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Überwachung übers Internet: Die Kontrolle schwindet, wenn die Mobilisierung beginnt

Die neuen digitalen Technologien helfen autokratischen Regimes bei der Überwachung und der Zensur – bis die Mobilisierung beginnt. Eine neue Studie beweist dies erstmals – indem aktuelle Protestbewegungen ausgewertet wurden.

Christoph Bopp / ch media



epa02730602 A general view shows gathering in Tahir Square during an 'unity rally' in Cairo, Egypt, 13 May 2011. According to media sources, about thousands of Egyptians gathered in central Cairo's on 13 May to take part in a Unity Rally, following clashes between Muslims and Christian that left 13 people dead earlier this week,  major political groups have called on Egyptians to participate in a million-strong rally in a show of unity and solidarity, and have demanded the prosecution of those instigating religious violence. The violence between ultraconservative Muslim Salafists, Coptic Christians and others first erupted when Islamists marched to a church in Imbaba, where they believed that a young woman was being held hostage, possibly in an effort to get her to revoke a conversion to Islam. The military council blamed remnants of Mubarak's regime for inciting the unrest in a bid to cause chaos in the country.  EPA/KHALED ELFIQI

Via Internet wurden tausende Ägypter mobilisiert: Protest gegen Hosni Mubarak auf dem Tahir Square im Februar 2011. Bild: EPA

Ist das Internet ein Segen oder eine Plage? Verbindet es Menschen und versorgt sie mit Wissen, an das sie sonst nicht herankommen würden, oder ist es eine wohlfeile Möglichkeit, andere mit Hass einzudecken und sich selbst in einer Filterblase zu verstecken?

Mittlerweile wissen wir, dass es für die Gesellschaft natürlich beides ist. Wobei wir die negativen Seiten dieser technologischen Entwicklung jetzt eher bejammern.

Ähnlich, wenn auch weniger drastisch, liegt der Fall in der Politik. Massenproteste, wie sie sich in letzter Zeit häufen, wären ohne die Möglichkeiten des Internet und der damit verbundenen Kommunikationskanäle nicht möglich. Das hören wir besonders seit dem sogenannten Arabischen Frühling. Andererseits liest man immer wieder, dass autoritäre Regimes, besonders China oder die Mullahs im Iran, das Internet kontrollieren und seine Nutzung einschränken, so gut sie können.

«Für die einen war das Internet ein mächtiges Befreiungswerkzeug, andere hielten es dagegen für eine Unterdrückungstechnologie.»

Unterdrückungstechnologie oder Befreiungswerkzeug?

Professor Nils Weidmann vom Exzellenzcluster «The Politics of Inequality» der Universität Konstanz und der Nachwuchsforscher Dr. Espen Geelmuyden Rød von der Universität Uppsala wollten der Sache auf den Grund gehen: «Bis vor wenigen Jahren gab es zwei Lager in der Wissenschaft: Für die einen war das Internet ein mächtiges Befreiungswerkzeug, andere hielten es dagegen für eine Unterdrückungstechnologie. Über diese zu einfache Unterscheidung wollten wir hinausgehen.» Ihre Maxime: Genauer hinschauen.

«Insgesamt kann man sagen, dass die Einführung und Ausbreitung von digitalen Technologien für autokratische Gesellschaften ein zweischneidiges Schwert ist»

Um präziser zu sehen, wie Internetdichte und Protest zusammenhängen, muss man auf die lokale Ebene der tatsächlichen Ereignisse heruntergehen. Wie beeinflusst die Internetanbindung die Häufigkeit und die Dauer von Protesten? Wie reagieren autokratische Regimes auf die Proteste? Und wie wirkt sich das auf die politischen Bewegungen dahinter aus? In den letzten fünf Jahren bauten die beiden Forscher eine Datenbank auf, die der Wissenschaft zur freien Verfügung steht («Mass Mobilization in Autocracies»).

Die Ergebnisse haben sie in einem Buch zusammengefasst, das im Verlag Oxford University Press erscheinen wird. Dass das Internet autokratische Regimes bei der Unterdrückung sozialer Bewegungen unterstützen kann und dass es aber auch Massen-Protestbewegungen auslösen kann, daran konnten die Ergebnisse nichts ändern.

ZUM 5. JAHRESTAG DES AUSBRUCHS DES ARABISCHEN FRÜHLINGS IM DEZEMBER 2015 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Moammar Gadhafi's portrait is seen behind the window as people from several African countries are reflected gathering at Gadhafi's Bab al-Aziziya compound, a regular target of Nato air strikes, in Tripoli, Libya, on Monday, May 30, 2011. (KEYSTONE/AP/Ivan Sekretarev)

Muammar Gaddafi fiel dem arabischen Frühling zum Opfer. Bild: AP

Glücklich, wer das Internet für sich zu nutzen weiss

«Insgesamt kann man sagen, dass die Einführung und Ausbreitung von digitalen Technologien für autokratische Gesellschaften ein zweischneidiges Schwert ist», fasst Weidmann seine und Røds Ergebnisse zusammen. «Das Internet wird in vielen Autokratien eindeutig als Repressionswerkzeug eingesetzt. Es kann unter passenden Umständen aber auch zum Befreiungswerkzeug werden.»

Autokratische Regimes befinden sich in einer komfortablen Situation, wenn sie den Auf- und Ausbau der Technologie kontrollieren können. Das gibt ihnen neue Mittel für Überwachung und Zensur. Eine höhere Internetdurchdringung kann das Auftreten von Protesten langfristig reduzieren. Wenn die Protestbewegungen aber die Repressionsmassnahmen einmal unterlaufen haben, gewinnen sie schneller an Fahrt und verbreiten sich weiter.

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Klaus07 22.10.2019 17:54
    Highlight Highlight Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, ob das Internet positiv oder negativ für Autokraten ist, sollte man sich überlegen, wie man verhindern kann, dass sich immer und immer wieder Autokraten installieren können.
  • Peter Mü 22.10.2019 16:40
    Highlight Highlight Propaganda kommt nicht nur von Moskau, Theran oder Peking. Die fieseste Propagande kommt aus unserem geliebten Sonnenland USA und seinen Unterplaneten aus der EU. Man sehe sich nur zum Beispiel Wikipedia an. Wieviel da ohne irgendwelche Grundlagen oder Beweise politische "Wahrheiten" verbreitet werden. Wenn man diese korrigiert mit Beweisen, werden diese einfach wieder durch USA-Trolle gelöscht.
    • Jo Blocher 23.10.2019 06:35
      Highlight Highlight ......womit wir wieder mal beim Thema Fake News wären, gell, Mü!?
  • Liselote Meier 22.10.2019 11:47
    Highlight Highlight "Massenproteste, wie sie sich in letzter Zeit häufen, wären ohne die Möglichkeiten des Internet und der damit verbundenen Kommunikationskanäle nicht möglich"

    Das ist Kompletter Unfug, ist genau das selbe wie Flugblätter und Bücher, denn auch da gibt es diese Janusköpfigkeit. Kann als Unterdrückungswerkzeug fungieren (Bibel, Koran) oder als Befreiungsinstrument.

    Ne andere Form (Internet) macht noch lange keinen neuen Inhalt.

  • Clife 22.10.2019 08:43
    Highlight Highlight Wieso werden Proteste als Beispiel genommen? Da wär ich ja eher auf Korruption bei Unternehmern eingegangen. Beispielsweise, wieviel Korruption übers Internet stattfindet. So verschreckt man die Bevölkerung
  • Ohniznachtisbett 22.10.2019 08:21
    Highlight Highlight "Massenproteste, wie sie sich in letzter Zeit häufen, wären ohne die Möglichkeiten des Internet und der damit verbundenen Kommunikationskanäle nicht möglich." Ja ne, is klar. Russland 1917, Deutschland 1918, DDR 1953, Ungarn 1956, Prager Frühling 1968, die Proteste in China die im Tiananmenmassaker endeten, DDR 1989. Alles Massenproteste in autoritären Regimen. Was hätten die nur ohne Internetz gemacht.
  • Dirk Leinher 22.10.2019 06:46
    Highlight Highlight Massenproteste gab es früher auch ohne Internet Sie lassen sich heute aber viel einfacher durch reine PR Werkzeuge in die Welt setzen. Beispiel aus jüngster Zeit ist die perfekt inszenierte PR Kampagne um Greta T. Wobei da natürlich von Anfang an auch die Medien Unterstützung boten, was bei einer wirklichen Graswurzelbewegung eigentlich nicht der Fall ist
    • Antinatalist 22.10.2019 06:57
      Highlight Highlight Käse zum Frühstück? Dann lieber welchen mit AOP-Siegel, als den hier.
    • *sharky* 22.10.2019 07:54
      Highlight Highlight Da hat jemand noch den Wahl-Blues...
      Man munkelt zudem, diese sei eine äusserst hartnäckige Variante, sehr nachhaltig und sogar erneuerbar...
      Die 4-jährige Periode ist zudem nur ein unwahres Gerücht. In diesem Sinne auf eine seeehr lange Phase einstellen oder die grüne Tablette nehmen. Muss nicht einmal bitter schmecken. :)
    • Ikarus 22.10.2019 08:35
      Highlight Highlight unrecht hat er aber nicht. Greta ist nur eine marionette die hinhalten darf/muss. Gibt diverse aufzeichnungen von ihr wo man das schön merkt, was sie sagt ist aufgeschrieben und sobalds etwas differenzierter wird blockt sie ab, da sie eben nicht so allwissend sein kann, wie sie gerne von den medien hingestellt wird.

      Ich mag wofür sie steht, zu denken das dass alles von ihr kommt ist aber naiv

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