Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Ein Teamfoto vor dem alten Büro in Palo Alto vor dem Umzug nach Mountain View.  bild: google

Wie Google vom «Tu nichts Böses» zum «Tu fast alles für mehr Geld»-Konzern mutierte

Google wird heute 20 Jahre alt. Von seinem Slogan «Don’t be evil» («Sei nicht böse») hat sich das Unternehmen diesen Frühling stillschweigend verabschiedet. Wird Google nun böse?

Raffael Schuppisser



Vor genau zwanzig Jahren registrierten die beiden Informatiker Larry Page und Sergey Brin das Unternehmen Google. Sie hatten ein Ziel: Alles Wissen der Welt erschliessen.

Bild

Googles erste grosse Pressekonferenz fand am 7. Juni 1999 statt. Die Gründer erklärten den Journalisten Googles Vision.

Gute Absichten: «Don’t be evil» («Sei nicht böse»), lautete ihr Slogan. Und sie besassen das dafür nötige Startkapital: Als einer der ersten Investoren hielt der Gründer des Computerherstellers Sun Microsystems, Andreas von Bechtolsheim, dem Jungunternehmen 100'000 Dollar zu. Heute ist Google seinem Ziel ungemein nahe gekommen. Von seinem Slogan hat sich das Unternehmen stillschweigend verabschiedet. Und Sun Microsystems, das einst so stolze Unternehmen des Silicon Valley, ist längst eingegangen. Doch der Reihe nach.

Bild

Eines der ersten Google-Büros. bild: google

Schon vor Google gab es Suchmaschinen. Doch keine war, das stellte sich bald heraus, nur annähernd so gut, wie jene von Page und Brin. So wurde google.com innert weniger Jahre die meistgenutzte Internetseite der Welt – und die Firma verdiente mit dem Verkauf von personalisierten Werbeanzeigen gutes Geld. Doch damit gaben sich Page und Brin nicht zufrieden. Sie entwickelten eine Reihe anderer Dienste (Gmail, Android), übernahmen Firmen (Youtube) und sie machten sich daran, das Wissen der Offline- Welt digital zu erfassen. Dafür liessen sie (fast) alle zugänglichen Strassen mit Kameras abfahren und Millionen von Büchern einscannen.

Was, wenn Google mit unseren Daten etwas Böses tut?

Man kann die Services des Unternehmens zwar boykottieren und kommt auch so irgendwie durchs Leben, doch im Alltag der meisten Menschen ist keine andere Firma so präsent wie Google.

Und es gibt vermutlich kein anderes Unternehmen, das so viel über seine Nutzer weiss – über jeden von ihnen besitzt Google mehr Informationen, als die Stasi je hatte. Mit der Macht des Unternehmens wächst auch das Misstrauen. Was, wenn Google mit all unseren Daten – die wir freiwillig abtreten um im Gegenzug die tollen Dienste «gratis» nutzen zu dürfen – doch etwas Böses tut?

«Seit diesem Frühling kann auch der Firmen-Slogan Don’t be evil nicht mehr beruhigen.»

Denn diesen haben die Google-Chefs stillschweigend aus den Statuten gekippt. Wird Google nun böse? Das haben sich vermutlich auch die Mitarbeiter gefragt, als bekannt wurde, dass ihr Unternehmen mit Forschung zur künstlichen Intelligenz die US-Armee unterstützte, um Drohnen zu effizienteren Waffen zu machen. Nachdem über 3000 Googler in einem Brief ihre Bedenken ausdrückten, wurde das Projekt eingestellt.

Neue Werbeerlöse sind eine grosse Verlockung

Nun schlagen Google-Mitarbeiter erneut in einem Brief Alarm: Sie fürchten, dass Google eine zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt anbieten könnte. (Gerüchte zu entsprechenden Plänen kursierten zuvor in den Medien.) Eine Milliarde potenzielle neue Nutzer sind offenbar so lukrativ, dass die Google-Chefs darüber nachdenken, den Vorsatz, «alles» Wissen der Welt zugänglich zu machen, über Bord zu werfen und bloss das dem chinesischen Regime zuträgliche Wissen auffindbar zu machen.

Neue Werbeerlöse sind eine grosse Verlockung. Denn all die futuristisch anmutenden Projekte wie selbstfahrende Autos oder smarte Kontaktlinsen lassen sich nur finanzieren dank dem brummenden Geschäft mit personalisierten Anzeigen. Im letzten Quartal erzielte Alphabet – wie der Mutterkonzern von Google mittlerweile heisst – 32.6 Milliarden Umsatz, davon waren 28 Milliarden Erlöse aus dem Anzeigegeschäft. Wirtschaftlich gesehen ist Google bloss ein Werbevermarkter. Das ist die Achillesferse des Unternehmens. Klicken die Nutzer nicht mehr auf die Anzeigen – etwa weil sie diese durch sogenannte Adblocker wegfiltern –, verliert Google seine Existenzgrundlage. Davor fürchten sie sich bei Google. Und davor, die Entwicklung einer neuen Technologie zu verpassen, so wie einst Sun Microsystems den Anschluss verlor.

Statt bloss in neue Start-ups zu investieren wie damals der Sun-Microsystems-Gründer in Google, kaufen Page und Brin Jungfirmen einfach auf. Momentan scheint das gut zu funktionieren, so ist Google – auch dank dem Zukauf von Alpha-Go-Entwickler DeepMind – auf dem Feld der künstlichen Intelligenz tonangebend. Eine Garantie, dass das so bleibt, gibt es aber nicht. In den nächsten zwei Jahrzehnten könnte sich die Welt noch einmal grundlegender verändern als seit dem Start von Google bis heute. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel

Biden, Warren oder Sanders? Das Rennen der Demokraten wird zum Dreikampf

Link zum Artikel

Jack Ma tritt als Alibabas Vorsitzender offiziell zurück, aber ...

Link zum Artikel

Das sind die 50 besten Spieler in «FIFA 20» – Piemonte Calcio zweimal in den Top 15

Link zum Artikel

12 neue Serien, auf die du dich im Herbst freuen kannst

Link zum Artikel

In China sind gerade 100 Millionen Schweine gestorben – das musst du wissen

Link zum Artikel

Hat Bill Gates ein schmutziges Geheimnis?

Link zum Artikel

In Jerusalem verschwinden hunderte Katzen auf mysteriöse Weise – was ist bloss los?

Link zum Artikel

«... dann laufen sie hier 3 Tage besoffen mit geklauten Stadion-Dingen rum»

Link zum Artikel

Mit 16 der jüngste Torschütze in Barças Klub-Geschichte – 8 Fakten zu Ansu Fati

Link zum Artikel

Boris Johnson verliert wegen eines Überläufers die Mehrheit und ist jetzt in argen Nöten

Link zum Artikel

Ausschreitungen bei Demo in Zürich

Link zum Artikel

Xherdan Shaqiris Alleingang ist ein fatales Zeichen

Link zum Artikel

Auch Android und Windows von massivem Hackerangriff betroffen – was wir bislang wissen

Link zum Artikel

«Diese Wahlen widerlegen eine oft genannte These über die AfD»

Link zum Artikel

Wawrinka über Djokovic: «Dass er den Platz so verlassen muss, ist natürlich nicht schön»

Link zum Artikel

«Soll ich die offene Beziehung mit dem 10 Jahre Älteren beenden?»

Link zum Artikel

Messi darf Barça ablösefrei verlassen +++ Pa Modou wieder beim FC Zürich

Link zum Artikel

Kim Tschopp zeigt den grossen Unterschied zwischen Realität und Instagram

Link zum Artikel

Wie viel Schweizer Parteien auf Facebook ausgeben – und warum wir das wissen

Link zum Artikel

Der Roadie, der mich Backstage liebte (und mir biz Haare ausriss)

Link zum Artikel

Für Huawei kommts knüppeldick – neue Handys müssen auf Google-Apps verzichten, sagt Google

Link zum Artikel

Die Hockey-WM lehnt den «Eisenbahn-Deal» ab – und das ist schlicht lächerlich

Link zum Artikel

Netflix bringt 10 Filme in die Kinos – und die hören sich grossartig an

Link zum Artikel

Verrückt, aber wahr – Stuckis Sieg, der keiner war

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

22
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Don Alejandro 05.09.2018 13:31
    Highlight Highlight Wir haben es selbst in der Hand. Es gibt bereits Suchmaschinen die keine Daten sammeln und erheben. Über Google motzen und dennoch über diese zu suchen ist inkonsequent.
  • Unkel Wullewu 05.09.2018 08:56
    Highlight Highlight Eine doch sehr einseitige Sicht auf Google. Man kann Google durchaus auch als das grösste sozialistisches Projekt aller Zeiten sehen.
    Gründet jemand in der Dritten Welt ein Unternehmen, dann kann er quasi das ganze Unternehmen auf gratis Programme von Google aufbauen. Wissen, E-Mail, Kalender, Karten, Cloud, bis zum 3D-Zeichnungsprogramm, alles frei von Google. Man kann also ein Arichtekturbüro auf Googles gratis Basis aufbauen.
    Bezahlt von denen, die das Kapital haben, um als Werbekunde attraktiv zu sein. Google leistet einen imensen Transfer von der Ersten in die Dritte Welt.

    • Ueli der Knecht 05.09.2018 17:36
      Highlight Highlight Karl Marx würde deinen Beitrag in folgenden Worten ausdrücken (aus dem kommunistischen Manifest):

      "Die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden."
    • Eh Doch 06.09.2018 11:44
      Highlight Highlight Kommunismus war auch mal ein soziales Projekt, also so ganz am Anfang halt
  • JoeyOnewood 04.09.2018 23:22
    Highlight Highlight Don‘t be evil = tu nichts böses? naja...
  • User03 04.09.2018 20:27
    Highlight Highlight Google macht mir Angst..

    Ich wollte letzte Woche das Gate meines Fluges in Philadelphia ausfindig machen da es nirgends angezeigt wurde und googelte meine Flugnummer.

    Um sicher zu gehen, ging ich zum Informationsschalter und fragte nach.

    Ihre Antwort:"Unser System zeigt leider gerade kein Gate an doch laut Google ist es Gate ect.."

    ..und es stimmte.

    Google wusste besser bescheid als das System am Flughafen 🙈😄
    • exeswiss 04.09.2018 20:57
      Highlight Highlight naja, da müsste einem mehr das system am flughafen angst machen, als google xD
  • Toerpe Zwerg 04.09.2018 19:13
    Highlight Highlight Was genau machen Sie denn teuflisches für Geld?
    • Flexon 04.09.2018 19:53
      Highlight Highlight Toerpe, ich denke die Zugeständnisse an China sind wenn nicht gerade teuflisch doch sehr fragwürdig.
    • Flexon 04.09.2018 20:00
      Highlight Highlight Ausserdem bin ich sehr darauf gespannt, wie ein Grosskonzern effektiv mit einem echten Durchbruch in der KI-Forschung umgehen wird. So, jawoll, Menschheit! Wir haben ein mächtiges Geschenk für euch und wir wollen davon selbst gar nicht profitieren... alles nur für euch, liebe Menschen! ....mal sehen.
    • Toerpe Zwerg 04.09.2018 22:03
      Highlight Highlight Angesichts der Macht von Google scheint mir der Konzern doch eher zu den Verantwortungsvollen zu gehören.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alnothur 04.09.2018 18:37
    Highlight Highlight "Don't be evil" ist offiziell schon seit dem Börsengang nicht mehr Firmenmotto.
    • Pana 04.09.2018 23:04
      Highlight Highlight Ist auch ein ziemlich mieser Slogan. Passt eher zu ner Sadists Anonymous Vereinigung.
    • Ueli der Knecht 05.09.2018 15:08
      Highlight Highlight Google ähnelt in vielerlei Hinsicht einer religiösen Sekte.
    • Alnothur 05.09.2018 17:02
      Highlight Highlight Ueli der Knecht: à la Buch "The Circle". Und das Schlimme ist: das Buch wirkt total dystopisch - aber wenn man kurz nachdenkt, merkt man, dass das Meiste davon bereits Realität ist, oder demnächst wird.

Das Fairphone 3 ist da – und es ist das erste faire Handy, das wirklich gut ist

Die niederländische Initiative Fairphone hat die dritte Generation ihres fair produzierten Smartphones enhüllt. Der Hersteller verspricht, das Smartphone fünf Jahre lang mit Updates zu versorgen.

«Das Fairphone 3 beweist, dass Fairness und ein schonender Umgang mit Ressourcen mit Komfort und technischen Möglichkeiten vereinbar sind», sagte Firmenchefin Eva Gouwens am Dienstag in Berlin.

Fairphone hat sich vorgenommen, möglichst viele Bauteile seiner Smartphones nachhaltig und unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen. Das betrifft zum einen die Fertigung des Smartphones. Weiterhin versucht das Unternehmen, die Rohstoffe für das Smartphone aus «fairen» Quellen zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel