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Kratos ist auch mit Bart immer noch ziemlich sauer. bild: zvg

Review

Der grosse Test verrät, warum das neue «God of War» das fast perfekte Game ist

Der berühmteste Wutbürger der Videospielgeschichte ist wieder da. Er hat immer noch schlechte Laune und neuerdings einen Sohn. «God of War» hat sich von den Vorgängern weit entfernt, den Geist der Serie aber beibehalten. Den Göttern sei Dank.



2005 erschien auf der Playstation 2 das erste «God of War»-Spiel. Es folgten Fortsetzungen, die versuchten, den jeweiligen Vorgänger in Sachen Inszenierung und Bombastmomenten zu übertrumpfen. Das ging so lange gut, bis die Marke total ausgelutscht war und die Masse der Spielerinnen und Spieler einfach nicht mehr so richtig Lust auf den Kriegsgott Kratos hatte.

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Kratos hat sich ins Exil zurückgezogen. bild: zvg

2013 wurde der Wüterich ins Exil geschickt. Doch es war von Anfang an klar, dass man das Muskelpaket wieder hervorholen würde. Also ging man über die Bücher und versuchte der Erfolgsfranchise neues Leben einzuhauchen und dabei den Geist der Serie beizubehalten. Ein schwieriges und sehr mutiges Unterfangen. Doch die Macher haben es geschafft und dabei (fast) alles richtig gemacht.

Jetzt mit Bart

Kratos hat wiedermal schlechte Laune. Nicht weil er von irgendwelchen Göttern dumm von der Seite angequatscht wird (noch nicht), sondern weil seine Frau gestorben ist. Kratos ist sauer, wütend und einfach nur traurig. Wer hätte das gedacht? Hinter der harten Schale scheint wirklich auch ein weicher Kern zu stecken. Doch der Hüne hat keine Zeit für Gefühle, denn er muss sich um seinen Sohn kümmern. Der kleine Atreus ist ebenfalls traurig und verwirrt, dass seine Mami jetzt weg ist. Im Gegensatz zu seinem Vater lässt der Kleine seinen Gefühlen aber freien Lauf. Das passt dem Bartträger überhaupt nicht. Was macht man da? Genau, man geht erstmal auf die Jagd, um einem anderen Lebewesen das Licht des Lebens zu nehmen.

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Der Story-Trailer zum Drama im Norden. Video: YouTube/PlayStation

Schon die ersten Spielminuten demonstrieren, dass hier so einiges anders ablaufen wird, als man es sich von den Vorgängern gewohnt ist. Fast schon bekommt man Zweifel, ob es sich hier wirklich noch um einen «God of War»-Ableger handelt. So viele gefühlvolle Inhalte kennt man von der Franchise nicht. Doch wenn dann der Kratos zum ersten Mal seine Axt herausholt und damit das tut, was wir von ihm erwarten, darf man sich wieder zurücklehnen und beruhigen. Alles ist irgendwie dann doch beim Alten geblieben.

Vom Süden in den Norden

Um was geht es eigentlich? Der griechischen Mythologie wurde der Rücken gekehrt. Weg von den warmen, sonnigen Umgebungen, hinauf in den kalten Norden, wo die nordische Mythologie zuhause ist. Nach «God of War 3» hat sich der Spartaner zurückgezogen. Viele Götter des Olymp und seinen Vater Zeus hat er auf dem Gewissen. Klar, dass der Typ mal einen Tapetenwechsel benötigt.

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Natürlich gibt es auch im Norden viele Mysterien. bild: zvg

Die Götter im Norden wissen natürlich von ihrem heimlichen Besucher. Durch einen Zauber wurde der Bartträger bis jetzt aber in Ruhe gelassen. Da seine Frau nun das Zeitliche gesegnet hat, ist auch der Zauberschutz irgendwie verschwunden und die Götter im Norden wollen den Gott aus dem Süden weghaben. Dieser hat eigentlich nur einen Wunsch: Er möchte die Asche seiner toten Frau auf einen hohen Berg bringen. Da er seinen schwachen und kränklichen Sohn nicht alleine zurücklassen will, nimmt er ihn mit auf diese Reise. Je mehr er in fremdes Territorium dringt, desto wütender wird die Gegenseite. Und im Dickicht lauert ein Antagonist, der heiss auf eine Konfrontation ist.

Keine Nervensäge

Erzählst du mir eine Geschichte? Warum hat dieses Tier ein solches Fell? Woher weisst du das? Wer im regelmässigen Kontakt mit Menschenkindern ist, weiss, dass sie viel Aufmerksamkeit brauchen. Sie haben viele Fragen, versuchen die Welt und ihre Umgebung zu verstehen und sind auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen. So auch Atreus. Auch wenn der kleine Junge ständig sehr viele Fragen stellt; diese nerven überhaupt nicht, sondern zeigen eine Vater-Sohn-Beziehung auf, die anfangs noch so ihre zwischenmenschlichen Probleme besitzt.

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Atreus gibt Kratos Schützenhilfe. bild: zvg

Atreus ist aber keine Nervensäge, auf die man die ganze Zeit aufpassen muss. Im Gegenteil. Auch wenn das Kind den Beschützerinstinkt weckt, handelt er selbstständig, gibt Hinweise und übersetzt alte Schriften bei den Rätseln, weil der Papi das nicht kann. Auch im Kampf ist er ein nützlicher Begleiter. Auf Knopfdruck gibt man ihm den Befehl zum Beispiel Pfeile zu verschiessen, um die Gegner abzulenken. Eine mehr als nützliche Möglichkeit, um gegen harte Gegner überhaupt eine Chance zu haben.

Wie aus einem Guss

Das neue «God of War» hat sich vom reinen Gemetzel verabschiedet und viele neue Gameplay-Elemente dazubekommen. Durch die neue Third-Person-Perspektive schaut der Spieler, die Spielerin dem Kriegsgott über die Schultern. Somit ist man am Geschehen viel näher dran als bei den Vorgängern. Dadurch verliert man zwar vor allem in den hitzigen Kämpfen manchmal die Übersicht, aber es fördert die intensive cineastische Erzählweise. Überhaupt kommt die Erzählperspektive wie aus einem Guss daher. Das bedeutet, dass es zwischen den aktiven Spielteilen und den passiven Zwischensequenzen kaum einen merklichen Übergang gibt. Die Kamera begleitet die beiden vom Anfang bis zum Schluss, ohne dass es einen Cut gibt. Das ist der nackte Wahnsinn!

Intensiv, brachial, blutig

Um sich gegen die vielen Monster, Götter und sonstigen Widersacher zu behaupten, muss Kratos auch ein bisschen an seinen äusseren Werten arbeiten. Das bedeutet, er kann seine gesammelten Erfahrungspunkte (man darf auch wieder Truhen öffnen) in die Verbesserung seiner Fähigkeiten stecken oder seine Waffen verstärken oder auch Rüstungen kaufen, um sich für den nächsten harten Kampf zu wappnen. Dasselbe gilt auch für seinen Sohnemann, den man ebenfalls verbessern und aufleveln darf.

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Kratos kann immer noch ordentlich zuschlagen. bild: zvg

Apropos Kampf: Diese sind intensiv, brachial und blutig, dass es eine wahre Freude ist. Die Bossgegner bodigt man mit einer Prise Taktik und Haudrauf-Exzessen mittels Axt, Schild, Fäusten und noch anderen Überraschungen. In Sachen epischer Inszenierung können diese jedoch den Vorgängern nicht das Wasser reichen. Es gibt zwar auch wieder turmhohe Monster, aber sie sind nicht so wuchtig und bleiben nicht so in Erinnerung, wie man das aus den Vorgängern her kennt. Ist aber nicht so schlimm. Wenn Kratos mit seinen blossen Händen grosse Gegner regelrecht auseinander nimmt, freut sich das Fanherz.

Eine Axt, um sie zu knechten

Eines der originellsten Gameplay-Elemente seit längerer Zeit ist die wuchtige Axt von Kratos. Eine Axt ist an und für sich nichts Spezielles, doch Kratos kann diese auf Gegner werfen. Der Clou: Auf Knopfdruck kommt diese dann wieder zurück und durchbohrt auf dem Rückweg gleich noch weitere Unholde. Thor lässt grüssen. Dadurch ergeben sich verschiedene Angriffsvariationen. Nahkampf, Ausweichen, Werfen. Ein Mordsgaudi. Zudem kommt die fliegende Axt in den Rätseln intensiv zum Einsatz. Die verschiedenen Fähigkeiten des Wurfgegenstandes werden dabei rege genutzt, so dass es immer wieder zu neuen Einsatzmöglichkeiten kommt.

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Auch im neuen «God of War» rollen Köpfe. bild: zvg

Und die äusseren Werte?

Das neue «God of War» ist eine Grafikbombe. Egal ob interaktiver Part oder Zwischensequenzen, die sowieso nahtlos ineinander überlaufen, das Ding ist eine optische Wucht. Die Charaktere strahlen aus jeder einzelnen Pore Leben aus und auch nach stundenlanger Beobachtung entdeckt man immer noch weitere Details an den Figuren. Die Welten, die man bereist, sind von unterschiedlicher Thematik und jeder einzelne Abschnitt besitzt diese Einzigartigkeit. Abwechslung wird sehr gross geschrieben und man kann sich an der opulenten Flora und Fauna kaum satt sehen.

Tadellose Inszenierung

Fazit: Also, ein perfektes Spiel? Fast. Die Inszenierung ist tadellos, der Soundtrack episch, wuchtig und die Vermischung von interaktivem Part und Zwischensequenzen etwas vom Besten, das man in den letzten Jahren bestaunen durfte. Die erzählte Geschichte ist spannend bis zum Schluss, besitzt einige sehr überraschende Wendungen und die Vater-Sohn-Beziehung geht ans Herz und bekommt genügend Raum, um sich zu entwickeln.

Neulinge brauchen jedoch etwas Geduld, bis die Hintergründe der Saga erklärt werden. Bis dahin wird man ins kalte Wasser geworfen. Die kleinen Rollenspiel-Elemente wirken nicht aufgesetzt, können jedoch auf den einen oder anderen abschreckend wirken. Das Spiel ist die meiste Zeit sehr linear, hat jedoch auch seine kleinen Openworld-Aussetzer, die einem aus dem Actionsog herauszerren können, wenn man sich in einem grösseren Areal erstmal orientieren und Rätsel lösen muss.

In erster Linie ist «God of War» aber ein brachiales Action-Adventure mit Tiefe, das auch nach der obligaten Spielzeit von etwa 20 Stunden noch an Reiz besitzt. Denn nach der Story gibt es in der nordischen Götterwelt noch einiges zu tun.

«God of War» ist ab Freitag, 20. April, exklusiv für Playstation 4 erhältlich. Freigegeben ab 18 Jahren.

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