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Attacke auf Netflix: Die Milliarden-Schlacht um die Streaming-Krone hat begonnen

An Video-Streaming kommt niemand vorbei: Das wissen auch Apple und andere mächtige Player aus dem Silicon Valley und investieren kräftig.
16.10.2017, 08:34
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Keine fünf Jahre ist es her, dass Netflix mit «House of Cards» seinen ersten grossen Serienhit landete. Seitdem hat sich der Fernsehmarkt so rasant verändert, dass die Zeit wie eine Ewigkeit wirkt.

Der Erfolg des Polit-Dramas mit Oscar-Preisträger Kevin Spacey in der Rolle des skrupellosen US-Abgeordneten Frank Underwood machte endgültig klar: TV-Unterhaltung funktioniert auch ohne Kabelanbieter und dicke Senderpakete – an Streaming kommt keiner mehr vorbei.

Von der US-Online-Videothek zum weltweiten Streaming-Anbieter

Das Geschäft boomt: Online-Videodienste, die gegen Gebühren Filme und Shows im Netz anbieten, haben das traditionelle Fernsehen zwar längst nicht abgelöst, doch ihre Bedeutung steigt stetig.

In den USA kündigen immer mehr Kunden ihren Kabelanschluss und werden zu «Cord Cuttern», die ihre TV-Unterhaltung ausschliesslich über das Internet beziehen. Der Trend ist eng verknüpft mit dem Erfolg von Netflix – der Firma, die das Geschäftsmodell von Beginn an geprägt hat.

1997 im kalifornischen Los Gatos gegründet, agierte das Unternehmen zunächst als Online-Videothek und verlieh DVDs und Blue-ray-Discs. Es folgte ein steiler Aufstieg: 2003 ging Netflix an die Börse, der Unternehmenswert ist seitdem von 300 Millionen auf über 86 Milliarden Dollar gestiegen.

Hinter der Kursexplosion steht der florierende Streaming-Dienst – die Kundenzahl wuchs seit 2011 von rund 23 auf 104 Millionen. Netflix ist heute in über 190 Ländern erhältlich, ausgenommen China, die Krim, Nordkorea und Syrien.

In wenigen Ländern ist Netflix «aufgrund von Auflagen der US-Regierung, die für amerikanische Unternehmen gelten», nicht verfügbar.
In wenigen Ländern ist Netflix «aufgrund von Auflagen der US-Regierung, die für amerikanische Unternehmen gelten», nicht verfügbar.
screenshot: netflix

Mächtige Konkurrenz

Das ruft Wettbewerber auf den Plan – auch bei der alteingesessenen Unterhaltungsindustrie. Während US-Medienriese Disney erst kürzlich einen Online-Videodienst für 2019 ankündigte, ist der beliebte Bezahlsender HBO von Time Warner in den USA schon seit 2015 mit Blockbuster-Serien wie «Game of Thrones» als Internet-Abo verfügbar. Auch Hulu, wie Netflix ein Pionier im Markt, hat mit NBC Universal, Fox und Disney mittlerweile finanzstarke Branchengrössen im Rücken.

Der stärkste Streaming-Rivale sitzt bislang jedoch nicht in Hollywood. Internetriese Amazon ist zwar vor allem für seine aggressive Expansion im Online-Handel bekannt, konkurriert mit seinem Service Prime Video aber auch schon lange mit Netflix.

Auch das Silicon Valley mischt neuerdings stärker mit: Google rüstet seinen Videodienst YouTube zunehmend mit Abo-Modellen und professionell produzierten Exklusivinhalten hoch. Facebook und Apple wollen laut US-Medien Milliarden in exklusive Video-Inhalte investieren. 

Der iPhone-Hersteller plane eine Neuauflage der Steven-Spielberg-Serie «Amazing Stories», hiess es kürzlich. Die Science-Fiction-Serie über die Welt des Übernatürlichen war zwischen 1985 und 1987 beim US-Sender NBC gelaufen. Die Serie war damals beim Publikum nicht besonders erfolgreich, gewann aber fünf Emmys und gilt heute als Kult.

Megahits gesucht

Beim Kampf um die Streaming-Krone gelten Eigenproduktionen, sogenannte «Originals», als Schlüssel zum Erfolg. Das können Dokus, Filme oder Talkshows sein, vor allem aber Serien. HBO hat sich hier mit Klassikern wie «The Sopranos» oder «The Wire» frühzeitig einen Namen gemacht und gilt bis heute als Qualitätsführer.

Amazon fehlt trotz einiger Achtungserfolge noch der ganz grosse Hit. Netflix glänzt zwar auch mit einigen neueren Serien, tut sich aber schwer, an «House of Cards» oder «Orange Is the New Black» anzuknüpfen.

Die Jagd nach dem nächsten Streaming-Megahit hat eine regelrechte Ausgaben-Schlacht entfacht. Netflix will in diesem Jahr sechs Milliarden Dollar in exklusive Inhalte stecken, Amazon nach Schätzung der Bank JPMorgan 4.5 Milliarden Dollar.

YouTube nennt zwar kein Budget, erhöht aber ebenfalls den Einsatz und kann dabei auf Googles enorme Cash-Reserven bauen. Disney öffnet indes die Kriegskasse für seinen Sportsender ESPN, der 2018 als Streaming-Service starten soll.

Eigenproduktionen können sich zwar als teure Flops entpuppen, sind aber im Erfolgsfall nicht nur als Kundenmagnet lukrativ. Attraktive zugekaufte Inhalte sind ebenfalls kostspielig, zudem ist die Rechtebeschaffung oftmals aufwendig.

(dsc/sda/dpa)

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