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Die heiss geliebte Handtasche der Autorin – oder: das Loch ohne Boden. Bild: yonni meyer

Yonnihof

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Frauetäsche – Wundertüte



Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, woher ich dieses Sprichwort habe. Frauetäsche – Wundertüte. Vielleicht sagte es meine Mutter manchmal. Oder ich habe es sonst irgendwo aufgeschnappt. 

Fakt 1 ist: Ich sage es relativ oft. 
Fakt 2 ist: Es stimmt. Zumindest bei allen Frauen, die ich kenne. 

Gestern war ich an der Comedy in der Zukunft und suchte während der Vorstellung im Halbdunkel nach meinem Labello (darüber könnte man übrigens eine ganz eigene Kolumne schreiben: Labello – Junge Frauen in der Abhängigkeit). Zuerst hob ich die Tasche nur vom Boden auf und wühlte blind darin herum. Hand in der Tasche, Blick konzentriert zur Decke gerichtet. Der Versuch blieb erfolglos. 

Also verdrehte ich die Augen, gab ein leises «Öch» von mir und hob die Tasche auf die Bar, zog sie weit auf und versuchte angestrengt, mithilfe meines Augenlichts den Labello zu finden. Kurzzeitig wähnte ich mich erfolgreich, nur um ein paar Millisekunden später zu realisieren, dass ich einen Tampon in der Hand hielt. Bravo. 

Ich nahm also mein Handy (das ich problemlos in den unendlichen Tiefen der Tasche erspüren konnte – das geht dann wieder) und zündete damit in die Abgründe meiner gesammelten Mitbringsel. 

Erkenntnis: Egal, wie gross eine Tasche ist, ich fülle sie. Immer. Mit Zeugs. Und so durchfuhr mich der Gedanke: What the f-Word schleppe ich da alles mit mir rum?! 

Da waren die erwähnten Tampons. Einmal, vor langer Zeit, als ich noch jung war, war ich im Besitz so eines kleinen Blechschächtelis, wo genau drei Tampons reinpassten und das mein Exfreund einmal mit einem Fisherman’s Friend Aufbewahrungsböxli verwechselte. Was mit dem Schächteli passiert ist, weiss ich nicht – die Tampons sind mittlerweile schächtelilos in einer Innentasche meiner Handtasche verstaut, wo sie dann irgendwann rausrugeln und man sie dann mit einem Labello verwechselt. Lässig. 

Dann ist da noch das eine oder andere lose Ricola (also die Verpackten, nicht die kubischen aus der Büchse, die ich persönlich viel leckerer finde, obwohl sie wahrscheinlich exakt gleich schmecken wie die einzeln verpackten). Es kam schon vor, dass sich ein Choitschgi oder ein Zältli aus seiner Verpackung löste und ich die betreffende Süssigkeit dann in einer Ecke der Tasche klebend wiederfand, nachdem sie sich in einen halbflüssigen Klumpen aus Zucker, Kautschuk, Staub und Haaren verwandelt hatte. Fein. 

Dann habe ich immer ein Buch dabei. Ein Taschen-Buch. Höhö. Wortspiel. Meine Taschen-Bücher schleppe ich meist ein paar Monate mit mir rum, lese jeweils im Zug ein paar Seiten, vergesse dann wieder, was ich das letzte Mal gelesen habe und irgendwann gebe ich auf und rede mir selber ein, dass das halt einfach Schund ist. Sorry an alle Taschen-Buch-Autoren. Euer Werk ist natürli kein Schund, meine Lesegewohnheiten jedoch schon. 

Eine ebenfalls schöne Nebenwirkung einer Handtasche ist die Tatsache, dass sich Kopfhörer und Schlüssel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innert vier Nanosekunden in ein Gebilde verwandeln, das Ähnlichkeit mit den Frisuren von Lady Gaga hat und das aussieht, als sei eine Wulle-Chrungele in den Mixer geraten. Super Beschäftigungstherapie für Menschen, die über so viel Geduld verfügen wie ich. Nämlich keine. 

Nastüechli sind da auch. Bzw. sind sie da, wenn jemand anders danach fragt, wenn man selber eins braucht, ist da nur diese leere Scheiss-Plastik-Hülle. Wer tauft eine Nastüechli-Marke eigentlich Tempo? Es gibt ja auch keine Autos, die «Schnüüz» heissen. Obwohl das echt cool wäre, wenn ich’s mir genau überlege. 

Item. 

Dann ist da mein Portemonnaie, eine Mini-Version Cerruti 1881, durchschnittlich 2,5 Haarchlämmerli und 8,2 Haargümmeli, die, genau wie die Nastüechli, nur da sind, wenn man sie nicht braucht oder wenn sie sich dem Schlüssel-Kopfhörer-Klumpen anschliessen können. 

Irgendwo gibt’s ein Haarchlämmerli-und-Gümmeli-Paralleluniversum. Da leben sie dann mit ganz vielen einzelnen Socken, Ohrring-Hinterteili, meinem Tampon-Blechschächteli und... Labellos. 

Den habe ich dann übrigens noch gefunden. In meiner Hosentasche. Bravo. 

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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