Deutschland
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DRESDEN, GERMANY - JANUARY 05:  Supporters of the Pegida movement march with German flags at another of their weekly protests on January 5, 2015 in Dresden, Germany. Pegida is an acronym for 'Patriotische Europaeer Gegen die Islamisierung des Abendlandes,' which translates to 'Patriotic Europeans Against the Islamification of the West,' and has quickly gained a spreading mass appeal by demanding a more restrictive policy on Germany's acceptance of foreign refugees and asylum seekers. While Pegida disavows xenophobia in its public statements, critics charge that the movement is becoming a conduit for right-wing activists. The first Pegida march took place in Dresden in October and has since attracted thousands of participants to its weekly gatherings that have also begun spreading to other cities in Germany. Germany is accepting a record number of refugees this year, especially from war-torn Syria, and the country has also witnessed the rise of Salafist movements in numerous immigrant-heavy German cities. Both phenomena have promoted Pegida's rise and appeal.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Trotz Regen und Kälte kamen 18'000 Pegida-Anhänger.  Bild: Getty Images Europe

Pegida-Demo

Die Trotzigen von Dresden

18'000 Pegida-Anhänger gehen in Sachsen auf die Strasse – und die Organisatoren haben Mühe, die Menge im Zaum zu halten, die Frustbürger wollen mehr, als nur marschieren. Ihre Wut gilt dieses Mal nicht allein den Muslimen im Land.

christina hebel und ferdinand otto



Ein Artikel von

Spiegel Online

500 Kilometer ist sie gefahren, mitgebracht hat Christine Anderson ihre beiden Töchter. Die drei Frauen aus dem hessischen Limburg an der Lahn stehen auf der matschigen Cockerwiese in Dresden. Anderson, dunkle Mütze über den roten Haaren, redet sich in Rage: «Die hat im Kanzleramt nichts mehr zu suchen», sagt die 40-Jährige. Die – damit meint Anderson die Regierungschefin. «Angela Merkel ist nicht die Psychologin des Volkes, was masst sie sich an? Treten Sie zurück, Frau Merkel.»

Anderson war jahrelang Mitglied der CDU, jetzt ist sie Mitglied der AfD. Nach Dresden sei sie am Montagabend aber als «Privatperson» gekommen, sagt sie. Merkel hatte in ihrer Neujahrsansprache dazu aufgerufen, den Pegida-Organisatoren nicht zu folgen. Die hätten «zu oft Vorurteile, Kälte, ja, sogar Hass in deren Herzen», hatte die Kanzlerin gesagt. Genützt hat das wenig.

Mehr Auswärtige

18'000 Menschen sind laut Polizei zur elften Demonstration der «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» gekommen. Damit ist die Zahl noch einmal leicht im Vergleich zur letzten Kundgebung gestiegen – trotz Regen und Kälte. Viele von ihnen sind von weiter her angereist wie Anderson: aus Hamburg, Lübeck, Cottbus, Franken und noch weiter südlich, wie Fahnen und Schilder zeigen – und sie sind gerade wegen Merkel gekommen.

Die Kanzlerin habe recht, wenn sie Pegida Hass vorwerfe, sagt zum Beispiel Kathrin Oertel. Oertel, lange wasserstoffblonde Locken, nachgezogene Augenbrauen, blauer Lidschatten, ist eine der zwölf Pegida-Organisatoren in Dresden. Sie sorgt dafür, dass der Ton dort merklich schriller wird: «Mein Unverständnis für den Umgang mit uns schlägt langsam in Wut um», ruft sie in ihrer Rede. «Volksverräter, Volksverräter», brüllt die Menge. «Lügenpresse, Lügenpresse», schallt es vom anderen Ende der Wiese. Dass beide Vokabeln aus der Nazi-Rhetorik stammen, scheint die Pegida-Anhänger nicht zu stören.

Frenetisch wird der Auftritt von Udo Ulfkotte bejubelt. «Der macht jetzt so was mit Enthüllungsjournalismus», jauchzt eine ältere Dame in den ersten Reihen zu ihrer Freundin, als Ulfkotte auf der Bühne beginnt zu sprechen. Der frühere «FAZ»-Journalist wettert inzwischen am liebsten gegen die «Lügenpresse und Systemmedien». Diese diktierten Sprechverbote, glaubt er zu wissen – und keift in seiner Rede weiter gegen «islamische Friedhöfe» und die «Islamisierung der Justiz». In der Rolle als Pegida-Einpeitscher gefällt Ulfkotte sich. Kokett zieht er seine Mütze vom Kopf und posiert für Fotos seiner Fans.

«Bitte, bitte kommt wieder»

Die Stimmung droht kurz zu kippen, als sich rund 200 junge Männer vor einer Polizeikette aufbauen. Die Organisatoren haben Mühe, die Menge nach dem sogenannten Spaziergang um das Dynamo-Stadion wieder auf der Cockerwiese zu versammeln. Einige wollen lieber weiter Richtung Innenstadt laufen. Dort im Zentrum haben sich zu dem Zeitpunkt rund 5000 Gegendemonstranten mit Warnwesten und Kehrbesen zum symbolischen «Neujahrsputz» versammelt.

Die Männer vor den Beamten haben Mützen in Schwarz-Gelb, den Vereinsfarben von Dynamo Dresden, tief in die Stirn gezogen. Viele tragen Quarzhandschuhe und schwarze Jacken – das ist der Dresscode der Hooligan-Szene. «Scheiss Staat» und «Bullen haut ab», brüllen die Hools den Polizisten entgegen. Die Pegida-Ordner stehen daneben.

«Bitte keine Eskalation. Ihr gefährdet die Bewegung», ruft Frontfrau Oertel ins Mikrofon. «Bitte, bitte kommt wieder». Auch ihr Mitorganisator René Jahn, zurückgegeelte Haare und Brille, appelliert an die abspenstigen Demonstranten. Erst als sich die Anführer der Hools für einen Rückzug entscheidet, die Polizei ist verstärkt vor Ort, laufen diese murrend zurück Richtung Kundgebung.

Bachmann, der Zurückhaltende

Es dauert mehrere Minuten, bis alle wieder zusammen sind. «Anfangen, anfangen», rufen Anhänger auf der durchnässten Wiese: Die Pegiden werden ungeduldig, sie wollen nach Hause. Jahn hält eine holprige vom Blatt abgelesene Rede, so recht will keine Stimmung mehr aufkommen. Auffällig ist, dass sich Lutz Bachmann, der Chef der Truppe, bei dieser Kundgebung zurückhält.

Kurz hat er sich anfangs auf der Bühne blicken lassen, dann ist er wieder weg. Man sei ja ein Team, sagt Jahn zur Erklärung. Anders als Oertel spricht er mit SPIEGEL ONLINE.

Am Mittwochabend werden er, Bachmann, Oertel und die anderen Pegiden sich nun mit der AfD im sächsischen Landtag treffen. «Die haben als Erstes gefragt und nehmen uns ernst», sagt Jahn. Warum Pegida das mache? «Wir können uns ja nicht totspazieren», sagt er. Und betont dann: Das Treffen sei aber eine «einmalige Sache».

Und nein, Pegida wolle sich nicht kommunalpolitisch engagieren.

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