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Schweiz spielt Atomkrieg

«Wir wollten zeigen, was passiert, wenn sich unser Planet im Atomkrieg befindet» 

Die Zürcher Entwickler von Blindflug Studios versuchen mit dem Game «First Strike», Strategie und schnelle Action auf dem Tablet zu vereinen.  

Schweizer spielen Atomkrieg. Steckt dahinter der geheime Wunsch nach Atomwaffen für die Schweiz
Jeremy Spillmann, Co-Geschäftsführer und Game-Designer
: (lacht) Nein, nein. Wir wollten einfach ein Strategiespiel von globalem Ausmass für das iPad programmieren. Durch die Ansiedlung in der heutigen Zeit landet man unweigerlich im nuklearen Krieg. Weitere Faktoren waren, dass es in unserem Studio sehr viele politisch interessierte Leute gibt und das Thema Atomkrieg etwas in Vergessenheit geraten ist. Gerade mit der Situation in der Ukraine ist das Thema aber wieder einen Schritt näher gerückt. Auch reicht das weltweite nukleare Arsenal immer noch für die zigfache Zerstörung der Erde aus. Das Spiel sollte aber trotz aller Ernsthaftigkeit Spass machen und witzig sein. Spiele eignen sich hervorragend, um auf unterhaltsame Weise ernste Themen anzusprechen ohne den Mahnfinger zu heben.

Das Blindflug-Team

First Strike

V.l. Boris Périsset (Art Consultant), Urs Breton (Programming), Moritz Zumbühl (Executive Producer), Jeremy Spillmann (Game Designer), Moritz Gerber (Producer & Promotion) und Diego Borellini (Lead Artist). Bild: Zvg

Worum geht's in «First Strike»?

Im Spiel entscheidet man sich als erstes für eine von drei Nationen. Durch zweimaliges Beenden mit einem Land, schaltet man neue Nationen frei. Danach geht es darum, Nachbarländer zu annektieren, zu forschen und Atomraketen um die Welt zu schicken. Mehr Länder bedeuten mehr Produktionsstätten und mehr Produktionsstätten bedeuten mehr Raketen, die abgefeuert werden können. Wer alle Gegner ausgeschaltet hat, «gewinnt», wie das Spiel mit einem Fragezeichen feststellt.

An wen richtet sich das Spiel? 
Unser Ziel war es, ein Strategiespiel für das iPad zu kreieren. Strategiespiele sind aber normalerweise sehr sehr Zeit intensiv und iPads sind eher für die kurze Nutzung gedacht. Also entwickelten wir ein anspruchsvolles und gleichzeitig schnelles actionreiches Spiel, das perfekt auf den iPad-User zugeschnitten ist.

Hat der Film «WarGames» als Inspirationsquelle hergehalten? 
Sehr sogar. Besonders die Szene am Schluss, wo der Computer alle möglichen Variationen berechnet und zu keiner Lösung kommt. Diese Überlegungen soll der Spieler machen. Auch «Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben» hat uns inspiriert. Man hat unser Spiel auch schon «Defcon 3D» genannt. Der grösste Unterschied ist sicherlich die Grafik. Wir wollten die Erde hübsch darstellen. Wir wollten zeigen, was passiert, wenn sich unser Planet im Atomkrieg befindet und dachten, es gäbe ein starkes Bild ab, wenn man die Erde aus dem Weltraum darstellt.

Wie programmiert man die künstliche Intelligenz (KI) für die USA, Nord Korea und Co.? 
Das war sehr schwierig. Es war eine der grössten «Büezen» überhaupt. Die KI muss ständig das aktuelle Geschehen ausrechnen und entscheiden, ob sie expandieren, forschen oder angreifen soll. Am Anfang gibt sie sich etwas zaghaft aber im Verlauf des Spiels wird sie immer aggressiver.

Animiertes GIF GIF abspielen

Die endgültige Zerstörung ist bombastisch inszeniert. GIF: Firststrike

Was habt ihr für Recherche betrieben?
Wir haben nachgeforscht, welche Nation wie stark ist. Wer hat noch Atomwaffen und wer hat bereits abgerüstet. Dabei mussten wir natürlich etwas improvisieren. Nähme man das richtige Gefälle zwischen Ländern wie der USA und Indien, wäre es kein unterhaltsames Spiel mehr. Nordkorea erhält deshalb auch den Schwierigkeitsgrad unmöglich, denn in Echt hätte es wohl keine Chance.

«Das Spiel kann sich nicht damit brüsten, die Realität abzubilden.»

Wie habt ihr die Stärke der Atom-Mächte bestimmt? 
Wir haben uns an den offiziellen verfügbaren Daten orientiert, liessen uns aber auch genug kreativen Spielraum. So waren wir bei Brasillien beispielsweise nicht ganz sicher, ob sie mal ein Atomprogramm hatten oder nicht. Da aber Südamerika sonst völlig leer gewesen wäre und es jemanden brauchte, um die Amis von Anfang an unter Druck zu setzen, beförderten wir Brasilien kurzerhand zur Atommacht. Das Spiel kann sich nicht damit brüsten, die Realität abzubilden.

First Strike

Im Spiel muss man auch die Forschung vorantreiben. Grössere Reichweite, schnellere Produktion und Frühwarnsystem sorgen für die atomare Vormachtsstellung. Bild: Firststrike

«Die Schweiz ist einfach viel zu klein.»

Wieso habt ihr nicht auch gleich die Schweiz mit reingenommen?
Die Schweiz ist einfach viel zu klein, so dass man sie kaum selektieren kann, ohne die Zoomstufe ins Unendliche zu schrauben. Ich hätte auch gerne die Antarktis als geheime zwölfte Atommacht eingebaut. Da schaut kaum jemand hin.

Wieso erscheint das Spiel nicht für Smartphones? 
Theoretisch würde es funktionieren, aber die Steuerung macht keinen Spass. Man hat einfach zu wenig Platz auf den kleinen Bildschirmen. Es wäre kein Spielvergnügen und wir könnten nicht dahinter stehen.

Habt ihr schon ein neues Projekt in der Planung? 
Das hängt vom Erfolg von «First Strike» ab. Wir haben immer einen Plan, was wir machen, wenn ein Spiel ein Erfolg wird. Wenn alles klappt, wollen wir unbedingt einen Multiplayer-Modus nachreichen. Weitere Features könnte man per Crowdfunding finanzieren. Daneben gibt es auch schon einen neuen Titel, den wir am planen sind. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Video: Firststrike

«First Strike» ist ab dem 12. März für das iPad und Android-Tablets erhältlich.



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