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Tesla öffnet erste Supercharger in der Schweiz für andere E-Autos

Ein VW ID.4 am Tesla Supercharger? Das funktioniert nun auch in der Schweiz.
Ein VW ID.4 am Tesla Supercharger? Das funktioniert nun auch in der Schweiz.bild: technikblog.ch/hans fischer

Tesla öffnet erste Supercharger in der Schweiz für andere E-Autos – so funktioniert es

Tesla öffnet sein Supercharger-Ladenetzwerk auch in der Schweiz für Fahrer und Fahrerinnen anderer Elektroautos. Noch ist das Angebot aber wenig attraktiv.
17.06.2022, 16:2918.06.2022, 15:04
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Was bislang erst in einigen Ländern testweise möglich war, klappt nun auch bei uns. Ab sofort können Elektroautos beliebiger Marken in der Schweiz, Deutschland und weiteren Ländern an ausgewählten Supercharger-Stationen laden. Dies berichtet Elektroauto-Fan Hans Fischer vom technikblog.ch. Es handelt sich also nicht um eine komplette Öffnung, vielmehr sind vorerst nur eine Handvoll Supercharger für Fremdmarken zugänglich. Vermutlich will Tesla testen, wie das Angebot in den kommenden Wochen mit viel Reiseverkehr genutzt wird.

Fischer hat die Probe aufs Exempel gemacht und seinen elektrischen VW ID.4 am Donnerstag am Tesla Supercharger in Oftringen AG geladen, was problemlos funktionierte. Das «war witzig, die Tesla-Fahrer haben komisch geschaut», sagt er.

Wie kann ich am Supercharger mit einem Nicht-Tesla laden?

Hierzu benötigt man die Tesla-App und ein Nutzerkonto. Die Abrechnung erfolgt über die im Konto hinterlegte Kreditkarte. Über die Option «Laden Sie Ihr Nicht-Tesla-Fahrzeug auf» werden einem die nächsten verfügbaren Supercharger-Standorte angezeigt. Danach den passenden Ladeplatz anwählen und den Ladevorgang starten.

Geladen am Supercharger wird via Tesla-App.
Geladen am Supercharger wird via Tesla-App.bild: technikblog.ch/hans fischer

Kann ich nun an jedem Tesla Supercharger laden?

Nein, Tesla hat (noch) längst nicht alle Supercharger geöffnet. «In der Tesla-App sieht man aber immer, wo man mit Fremdmarken laden kann», sagt Fischer. Ein Blick in die Tesla-App zeigt aktuell fünf für Nicht-Tesla-Fahrer geöffnete Supercharger-Standorte in der Schweiz an.

Für Fremdmarken geöffnete Tesla-Supercharger in der Schweiz (Juni 2022).
Für Fremdmarken geöffnete Tesla-Supercharger in der Schweiz (Juni 2022).

Tesla schreibt hierzu: «Wir beginnen mit einer ausgewählten Anzahl von Standorten, damit wir die Auswirkungen überprüfen, eventuelle Überlastung erfassen und das Feedback auswerten können, bevor wir den Zugang erweitern. Zukünftige Standorte werden nur für Fahrzeuge anderer Marken geöffnet, wenn die Kapazität dies erlaubt.»

Was kostet das Laden am Supercharger für Fremdmarken?

«In Oftringen, wo ich getestet habe, kostet die Kilowattstunde 0.70 Franken und beim Blockieren wird 1.00 Franken pro Minute fällig», sagt Fischer. Alternativ könne man auch für 13.99 Franken pro Monat ein Abo bei Tesla buchen, dann koste die kWh «nur» 0.57 Franken.

«Das sind aktuell nicht besonders attraktive Preise gegenüber den Konkurrenzangeboten in der Schweiz», sagt Fischer. Tesla positioniere sich preislich am oberen Ende der Lade-Anbieter, etwa dort, wo auch Ionity sei.

Warum öffnet Tesla sein Ladenetzwerk für andere Marken?

Tesla-Chef Elon Musk hat schon letzten Sommer angekündigt, dass man das eigene Lade-Netzwerk anderen Marken zugänglich machen werde. Für viele kam die Ankündigung damals überraschend, da Teslas Supercharger-Netzwerk als Alleinstellungsmerkmal galt. Elektroauto-Fan Fischer ist hingegen nicht überrascht: «Elon hatte das schon immer als Option in Aussicht gestellt, ich denke, es hilft auch der Rentabilität und der Auslastung des Ladenetzwerks».

Die Rechnung ist einfach: Je besser die Supercharger ausgelastet sind, desto mehr Geld fliesst in die Taschen von Tesla. Um Staus vor Ladestationen zu vermeiden, werden Nicht-Tesla-Fahrer mit höheren Preisen zur Kasse gebeten. Allerdings wurden die Tarife zuletzt auch für Tesla-Fahrer angehoben.

In welchen Ländern hat Tesla sein Ladenetzwerk bislang teilweise geöffnet?

  • Schweiz
  • Deutschland
  • Österreich
  • Frankreich
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Grossbritannien
  • Spanien
  • Schweden
  • Belgien
  • Dänemark
  • Finnland
  • Luxemburg

Das «Fremdladen» funktioniert nur, wenn sich auch der Wohnort der Nicht-Tesla-Fahrer in einem dieser Länder befindet.

Das Fazit

Dass Tesla vor den Sommerferien sein Ladenetzwerk in weiteren Ländern testweise öffnet, dürfte E-Autofahrer und -Fahrerinnen anderer Marken freuen – Tesla-Besitzer allenfalls weniger. Sie haben an den Schnellladern mehr Konkurrenz und es gibt einen weiteren Fallstrick: «Das grosse Problem der Supercharger-Öffnung für Fremdmarken sind die Ladebuchsen an den Fahrzeugen», sagt Fischer. Diese sind je nach Auto anders platziert, mal vorn, mal hinten links, mal hinten rechts etc. Das führe zwangsläufig dazu, dass die Supercharger, welche für die Ladebuchse hinten links gebaut sind, durch Fremdmarken blockiert würden.

Da die Ladebuchse je nach Automarke an einer anderen Stelle positioniert ist, werden ursprünglich nur für Tesla gebaute Supercharger teils blockiert, wenn Fremdmarken laden.
Da die Ladebuchse je nach Automarke an einer anderen Stelle positioniert ist, werden ursprünglich nur für Tesla gebaute Supercharger teils blockiert, wenn Fremdmarken laden.bild: technikblog.ch/hans fischer

Abgesehen vom Parkplatz-Problem durch unterschiedliche Positionen der Ladeports an den Autos sind die hohen Preise ein weiter Grund, nur ausnahmsweise an einen Tesla-Supercherger zu fahren. Wie in anderen Ländern zahlt man auch bei uns als Nicht-Tesla-Fahrerin einen höheren Tarif. «Für den Test war es spannend, aufgrund des hohen Preises werde ich das Tesla-Netzwerk nur im Notfall nutzen», sagt Fischer.

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50 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Urs457
17.06.2022 17:27registriert März 2014
Ich begrüsse jede Massnahme, welche die Ladeinfrastruktur verbessert. Als Teslafahrer hatte ich zu Beginn etwas Mühe mit der Öffnung, denn die Tesla-Community hat die Supercharger ja erst möglich gemacht. Lade da aber sehr selten, weil das Auto jeden Morgen geladen bereit steht. Am ehesten auf Ferienreisen ins Ausland.
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Nick Name IV
17.06.2022 16:41registriert Februar 2021
Wenn man zu Hause lädt und eine Reichweite von über 500km muss man als Schweizer in der Schweiz eigentlich nie woanders tanken, ausser es geht im Winter weit über die Landesgrenzen. Mit den Konkurrenzfahrzeugen mit weniger Effizienz/Reichweite ist man aber vielleicht froh um das Amgebot, nur schon um die Reichweitenangst zu lindern und man es effektiv auch fast nie braucht.
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SBRUN
17.06.2022 17:20registriert September 2019
Wahnsinn, was da alles als Fortschritt gefeiert wird. Hätte die Politik ihren Job gemacht, gäbe es generell nur Ladesäulen wo jedes Auto laden kann, von Weitem der kWH Preis stünde, und mit den gängigen Zahlungsmitteln bezahlt werden könnte.
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