«Soziales Experiment»: Nvidia stellt neues KI-Modell vor – und verstört Gaming-Fans
Für Nvidia-CEO Jensen Huang läuft es eigentlich sehr gut. Der Umsatz explodierte 2025 mit 130,5 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 60,92 Milliarden US-Dollar. Treiber sind vor allem die begehrten KI-Chips. Huang sieht darin deutlich mehr Potenzial. Eine Billion US-Dollar Umsatz peilt er mittlerweile an.
Dabei helfen sollen natürlich auch frische Innovationen. So stellte er kürzlich bei der GTC-Konferenz eine «Neuerfindung der Spielegrafik» vor. DLSS 5 (Deep Learning Super Sampling) nennt er sie.
Im Grunde ist es ein KI-Modell, das aus Farben und Bewegungsvektoren eine fotorealistische Optik erzeugt. Gesichter werden so lebensnäher, Umgebungen dynamischer.
Klingt erstmal vielversprechend. Doch eine Präsentation sorgt nun für Spott und Kritik.
KI-Filter für Videospielgesichter
In einem Video zeigt Nvidia, wie Spiele, darunter «Resident Evil Requiem» und «Hogwarts Legacy», nach einer Überarbeitung aussehen. Die Gesichter halten das Versprechen, bekommen mehr Konturen, sehen echter aus. Licht, Haut, Stoff, Haar, alles ist etwas lebensechter. Die Berechnung läuft dabei in Echtzeit.
Nur: Die Bilder legen nahe, dass das Ganze jenen ausproduzierten KI-Clips ähnelt, die sich massenweise im Netz finden und viele Zuschauerinnen und Zuschauer ins sogenannte Uncanny Valley schicken. Der Begriff beschreibt das unangenehme Gefühl, das Menschen empfinden, wenn etwas fast menschlich aussieht oder wirkt, aber nicht ganz – und deshalb irgendwie «unheimlich» erscheint.
Genau diese Darstellung in Videospielen zu finden, sorgt vor allem für negative Reaktionen.
Da wäre der Vorwurf, das Originialmaterial zu verfremden. «Haha, das ist ja eine ganz andere Person. Hoffentlich zieht NVIDIA das Ding zurück und sperrt es für immer in einen Tresor, damit es nie wieder ans Licht kommt», schreibt ein Reddit-User etwa zu einem der überarbeiteten Charaktere.
«Das muss ein missglücktes soziales Experiment sein. Ich weigere mich zu glauben, dass das die Zukunft von DLSS ist», meint ein weiterer. Ein Problem ist auch, dass die Charaktere eben nicht ein kleines KI-Makeover bekommen, sondern stark an schräge Schönheitsfantasien angepasst werden.
«Hab ihr die Lippen aufspritzen lassen?» Eine der Hauptfiguren aus dem neuen «Resident Evil», Grace, hat im Vergleich tatsächlich vollere Lippen und Augen, die verdächtig an Zalando-Models erinnern.
Die Userinnen und User sind sich einig: Das neue Tool funktioniert nicht. «Nein. Ich hasse das so verdammt sehr», ist ein weiterer Kommentar. Und noch einer: «Ich bin absolut für bessere Lichteffekte. Aber bitte, verwendet keinen Instagram-Filter für meine Spiele.» Und noch ein Spruch:
Seltene Einigkeit in der Gamingwelt
Die meisten hoffen auf einen verfrühten Aprilscherz. Immerhin ist die sonst so diskussionsfreudige Gaming-Community sich in diesem Fall überraschend einig. Nvidia verspricht Entwicklerinnen und Entwicklern zumindest etwas Gestaltungsfreiheit, was die DLSS-Nutzung angeht. Das könnte dann zum Beispiel lediglich die Lichteffekte betreffen, nicht aber die Gesichtsanimationen. Wie genau die Freiheit ausfällt, ist aber noch offen.
Hinsichtlich Performance bleiben ebenfalls noch offene Fragen. Für die Demo nutzt Nvidia gleich zwei RTX-5090-Grafikkarten, die Firmenflaggschiffe. Eine davon kostet mehr als 3000 Euro. DLSS könnte also erstmal den besser Betuchten vorbehalten bleiben.
