Charlie Hebdo
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Frankreich unter Schock

Vom Massaker bei «Charlie Hebdo» bis zum Tod der Geiselnehmer: Die Chronik des Terrors



«Charlie Hebdo»-Attentat: Die Bilder

Mit einem erbarmungslos ausgeführten Attentat auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» begannen am Mittwoch drei Tage des Terrors, die Frankreich verändern werden. Zehntausende Polizisten jagten die mutmasslichen Mörder, die ihnen mehrfach entkamen und am Ende, nach einer Geiselnahme in einer Druckerei, im Kugelhagel starben.

Zugleich starb auch ein Geiselnehmer, der in Verbindung mit den Attentätern von «Charlie Hebdo» stand, und in einem jüdischen Lebensmittelgeschäft in Paris vier Geiseln erschossen hatte. 

Ein Überblick über die Stunden, die Frankreich in Atem hielten: 

Mittwoch, 7. Januar

Um 10.30 Uhr beginnt auf der Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» in der Rue Nicolas Appert 10 im 2. Stock die Redaktionssitzung.

Im Haus Nummer 6 nebenan treffen ungefähr zur selben Zeit bewaffnete Männer auf einen Postboten, einen Mann und – nachdem sie einen Schuss abgefeuert hatten – eine Frau. Sie merken: Sie sind im falschen Haus.

Das erste Opfer

Die Attentäter gehen zur Nummer 10. Sie fragen zwei Reinigungskräfte, wo die Redaktion ist und erschiessen anschliessend einen Mann.

Im Treppenhaus treffen sie auf Corinne Rey alias Coco. Die Attentäter nehmen die Karikaturistin als Geisel. Coco versucht, die maskierten Männer in einen falschen Stock zu lotsen. Das Manöver misslingt.

Das Massaker

11.30 Uhr: Die Attentäter erreichen die Redaktionskonferenz und starten ihr Massaker. In den rund zehn Minuten erschiessen sie zehn Menschen, darunter ein Polizist, der für den Schutz von Charb abgestellt war, und ein Besucher. Die Terroristen sollen dabei die Namen der Journalisten gerufen haben, ehe sie diese erschiessen. Coco kann sich unter einem Tisch verstecken. Jemand setzt einen Notruf ab.

paris gunmen

Die zwei Attentäter beim Schusswechsel mit der Polizei. Bild: geenstijl.nl

Die Attentäter verlassen die Redaktion und eilen zu dem auf der Strasse stehenden schwarzen Citroën C3. Dabei kommt es zu einem Schusswechsel mit der Polizei. Der Polizist Ahmed Merabet erleidet einen Streifschuss und fällt auf den Boulevard. Die Terroristen gehen auf ihn zu und feuern einen Schuss in seine Richtung ab. Gemäss französischen Medien soll es dabei zu einem Wortwechsel zwischen den Tätern und dem Polizisten gekommen sein: «Willst du uns töten?» – «Nein, ist schon gut, Chef.»

So lief das Massaker ab

Die Flucht

Beim Einsteigen verliert ein Attentäter einen Handschuh, den die Polizei später findet.

Auf der Flucht in Richtung Norden stossen sie mit einem VW Touran zusammen. Die Fahrerin wird leicht verletzt. 

In der Rue de Meaux lassen sie den Wagen stehen. In dem Wagen werden später zwei dschihadistische Flaggen und rund zehn Molotowcocktails gefunden. Die Terroristen zwingen einen Mann mit einem grauen Renault Clio aus seinem Wagen auszusteigen und flüchten weiter.

Charlie Hebdo Paris Fluchtauto

Den Renault Clio lassen die Attentäter stehen. Bild:

In ihrem Fluchtwagen wird ausserdem ein Ausweis gefunden. Die Polizei veröffentlicht im Verlauf des Nachmittags erste Informationen über die möglichen Attentäter. Am Abend werden Fahndungsfotos veröffentlicht.

epa04550283 Two undated handout pictures released by French Police in Paris early 08 January 2015 show Cherif Kouachi, 32, (L) and his brother Said Kouachi, 34, (R) suspected in connection with the shooting attack at the satirical French magazine Charlie Hebdo headquarters in Paris, France, 07 January 2015. French police on 08 January 2015 released an appeal to the public for information, with photos of Cherif Kouachi and his brother, Said Kouachi.  EPA/FRENCH POLICE / HANDOUT MANDATORY CREDIT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Said, 34, (l.) und Chérif Kouachi, 32. Bild: EPA/FRENCH POLICE

Donnerstag, 8. Januar

Die Polizei teilt in der Nacht auf Donnerstag mit, dass drei Verdächtige gesucht werden: Die 32 und 34 Jahre alten Brüder Chérif und Said Kouachi sowie ein 18-jähriger Schwager eines der beiden. Dieser stellt sich gleichentags der Polizei und beteuert seine Unschuld. 

Polizistin erschossen

Kurz nach acht Uhr erschiesst ein Mann in Montrouge im Südosten von Paris eine junge Polizistin. Vorerst ist unklar, ob ein Zusammenhang mit dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» besteht.

Überfall auf Tankstelle

Gegen Mittag überfallen Said und Chérif Kouachi nahe des Ortes Villers-Cotterêts nördlich von Paris eine Tankstelle. Dabei sollen sie Benzin und Lebensmittel geklaut haben. Der Tankwart erkennt die Männer und alarmiert die Polizei. Die Brüder flüchten weiter. 

Das Gebiet, in dem Said und Chérif Kouachi gesichtet wurden, wird durchkämmt. Die Terroristen sollen sich in einer Wohnung in Crépy-en-Valois, nahe des Tankstellenüberfalls, verschanzt haben. 

Die Spezialeinheit der französischen Gendarmerie GIGN, die auf Terrorismusbekämpfung spezialisiert ist, steht ebenfalls im Einsatz.

In dem Gebiet des Tankstellenüberfalls werden ganze Dörfer abgeriegelt, Häuser durchsucht und die Wälder durchkämmt. Helikopter stehen im Einsatz.

Gegen 21.30 Uhr unterbricht die Polizei die Suche.

Freitag, 9. Januar

Die zwei flüchtigen Attentäter klauen um 8 Uhr nahe Crepy-en-Valois einen grauen Peugeot. Dabei zwingen sie eine Frau, ihnen ihr Auto zu überlassen, lassen sie aber unverletzt zurück.

Gegen 9.00 Uhr kommt es auf der Autobahn RN2 bei Dammartin-en-Goële zu einer Verfolgungsjagd mit Schusswechsel. Einer der beiden Brüder wird dabei am Hals verletzt. Die Einwohner von Dammartin-en-Goële – einem kleinen Dorf nordöstlich von Paris, nahe dem Flughafen Charles de Gaulle – werden von der Polizei aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. 

Gegen 9.30 Uhr verschanzen sich Said und Chérif Kouachi in einer Druckerei in Dammartin-en-Goële. Sie bringen den Geschäftsführer in ihre Gewalt, den sie später gehen lassen. Ein weiterer Mitarbeiter wird von den beiden nicht entdeckt und kann sich in einem Karton verstecken. Es gelingt ihm, per Telefon die Fahnder zu informieren. 

Eine zweite Geiselnahme in Paris

Im Osten von Paris nimmt am frühen Nachmittag ein bewaffneter Mann in einem jüdischen Supermarkt mehrere Geiseln. Gleich zu Beginn der Geiselnahme tötet er vier Menschen. Er wird als Amedy Coulibal (32) identifiziert und ist laut Ermittlern derjenige, der am Vortag in Montrouge die Polizistin erschossen hat. 

Das Ende

Gegen 17 Uhr greift die Polizei fast zeitgleich in der Druckerei in Dammartin-en-Goële als auch im Osten von Paris zu. 

Said und Chérif Kouachi stürmen um sich schiessend aus der Druckerei und werden von der Polizei getötet. Die Eliteeinheiten, so erklärt die Staatsanwaltschaft danach, hätten zunächst versucht, die Terroristen mit nicht tödlichen Granaten ausser Gefecht zu setzen. Da sie aber weiter gefeuert hätten, hätten die Polizisten sie «neutralisieren» müssen und erschossen.  

Unmittelbar danach stürmt die Polizei das Lebensmittelgeschäft in Porte de Vincennes. Amedy Coulibaly, der schon zu Beginn der Geiselnahme vier Menschen erschossen hat, stirbt. Vier weitere Menschen werden nach Angaben aus Sicherheitskreisen schwer verletzt. 

(Mit Material von SDA und AFP)

«Charlie Hebdo»: Solidaritätswelle in der Schweiz ebbt nicht ab

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Er überlebte den Anschlag auf Charlie Hebdo – nun erzählt der Chefredaktor vom Terror

Vor fünf Jahren stürmten Terroristen die Redaktion des Pariser Satiremagazins. Jetzt äussert sich der Überlebende und heutige Chefredaktor Laurent Sourisseau zum Anschlag.

Wenn Blicke wirklich töten könnten, wäre Laurent Sourisseau, alias Riss, wohl nicht mehr am Leben. «Wir schauten uns in die Augen», beschreibt er die Szene, als die Gebrüder Kouachi am 7. Januar 2015 mit ihren Kalaschnikows in die Redaktionssitzung platzten. «Eine Sekunde lang, vielleicht zwei.» Der schwarz gekleidete Attentäter schien überrascht, in dem kleinen Raum so viele Leute vor­zufinden. «Sein Staunen wurde aber gleich von seiner Aufgabe weggewischt: Er sollte töten.»

Riss tauchte …

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