Selenskyjs perfekter Konter: Die Ukraine helfe den USA gerne militärisch, aber...
Von Russland abgefeuerte iranische Kamikaze-Drohnen haben in der Ukraine viel Leid und immense Schäden angerichtet. Und nun sind die unbemannten, mit Sprengstoff bestückten Flugkörper auch eine Bedrohung für die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten. Und zwar auf der arabischen Halbinsel und darum herum.
Damit schlägt die Stunde für die Ukraine – und ihren Anführer Wolodymyr Selenskyj. In einer Videobotschaft an seine Landsleute stellte er am Mittwochabend klar, dass man gerne helfe, sofern dadurch die eigene Verteidigung nicht geschwächt werde.
Zur Erinnerung: Noch diese Woche hatte US-Präsident Trump den ukrainischen Präsidenten öffentlich verspottet und warf ihm vor, amerikanische High-End-Waffen im Wert von Milliarden gratis eingesackt zu haben.
Selenskyj lassen solche Provokationen kalt. Aus ukrainischer Perspektive ist die militärische Lage weiterhin viel zu bedrohlich, um sich verbale Ausrutscher zu leisten und wichtige Unterstützerländer zu verprellen.
Der perfekte Konter
Der ukrainische Präsident brachte das Thema am vergangenen Mittwochabend in seiner Videoansprache an die eigene Bevölkerung auf den Punkt. Und er tat dies in gewohnt unaufgeregtem Ton:
Selbstverständlich leisten wir jede Hilfe nur unter der Voraussetzung, dass sie unsere eigene Verteidigung in der Ukraine nicht schwächt und als Investition in unsere diplomatischen Fähigkeiten dient: Wir helfen denen, die uns – der Ukraine – helfen, den Krieg zu einem würdigen Ende zu bringen, sich vor dem Krieg zu schützen. Wir arbeiten für Frieden und echte Sicherheit.»
Und weiter sagte er:
Zur Erinnerung: Weil die Militärhilfe aus Europa und den USA nach dem russischen Grossangriff 2022 immer wieder stockte, griff die Ukraine in grösster Bedrängnis zur Selbsthilfe. Die Fachleute im Land entwickelten wirksame Abfang-Drohnen gegen iranische Shaheds. Und die ukrainischen Streitkräfte sammelten weltweit einzigartige Erfahrungen im «ersten Drohnen-Krieg», wobei sie diese mit einem hohen Blutzoll bezahlten.
Ukrainische Einheiten beherrschen inzwischen nicht nur die Drohnenabwehr, sondern haben mit ihren offensiven Drohnen-Taktiken das Schlachtfeld, respektive die moderne Kriegsführung, grundlegend verändert, wie das Nachrichtenmagazin «Politico» konstatierte.
Und nun schliesst sich der Kreis. Unter Selenskyj fliesst wertvolles ukrainisches Know-how an das transatlantische Verteidigungsbündnis NATO und dessen einflussreichsten Mitgliedsstaat, die USA, zurück.
Bereits am Montag hatte der ukrainische Präsident gesagt:
Die Nachfrage nach dem entsprechenden Know-how ist weltweit gross, wie diese Woche bestätigt wurde.
Das amerikanische Nachrichtenmagazin «Politico» erklärt den Grund für die diplomatischen Bemühungen um Selenskyj wie folgt: Die US-Regierung habe erkannt, dass es wenig Sinn mache, eine 4 Millionen Dollar teure Abfangrakete, die von einer Patriot-Batterie abgefeuert wird, zum Abschuss einer iranischen Shahed-Drohne im Wert von etwa 30'000 Dollar einzusetzen.
Fragt sich nur, ob die Erkenntnis auch beim Kriegspräsidenten im Weissen Haus ankommt.
Sicher ist: Das Internet hat bereits reagiert. Das folgende Meme ruft das Zögern der NATO nach Putins Überfall auf die Ukraine in Erinnerung
Quellen
- politico.eu: Trump’s lightbulb moment: America needs Europe after all (5. März)
- president.gov.ua: We Are Working to Bring All Our People Home From Russian Captivity; We Hope for Good News – Address by the President (4. März)
- politico.eu: Why Trump wants Ukraine’s interceptor drones in Iran war (2. März)
