Ungeschlagen und dominant in den Statistiken – Schweizer Curler sind auf Medaillenkurs
Die USA mit 8:3 geschlagen, Tschechien beim 7:3-Sieg keine Chance gelassen, Kanada mit 9:5 vom Eis geputzt und auch in den knappen Spielen gegen China und Grossbritannien die Nerven behalten und gewonnen. Die Schweizer Curler Yannick Schwaller, Benoit Schwarz-van Berkel, Sven Michel und Pablo Lachat-Couchepin zeigen an den Olympischen Spielen bisher eine fantastische Leistung.
Die Schweizer sind als einziges Team noch ungeschlagen. Sie führen die Tabelle in der Round Robin aktuell vor Kanada und Grossbritannien an. Während die Kanadier einzig gegen die Schweiz verloren, patzten die Briten gegen Gastgeber Italien. Unter anderem weil im ersten End der letzte Stein komplett misslang und die Italiener vier Steine stehlen konnten.
Dominant in den Statistiken
Solche Fehler passieren den Schweizern aktuell kaum. Sie überzeugen mit konstant starken Leistungen und der besten Trefferquote in diesem Turnier. Kein Team nutzt den Vorteil des letzten Steines wie die Schweiz. Erst einmal mussten sich die Schweizer in diesen fünf Partien Steine stehlen lassen, konnten dafür gleich viermal punkten, wenn der Gegner den letzten Stein, auch Hammer genannt, hatte.
Auch bei der Force Efficiency kann keiner mit den Schweizern mithalten. In 78 Prozent der Fälle schaffen es Schwaller und Co., dass der Gegner höchstens einen Punkt schreiben kann, wenn die Schweiz nicht den Hammer hat. Halten die Mannen vom CC Genf dieses Niveau auch bis zu den Medaillenspielen, wird es sehr schwer, sie zu schlagen.
Michel überzeugt als Wischer
Auf den jeweiligen Positionen sind Fourth (spielt jeweils die letzten beiden Steine im End) Benoit Schwarz-van Berkel und Third Yannick Schwaller bisher die besten. Auch Lead Pablo Lachat-Couchepin überzeugt mit einer erfolgreichen Trefferquote von 92,9 Prozent. Einzig der US-Amerikaner Aidan Oldenburg hat eine noch höhere Quote. Sven Michel gehört bisher zwar nicht zu den Besten auf seiner Position, fällt aber keineswegs ab.
Besonders als Wischer überzeugt Michel. Dieser Job wird im Curling immer wichtiger. «Ich glaube nicht, dass du erfolgreich sein kannst ohne sehr gute Wischer. Das ist etwa so, wie wenn Michi Vogt im Bob einen Anschieber hat, der langsam ist. Dann ist er nicht kompetitiv», sagte Schwaller nach dem fünften Sieg.
Für den 37-jährigen Michel sind es bereits die dritten Olympischen Spiele. Bei der ersten Teilnahme 2014 war er noch Skip. Eine Medaille konnte Michel bisher aber nicht gewinnen. Anders als Schwarz, der vor acht Jahren zum Team gehörte, als die Schweiz in Pyeongchang die Bronzemedaille gewann.
Einen Sieg braucht es wohl noch
In der Round Robin treffen die Schweizer noch auf Schweden, Deutschland, Norwegen und Italien. Mit einem weiteren Sieg sollte das Halbfinal-Ticket sicher sein.
Skip Schwaller stemmt an den Olympischen Spielen ein richtiges Mammutprogramm. Bevor das Männer-Turnier startete, stand er bereits im Mixed-Wettbewerb im Einsatz, verpasste mit seiner Frau Briar Schwaller-Hürlimann aber die Medaillen. Umso beeindruckender ist es, dass der 30-Jährige aktuell so stark aufspielt. Auch nach dem Marathonspiel gegen Grossbritannien, das knapp drei Stunden dauerte, liess sich Schwaller nach dem Sieg im SRF-Interview nichts anmerken und sagte: «Es hat grossen Spass gemacht. Die drei Stunden Curling waren super.»
Am heutigen Montag haben die Schweizer frei, bevor es am Dienstag in die entscheidende Phase geht. Der angestrebte Halbfinal findet am Donnerstag statt. Seit 28 Jahren wartet die Schweiz im Curling auf eine Goldmedaille. 1998 in Nagano wurden die Schweizer mit Skip Patrick Hürlimann Olympiasieger. Hürlimann ist der Vater von Briar Schwaller-Hürlimann und somit der Schwiegervater von Yannick Schwaller.
Noch ohne Goldmedaille sind die Frauen. 2002 und 2006 erreichten die Schweizerinnen jeweils den Final, gingen aber jeweils als Verliererinnen vom Eis. Das diesjährige Quartett bestehend aus Silvana Tirinzoni, Alina Pätz, Carole Howald und Selina Witschonke startete mit drei Siegen und zwei Niederlagen in das Turnier.
