicht um bezahlten Content. (red)

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Toiletten in Südostasien zu bauen?
Andreas: Ich war auf einer Reise in Thailand und musste auch an touristischen Orten nach halbwegs sauberen WC-Anlagen Ausschau halten. Ich dachte, das kann man besser machen. Ich teilte die Idee mit Dominik und wir machten uns an das Konzept. Ich arbeitete vorläufig noch weiter bei der Bank in Shanghai, um unser Startkapital nicht gleich zu verbrennen, während Dominik die Bank verliess und in Thailand das Projekt vorantrieb. Als es konkret wurde, kündigte auch ich und stieg voll mit ein. 2015 gründeten wir schliesslich Mister Loo.

«Wir wollten unsere eigenen Entscheidungen treffen, etwas Eigenes umsetzen. Da muss man auch bereit sein, Risiken in Kauf zu nehmen.»
Andreas Wanner

Habt ihr mittlerweile Nachahmer?
Dominik: Wir sind ein sogenannter First Mover. Zwar sind auch hier in Asien grosse Facility-Management-Firmen tätig. Doch wir bieten als einzige die gesamte Wertschöpfung an. Das beginnt beim Design, geht über den Bau und die Finanzierung bis zum Betrieb. WC-Anlagen sind hier meist Kleinbetriebe, eine Familie zum Beispiel. Der Mann kassiert das Geld, im besten Fall putzt die Frau, oder manchmal auch gar niemand. Eine eigentliche Marke wie unsere, mit Qualitätsanspruch, ist hier neu.

Hat Corona geholfen oder geschadet?
Dominik: Für uns ist es ein zweischneidiges Schwert. Wir bezeichnen uns aber grundsätzlich als Covid-Gewinner. Insgesamt hat es bewirkt, dass die Menschen ein viel höheres Hygienebedürfnis haben. Ob Touristen oder Einheimische, sie suchen überall an öffentlichen Orten Hygiene und Sauberkeit. Da können wir natürlich punkten. Das hat uns eine Fülle an neuen Projektmöglichkeiten beschert.
Andreas: Das andere ist der Lockdown. Wir sind grossmehrheitlich auf die lokale Bevölkerung ausgerichtet. Und wenn niemand raus darf, wie aktuell immer noch in Vietnam, dann bricht unser Geschäft ein. Das war hart letzten Sommer. Doch sobald die Menschen wieder raus dürfen, gehen die Zahlen schlagartig hoch. Das ist das Schöne. Bei uns braucht es keine Anlaufzeit.

Wie finanziert ihr euer Unternehmen?
Dominik: Wie andere Gründer auch, haben wir unser ganzes Erspartes hingegeben, uns je zur Hälfte an der Gründung beteiligt. Um das Wachstum zu finanzieren mussten wir zusätzlich Investoren an Bord holen. Das sind professionelle Startup-Investoren, darunter auch teils grosse. Mittlerweile haben wir einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in Dollar aufgenommen. Wir sind aber nach wie vor zusammen Mehrheitseigner.

«Eine Toilette wie in Thailand oder bei uns, funktioniert in Indonesien nicht.»
Dominik Schuler

Wie schlagen sich eigentlich die kulturellen Unterschiede in der WC-Nutzung nieder?
Dominik: Das ist für uns eine sehr wichtige Frage! Auch wenn wir gewisse Unterschiede durch unsere vorherige Tätigkeit kennen, begleitet uns die Frage ständig. In Indonesien zum Beispiel: Das Land ist grösstenteils muslimisch. Hinter einem Gebetsraum ist jeweils ein grosser Raum zum Füsse waschen. In dieser Umgebung ergeben sich für uns Möglichkeiten. Und es zeigte sich: Eine Toilette wie in Thailand oder bei uns, funktioniert in Indonesien nicht. Dort muss sich ein Mann zuerst reinigen können, bevor er sich erleichtert. Es braucht also eine kleine Duschvorrichtung an jedem Urinal. Auch können in muslimischen Ländern nur Männer in diesen Räumlichkeiten putzen, auf keinen Fall Frauen.

Ihr plant nun den Markteintritt in Indien. Gleichzeitig arbeitet die Regierung dort selbst seit einigen Jahren an einem WC-Mammutprogramm und will möglichst jedem Haushalt Zugang zu einer Toilette verschaffen. Hat euer Vorhaben damit zu tun?
Dominik: Das Programm wurde tatsächlich vorangetrieben, auch wenn viel PR dabei ist. Und es sind gigantische Zahlen. Wir reden von 110 Millionen Toiletten! Für uns bietet das Chancen. Denn die Regierung hat festgestellt, dass die gebauten Toiletten auch betrieben werden müssen. Sie hat dazu aber weder Kenntnisse noch Ressourcen. Gleichzeitig steckt Indien gerade in einem grossen Privatisierungsprozess. In einem ersten Schritt können wir dort mit Partnern zusammenarbeiten, in einem zweiten Schritt allenfalls auch Anlagen übernehmen.

Wie sieht es mit Japan aus? Das Land der ausgefallenen WCs mit Duftnoten und Musik. Wäre das ein Markt für euch?
Andreas: Diese Frage stellt man uns immer wieder. Kurz gesagt: Japan ist für uns tabu, rote Zone. Hätten wir auf den japanischen Markt gezielt, gäbe es uns wohl nicht mehr. Dort gibt es bereits eine super Infrastruktur, Topqualität, auch bei Unterhalt und Sauberkeit. Ob von der Regierung oder von Privaten. Das Bewusstsein für Hygiene ist sehr ausgeprägt. Für uns wäre es also ganz schwierig.

«Unsere Reinigungskräfte werden über dem Mindestlohn bezahlt. Und auch das Management erhält gute Löhne.»
Dominik Schuler

Ihr sammelt in euren WCs auch Gesundheitsdaten der Benutzer. Wozu werden diese verwendet?
Dominik: Es gibt aktuell zwei Möglichkeiten, wie wir die Gesundheitsdaten anonymisiert erheben können, immer im Einverständnis mit dem Kunden und nur in speziell gekennzeichneten Gesundheitszimmern: Einerseits über die Health Kiosks, wo die Benutzer gegen eine Gebühr Gesundheitsdaten, wie zum Beispiel den Blutdruck oder das Gewicht, erheben können, und andererseits Smart Toilets, welche unter anderem auch Diabetes feststellen können. Beide Möglichkeiten sind wir aktuell am Testen. Diese Daten sammeln wir aber primär nicht für eigene Zwecke. Insbesondere die lokalen Gesundheitsbehörden haben grosses Interesse an diesen Auswertungen, um Gesundheitskampagnen zum Beispiel zur Bekämpfung von Diabetes zu starten. Wichtig ist: Wir erstellen keine Diagnosen, sondern erheben nur die Gesundheitsdaten.

Was verdienen eure Mitarbeitenden?
Dominik: Wir rekrutieren selber. Gerade auch die Putzkräfte sind uns sehr wichtig, da sie die ersten Mitarbeitenden sind, mit welchen der Kunde interagiert. Unsere Reinigungskräfte werden über dem Mindestlohn bezahlt. Und auch das Management erhält gute Löhne. Wir möchten auf allen Stufen Mitarbeitende, die sich mit uns identifizieren.

Ihr redet von euch als «Starbucks» der Toilettenanbieter in der Region. Gelungen?
Andreas: Das ist eine Vision. Und wir arbeiten darauf hin. Wir sind immerhin mit 50 Anlagen in vier Märkten tätig. Wir haben über 500'000 Besucher jeden Monat und einen starken Brand aufgebaut, den die Leute als Premium wahrnehmen. Wir sind also auf gutem Weg und überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen können.

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Leute, denen es auf der Arbeit offensichtlich langweilig war
quelle: reddit
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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Poopuliest
25.01.2022 15:53registriert August 2020
Wie ging das nur noch mit dem Spruch "Turn shit to gold"?
Gibt es da auch was zu lesen oder wenigstens ein bisschen entschlackenden Sound von ihm hier?
😂
Zwei Schweizer Ex-Investmentbanker mischen den WC-Markt auf –  und erobern Asien\nWie ging das nur noch mit dem Spruch "Turn shit to gold"?
Gibt es da auch was zu lesen oder wenigstens ein bisschen entschlackenden Sound von ihm hier?
😂
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El_Chorche
25.01.2022 14:30registriert März 2021
Leute, welche ihr Geld mit Toiletten verdienen, sind mir viel sympathischer als Investmentbanker
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