Brasilien
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The logo of German carmaker Volkswagen at a VW dealership in Hamburg, in this October 28, 2013 file photo. Germany's Volkswagen on July 31, 2014 said operating profit declined 3.1 percent in the second quarter as emerging-market volatility and the carmaker's weakening U.S. business weighed on earnings. REUTERS/Fabian Bimmer/Files (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS LOGO)

Hinter VW ziehen dunkle Wolken auf - ein düsteres Kapitel der Firmengeschichte VWs wird aufgeschlagen Bild: FABIAN BIMMER/REUTERS

Enthüllungen in Brasilien

VW spitzelte im Auftrag der Militärdiktatur

05.09.14, 17:40 05.09.14, 18:25

Der deutsche Autokonzern Volkswagen hat nach Reuters-Informationen in Brasilien in den 1980er Jahren die eigenen Mitarbeiter und Gewerkschafter bespitzelt und die gesammelten Daten an die Militärdiktatur weitergegeben. 

Überreicht wurden sensible Informationen über bevorstehende Lohnforderungen sowie Mitschriften von Gesprächen und Namen von Teilnehmern an Gewerkschaftsveranstaltungen, wie aus neu entdeckten Dokumenten hervorgeht, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.

Auch der damalige Gewerkschaftsführer Luiz Inacio Lula da Silva, der später Präsident Brasiliens wurde, war Opfer der Bespitzelung.

Luiz Inacio Lula da Silva (R), then Brazilian union leader, speaks in support of Argentine human rights activist Hebe de Bonafini (C) and the Mothers of the Plaza de Mayo during a visit to Buenos Aires in this 1985 file photo. To match Special Report BRAZIL-DICTATORSHIP/COMPANIES    REUTERS/Noticias Argentinas (ARGENTINA - Tags: POLITICS) ARGENTINA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN ARGENTINA

Lula da Silva 1985 an einer Protestveranstaltung in Buenos Aires   Bild: STRINGER/ARGENTINA/REUTERS

Die Dokumente wurden kürzlich von der Nationalen Wahrheitskommission entdeckt, die im Auftrag von Präsidentin Dilma Rousseff Regierungsarchive durchforstet, um den Machtmissbrauch während der Zeit der Militärdiktatur in den Jahren 1964 bis 1985 zu untersuchen. Die Unterlagen zeigten mit aussergewöhnlicher Klarheit, wie Unterneh

VW versprach, allen Hinweisen nachzugehen und betont, das Unternehmen sehe sich als Vorbild bei der Aufarbeitung seiner Geschichte. Kein anderer grosser Konzern mit Niederlassungen in Brasilien habe sich bislang öffentlich zu solchen Untersuchungen verpflichtet, sagen auch Wissenschaftler

epa04337157 Brazilian president Dilma Roussef waves to members of Workers Central Unit union during her first re-election campaign event in Guarulhos, Sao Paulo, Brazil, 31 July 2014. The presidential elections will be held on 05 October 2014.  EPA/Sebastiao Moreira

Gab die Recherche in Auftrag, die zu den jüngsten Enthüllungen führte - Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef  Bild: EPA/EFE

Auch andere Autobauer



Die nun entdeckten Unterlagen weisen darauf hin, dass Volkswagen eigene Sicherheitsleute auf Gewerkschaftsversammlungen ansetzte. Der Konzern aus Wolfsburg, der seit 1953 in Brasilien aktiv ist, gab ausführliche Mitschriften von mehr als einem Dutzend Gewerkschaftstreffen im Raum Sao Paulo an die Militärs weiter.

Dabei wurden auch Pläne für Streiks sowie Forderungen nach Gehaltserhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen weitergereicht. In einigen Fällen wurden die Namen von Arbeitern notiert, die an den Versammlungen teilnahmen. Auch die Marken und Nummernschilder ihrer Autos wurden festgehalten.

Die Spitzel gaben den Inhalt von Flugblättern weiter und die Namen jener, die sie vor den Werkstoren verteilten. Auch dass einige Mitarbeiter beim Marihuana-Rauchen erwischt wurden, wurde notiert.

Brazil's then-President Luiz Inacio Lula da Silva (L, standing in car) rides with Sao Paulo State Governor Geraldo Alckmin in a Volkswagen Polo inside an assembly plant, during a visit to celebrate the company's 50th anniversary of production in Brazil, in Sao Bernardo do Campo, in this March 24, 2003 file photo. Volkswagen spied on Brazilian union activists, among them Lula, in the 1980s and passed sensitive information about wage demands and other private discussions to the country's military dictatorship, according to newly uncovered documents seen by Reuters. To match Exclusive BRAZIL-DICTATORSHIP/VOLKSWAGEN       REUTERS/Jose Patricios/Files (BRAZIL - Tags: TRANSPORT BUSINESS MILITARY POLITICS)

Der damalige Präsident Brasiliens Lula da Silva (links stehend) an einer Produktpräsentation von VW im Jahr 2003 Bild: STRINGER/BRAZIL/REUTERS

Arbeiterschaft in Zaum halten

Streiks als «kommunistische Bedrohung»

Die bei Ausspähungen gewonnenen Informationen nutzten die Militärs, um Gewerkschafter zu beobachten und zu verunsichern. Ziel war, die Arbeiterschaft in Zaum zu halten. Die Diktatur setzte auf niedrige Löhne, um die Wirtschaft zu fördern - und betrachtete Streiks als kommunistische Bedrohung. Unzählige Unternehmen wurden damals zur Zusammenarbeit mit dem Militär gezwungen.

Welche Folgen die Enthüllungen für die Firmen haben, ist noch unklar. Die Unternehmen könnten mit Zivilklagen oder Reparationsforderungen konfrontiert sein, wenn ihnen Menschenrechtsverstösse nachgewiesen würden, meinen Staatsanwälte.

Andere Experten bezweifeln jedoch, dass die Beweise für Gerichtsverfahren ausreichen. Der wahre Wert der Untersuchung liege in der umfassenden Darstellung des Machtmissbrauchs in Brasiliens Vergangenheit und der Lehre, dass sich solch ein düsteres Kapitel nicht wiederholen dürfe. (wst/sda/Reuters)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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