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SAN FRANCISCO, CA - JUNE 10:  Apple's Craig Federighi, Vice President of Software Engineering, introduces iOS7 at a keynote address during the 2013 Apple WWDC at the Moscone Center on June 10, 2013 in San Francisco, California. Apple's annual developer conference runs through June 14.  (Photo by Kim White/Getty Images)

Noch hält sich Apple bedeckt, was die 2013 lancierte iBeacon-Technologie betrifft. Bild: Getty Images

Für Apple- und android-Nutzer

Killerfeature oder Albtraum-Technik? Die iBeacons kommen

Was nach Fastfood klingt, ist eine raffinierte Methode zur Positionsbestimmung von Smartphones und Tablets. iBeacons sind präziser als GPS und bieten Firmen weitreichende Möglichkeiten.



Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit dem Smartphone ins Stadion. Nach der Sicherheitskontrolle brummt der Vibrationsalarm und auf dem Bildschirm wird angezeigt, wo sich der Bierverkaufsstand mit der kürzesten Warteschlange befindet. Ein zusätzliches Fingertippen und das Gerät lotst Sie zielsicher zur nächstgelegenen Toilette.

Ein ähnliches Szenario hat sich kürzlich in den USA abgespielt. Tausende Besucher des Super Bowls 2014 konnten sich mit ihrem Mobilgerät durch die Massen navigieren. Voraussetzung war, dass auf dem Gerät die offizielle App der National Football League installiert war.

iBeacons sind in aller Munde. Halt Stopp, hoffentlich nicht! Die Dinger sind definitiv nicht geniessbar. Es handelt sich um eine Technik zur mobilen Positionsbestimmung und Datenübertragung.

iBeacon ist Apples Antwort auf NFC (Near Field Communication). Geräte mit NFC-Chip werden bereits zum mobilen Bezahlen eingesetzt, die Technik hat sich bei den Konsumenten aber nicht durchgesetzt.

Wird iBeacon zum NFC-Killer? Die wichtigsten Fragen und Antworten ...

Was ist iBeacon?

iBeacon ist die Apple-Variante des Beacon-Konzepts. Ja, genau! Apple hat die Technik zur mobilen Positionsbestimmung und Datenübertragung nicht erfunden, gilt aber als Vorreiter und stellt ein benutzerfreundliches und massentaugliches Instrumentarium zur Verfügung. Beacon kann auf Deutsch mit «Leuchtfeuer» oder «Leuchtturm» übersetzt werden, als Verb bedeutet es passenderweise auch «vermarkten».

Wie geht das?

Auf der Anbieterseite braucht es einen oder besser mehrere Sender (als «Beacons» oder «iBeacons» bezeichnet). Das können günstige Bluetooth-Sender in Fünfliber-Grösse sein oder auch iOS-Geräte. Auf Nutzerseite braucht es ein Empfangsgerät, das drahtlos und in der Regel automatisch mit dem Sender kommuniziert.

Das Ganze funktioniert über Bluetooth 4.0, auch Bluetooth Low Energy (LE) genannt. Das im Juni 2010 lancierte Bluetooth LE ist eine Technik zur drahtlosen Datenübertragung, benötigt im Vergleich mit älteren Standards deutlich weniger Strom und hat eine grössere Reichweite als NFC. Die maximale Reichweite beträgt über 50 Meter.

Wozu soll das gut sein?

Es gibt unheimlich viele Anwendungsgebiete. iBeacons ermöglichen die Bestimmung der genauen Position eines Empfängers in einem Raum und damit die Indoor-Navigation (wo GPS überhaupt nicht funktioniert). Möglich ist auch das sichere Identifizieren von Nutzern, wenn sie sich mit ihrem Smartphone in einem bestimmten Bereich aufhalten. Dies kann für Werbung oder Marketing genutzt werden und schliesslich können Unternehmen auch mobiles Bezahlen anbieten.

Was sind die Nachteile?

iBeacons funktionieren im Zusammenspiel mit Apps. Apple hat in seinen rund 250 US-Stores Sender installiert, um die Kunden auf Angebote in den Läden hinzuweisen – und um jede Bewegung zu «registrieren». Das betrifft jene Besucher, welche die «Apple Store»-App installiert und der Auswertung der Geodaten zugestimmt haben.

Man wird quasi zum gläsernen Kunden – ein Albtraum für Datenschützer. Zudem drohe eine personalisierte Werbeflut, befürchtete die «New York Times» in einem Artikel zum Super Bowl. In dem Beitrag wird auch darauf hingewiesen, dass die Nachrichten selbst dann übermittelt würden, wenn die entsprechende App nicht geöffnet sei. 

Gibt es iBeacon in der Schweiz? 

Offiziell ist der Service hierzulande noch nicht lanciert worden. Auf der Schweizer Apple-Webseite finden sich keine Informationen dazu. An der letztjährigen WWDC, der von Apple organisierten Konferenz für Software-Entwickler, war iBeacon ein vielbeachtetes Thema. Für externe Programmierer hat Apple ein Schulungsvideo veröffentlicht. Um dies zu finden, gilt es, die WWDC-App aus dem App Store herunterzuladen und nach dem Stichwort iBeacon zu suchen. Abgesehen vom Video, das auch bei YouTube auftaucht, ist im Apple-Support-Forum ein Beitrag zum Thema «Location Services» (Ortungsdienste) publiziert. 

Schweizer Datenschützer mahnt

«Es braucht gut sichtbare Hinweise»

Das Büro des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür erklärt auf Anfrage von watson, dass Verkaufsgeschäfte aktiv auf den Einsatz von Tracking-Systemen wie iBeacon hinweisen müssen. «Es braucht aus datenschutzrechtlicher Sicht eine transparente Information.» Nur durch gut sichtbare Hinweise könnten die Kunden bei ihrem Mobilgerät vor Betreten des Geschäfts die entsprechenden Funktionen (Bluetooth/WLAN) abschalten. (Anmerkung der Redaktion: iBeacon funktioniert ohne Mobilfunk- oder Internetverbindung)

Die Mediensprecherin des Datenschützers, Eliane Schmid: «Allerdings bleibt die Situation unbefriedigend, weil das Deaktivieren von Bluetooth auch bedeuten kann, dass man ein entsprechendes Headset nicht benutzen kann.» Dies bedeute für Betroffene empfindliche Einschränkungen, etwa am Flughafen, wo viele Geschäftsleute unterwegs seien und drahtlos telefonieren.

Wenn Kundinnen und Kunden via App kontaktiert werden, bedeute dies, dass sie die App vorher heruntergeladen und in entsprechende Datenbearbeitungen eingewilligt hätten – «sofern dies in den AGB transparent dargelegt ist».

Mit welchen Apple-Geräten funktioniert iBeacon?

Apple unterstützt den zugrundeliegenden Technik-Standard Bluetooth 4.0 seit dem Herbst 2011, als das iPhone 4S eingeführt wurde. Als Betriebssystem ist für iBeacon iOS 7 erforderlich.

• iPhone (ab Modell 4S)
• iPad (ab der dritten Generation)
• iPad Mini
• iPod Touch (ab der fünften Generation)

Diese Geräte können als Empfänger oder Sender funktionieren. Hier liegt auch der grösste Unterschied, respektive Vorteil von iBeacon gegenüber der Konkurrenz. Es ist keine zusätzliche Hardware erforderlich.

Beacon Bluetooth-Sender für iOS- und Android-Geräte

Die US-Firma Estimote verkauft bunte Beacons (rechts oben), die im Schuhladen mit Kunden-iPhones «funken». Bild: Estimote.com

Ist iBeacon nur für Apple-Nutzer?

Nein, die Technik steht auch Android-Nutzern offen. Allerdings haben viele Hersteller den Trend verschlafen. Das mobile Betriebssystem aus dem Hause Google unterstützt das stromsparende Bluetooth 4.0 erst ab der Version 4.3 («Jelly Bean»), die im Sommer 2013 vorgestellt wurde. Das Problem: Android 4.3 oder 4.4 laufen auf weniger als zehn Prozent der weltweit aktiven Android-Geräte (Stand: 8. Januar 2014).

Mit welchen Android-Geräten funktioniert es?

• Samsung Galaxy S3
• Samsung Galaxy S4
• Samsung Galaxy Note 2 und Note 3
• HTC One
• Google Nexus 5

Laufend kommen Geräte hinzu. Voraussetzung ist Android 4.3.

iBeacons können auch beim Museumsbesuch helfen (ab 1.25). Video: YouTube/souslicer

Wie sicher ist iBeacon?

Der Computerexperte Andy Cavalini weist darauf hin, dass die von iBeacons gesendeten Daten von Dritten abgefangen oder gefälscht werden können. Unternehmen sollten Verschlüsselungs-Techniken einsetzen, um «Entführungen» zu verhindern. Weitere Informationen sind online in der «iBeacons Bibel» (PDF-Dokument) zu finden. Apple stellt entsprechende Sicherheitsfunktionen zur Verfügung.

Neben Apple setzen andere bekannte Unternehmen auf Beacon-Lösungen, so etwa der Online-Bezahldienst PayPal. Video: YouTube/PayPal

Wie schütze ich mich?

Wer «unsichtbar» bleiben möchte, kann Bluetooth deaktivieren. Bei Android und iOS geschieht dies am einfachsten über das Kontrollzentrum (iOS: mit dem Finger auf dem Screen von ganz unten nach oben wischen). Es besteht auch die Möglichkeit, einzelnen Apps den Kontakt via Bluetooth zu anderen respektive fremden Geräten zu erlauben. Dazu gilt es in den Privatsphäre-Einstellungen diejenigen Apps zu aktivieren, denen man die automatische Datenübertragung erlauben will (Einstellungen > Datenschutz > Bluetooth-Freigabe).

Wo läuft iBeacon bereits heute?

In zahlreichen Verkaufsgeschäften in den USA, unter anderem in den Apple Stores und bei der Supermarktkette Macy's. Daneben setzen immer mehr Start-ups rund um den Globus auf die batterieschonenden Beacons, um neue Produkte zu lancieren. Die meisten veröffentlichen zuerst eine App fürs iPhone. Der deutsche Techblog neuerdings.com schreibt denn auch: «Apples dritter Frühling dank Bluetooth 4.0».

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    Alle Leser-Kommentare
  • Donald 05.02.2014 11:37
    Highlight Highlight Ich verstehe immer noch nicht, warum Beacon immer mit NFC verglichen wird. NFC soll ja explizit nur Daten übertragen, wenn es an einen bestimmten Ort (NFC-Tag oder anderes Gerät) gehalten wird. Das ist doch etwas total anderes!
    • @schurt3r 05.02.2014 12:01
      Highlight Highlight Das in der Story verwendete Schlagwort «NFC-Killer» bezieht sich darauf, dass Apple das mobile Bezahlen mit Bluetooth 4.0 und nicht mit NFC realisieren wird. Diese Lösung hat diverse technische/praktische Vorteile (grössere Reichweite, batterieschonend etc.). Anstatt einen NFC-Chip in die Geräte einbauen zu müssen, können so auch ältere iGeräte (ab iPhone 4S) fürs mobile Bezahlen verwendet werden.
    • Patrick C. 05.02.2014 17:47
      Highlight Highlight Das mit der Reichweite kann aber vorallem auch beim Bezahlen ein nicht zu vernachlässigender Risikofaktor darstellen...
    • Marc Hauser 19.11.2014 10:31
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