Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUR VERSCHAERFUNG DER VORSCHRIFTEN FUER DRONEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Ein Mitarbeiter der Firma Flyinghigh laesst eine Drohne, ein Quadcopter, der eine Kompaktkamera tragen kann, fliegen, am 21. Mai 2014 in Volketswil. Nach den juengsten Vorfaellen mit Drohnen will der Bund die Vorschriften für die Mini-Flugkoerper verschaerfen. Wer kuenftig eine Drohne bei oeffentlichen Anlaessen nutzen moechte, braucht eine Bewilligung. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) macht Sicherheitsbedenken geltend. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Brenzlige Situationen in luftiger Höhe: Drohnen werden weder vom Boden- noch vom Flugzeugradar erkannt. Bild: KEYSTONE

«Böse» Drohnen: Die neue Gefahr für Flugzeuge und wie wir damit umgehen

Immer häufiger kommt es im Luftverkehr zu Zwischenfällen oder Fast-Kollisionen mit ferngesteuerten Flugobjekten. Wie gross schätzen Fachleute die Bedrohung durch Quadcopter und Co. ein?

Stefan Schuppli / Nordwestschweiz



Beim Landeanflug auf London Heathrow kollidierte kürzlich ein Airbus A-320 von British Airways mit einem Flugobjekt. Gemäss Aussagen des Piloten war es eine Drohne.

Der Zwischenfall lief glimpflich ab, es entstand kein Schaden, die Maschine landete sicher. «Die Kollision war eine Frage der Zeit», sagte Steve Landells, Flugsicherheitsspezialist der British Airline Pilots Association.

Inzwischen sind die Untersuchungen abgeschlossen. Die Experten gehen davon aus, dass das Flugzeug damals nicht mit einer Drohne kollidierte. Trotzdem sind die ferngesteuerten Flugobjekte zunehmend eine Gefahr.

Beinahe-Zusammenstoss

Bereits im September 2015 kam es zu einer kritischen Situation in Hamburg, als die Piloten eines Embraer-Jet von Finnair eine Drohne in 30 Meter Distanz auf gleicher Höhe sichteten, schreibt der Aviatik-Journalist Andraes Spaeth in seinem kürzlich erschienenen Buch «Crash Test». Ein Ausweichen wäre kaum möglich gewesen. Drohnen sind klein und auf dem Radar nicht erkennbar.

Fachleute sind alarmiert. Von 2013 bis September 2015 zählte der Airline-Verband Iata in einer eigenen Erhebung 856 Zwischenfälle oder Fast-Kollisionen mit ferngesteuerten Flugobjekten. Die meisten davon in den USA. Die US-Zivilluftfahrtbehörde FAA sagte, dass in den USA im Winter eine Million «Freizeitdrohnen» verkauft wurden.

«Drohnenflieger sind sich oft nicht bewusst, dass sie eine Gefahr für die Fliegerei darstellen.»

Aeropers-Sprecher Thomas Steffen

Flugverbot in Flughafennähe

Drohnen fliegen nicht im rechtsfreien Raum. In der Schweiz und in Deutschland existieren bereits Regelungen. Drohnen und ferngesteuerte Flugzeuge darf man in der Schweiz nicht näher als fünf Kilometer von Flughäfen fliegen lassen, wobei Kantone ergänzende Einschränkungen erlassen können. In Reinach BL ist das Thema Drohne ein Politikum. Im revidierten Polizeireglement wird der Einsatz von «unbemannten Luft- und Modellluftfahrzeugen» stark limitiert. Im Siedlungsgebiet ist es bald nur noch möglich, über Privatgrundstücken zu fliegen.

Lernen aus Fast-Katastrophen

Der Erfolg der Zivilluftfahrt im Bereich der Sicherheit liegt bei der Analyse der bisherigen Katastrophen und Zwischenfälle. Sie sind für den Erkenntnisgewinn noch wichtiger als die eigentlichen Katastrophen. Alleine deshalb, weil die Piloten Aussagen machen können und das Flugzeug nicht zerstört ist. Autor Andreas Spaeth schildert in seinem Buch detailreich und spannend auch Unfälle und Zwischenfälle, die dank hoher Professionalität der Besatzung nicht in gigantischen Katastrophen endeten. Zum Beispiel der Flug QF32 von Quantas am 4. November 2010 mit 469 Menschen an Board. Nach dem Start erschütterte ein Knall den riesigen Kahn. Dann ein Zweiter. Eines der Triebwerke war explodiert. Trümmerteile hatten die Steuerung verletzt, ein Teil der Elektronik kam zu Schaden, der Treibstofftank hatte ein Loch. Trotzdem konnte der Pilot das Flugzeug landen. Und die Flugsicherheit war durch die Erfahrung einen Schritt weiter.

Auf schweizerischer Ebene braucht es für den Betrieb von Drohnen und Flugmodellen mit einem Gewicht von über 30 Kilogramm eine Bewilligung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL). Auch das Fliegen von Drohnen ohne direkten Augenkontakt ist nur mit einer Bewilligung des BAZL möglich. Doch schon heute sind Multikopter erhältlich, die man per Videobrille steuern kann. Das Amt legt die Bedingungen für die Zulassung und den Betrieb in jedem einzelnen Fall fest.

Crashtest von Andreas Spaeth

bild: verlag

Diese Aussichten sind wenig erfreulich. Auch beim Schweizer Pilotenverband Aeropers sind Drohnen immer mehr ein Thema. «Drohnenflieger sind sich oft nicht bewusst, dass sie eine Gefahr für die Fliegerei darstellen», sagt Aeropers-Sprecher Thomas Steffen, der beruflich A-320 fliegt. Besonders in der Startphase sind Kollisionen heikel. Gerät eine Drohne in ein Jettriebwerk, könnten Turbinenschaufeln verbogen werden. Dann sinken Luftdurchsatz und Leistung; das Triebwerk überhitzt. Im schlimmeren Fall kann sich ein Turbinenrad zerlegen, Trümmer könnten in Treibstofftanks einschlagen Noch nicht erforscht ist die Explosion einer Lithium-Batterie im Triebwerk.

Wie Buchautor Spaeth schreibt, würde die FAA in diesem Jahr beginnen, testweise Triebwerke mit Drohnen zu «beschiessen», um die Risiken eine Kollision besser abschätzen zu können. Bisher wurden solche Test nur mit toten Vögeln gemacht.

«Wirkliche Kollisionen gab es weltweit bisher zwei bis drei. Kollisionen mit Vögeln gibt es praktisch täglich.»

BAZL-Sprecher Urs Holderegger

Der Bund beschwichtigt

Wenn ein Flugzeug in einen Vogelschwarm gerät, hat das nicht nur für die Vögel fatale Konsequenzen, sondern eventuell auch für das Flugzeug. So geschehen am 15. Januar 2009, als ein US-Airways-Airbus kurz nach dem Start in einen Gänseschwarm geriet und auf dem Hudson in New York notwassern musste.

Drohnen werden weder vom heutigen Boden- noch vom Flugzeugradar erkannt. A-320-Pilot Steffen würde es deshalb begrüssen, wenn Systeme zur Erkennung von Drohnen in Flugplatznähe entwickelt würden. Weiter existiert bereits die Möglichkeit, unbemannte Flugkörper mit sogenanntem Geo-Fencing zu versehen. Die Drohne ist damit so programmiert, dass sie in der Nähe von Flughäfen via GPS-Lokalisierung blockiert wird und nicht abhebt.

Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, relativiert die Drohnengefahr. «Ein Viertel so dramatisch. Wirkliche Kollisionen gab es weltweit bisher zwei bis drei. Kollisionen mit Vögeln gibt es praktisch täglich.» Er weist darauf hin, dass das Bazl in der Schweiz vor zwei Jahren mit einer grossen Aufklärungskampagne begonnen hatte. «Vielleicht hat es genützt, vielleicht hatten wir auch einfach Glück.»

Mit Adlern gegen Drohnen

Der Zwischenfall in Heathrow hat eine Debatte über die Luftsicherheit ausgelöst. Drohnen werden zur Gefahr am Himmel, Kollisionen mit Flugzeugen häufen sich. Schärfere Sicherheitsvorschriften haben sich bislang nicht als probates Mittel erwiesen. Die Luftsicherheitsbehörden tüfteln daher an neuen Methoden zur Drohnenabwehr.

(aargauerzeitung.ch)

Drohnen, Quadcopter und Co.

Hier holt die Polizei die abgestürzte Transportdrohne aus dem Zürichsee 

Link zum Artikel

Schweizer Airports sind machtlos gegen Drohnen – nicht so das WEF

Link zum Artikel

Wenn du nicht mindestens 5 Fragen richtig hast, darfst du deine Drohne nicht starten

Link zum Artikel

Diese Drohnen machen sich klein für Flug durch enge Spalten und Löcher

Link zum Artikel

7 Gründe, warum Drohnen die womöglich hilfreichste Technologie unserer Zeit sind

Link zum Artikel

In Holland sollen Adler und andere Raubvögel Terror-Anschläge verhindern

Link zum Artikel

Krieg der Drohnen: Disney erwägt Drohnen-Abwehr am kroatischen Filmset von «Star Wars Episode VIII»

Link zum Artikel

Quadcopter an der langen Leine: Zürcher Start-up sammelt 350'000 Dollar und schafft Crowdfunding-Ziel

Link zum Artikel

Mit Drohnen auf Verbrecherjagd: Schweizer Armee leiht Polizei und Grenzwache ihre unbemannten Fluggeräte – zum Ärger der Bevölkerung

Link zum Artikel

Kommt das Päckli bald mit der Drohne? Swiss und die Post lassen im Sommer neue Transportmittel steigen

Link zum Artikel

Sie wünschen sich eine Drohne zu Weihnachten? Lesen Sie das, sonst machen Sie sich schon beim Probeflug strafbar

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Drohnen-Rennen in US-Sportstadien

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kamedron 07.05.2016 14:49
    Highlight Highlight Danke für den ausführlichen Bericht. Ich betreibe selber eine Firma die Drohnenaufnahmen anbietet. Das Grundgesetzt ist auch hier eine Portion gesunder Menschenverstand. Die Schweiz regelt das zurzeit ziemlich cool, was sich hoffentlich auch in Zukunft nicht ändern wird.
  • 7immi 06.05.2016 11:22
    Highlight Highlight ich denke, dass die entsprechenden Drohnenpiloten solche Fastzusammenstösse nicht absichtlich provozieren, sondern sich der Gefahren gar nicht bewusst sind. In der Schweiz sind die entsprechenden Daten frei verfügbar. Sperrzonen sind unter skybriefing.com -> DABS einsehbar. Die Luftfahrtkarte Schweiz mit allen Lufträumen findet man unter
    map.geo.admin.ch -> geokatalog -> wirtschaft + verkehr -> Luftfahrtkarte ICAO.
    oder einfach einen Modellflugplatz aufsuchen, die wissen auch mehr...
    somit liessen sich viele brenzlige Situationen vermeiden.
    • Fabio74 06.05.2016 14:56
      Highlight Highlight Hoffen wir, dass es keine Absicht ist, aber Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Erwarte schon, dass wer sich so ein Spielzeug kauft, sich informiert wo fliegen erlaubt ist und wo nicht
    • Flint 07.05.2016 02:28
      Highlight Highlight Für den normalen Bürger sind die ganzen Karten zu kompliziert. Um die ICAO Karte korrekt zu lesen brauchts eine Einweisung...
      Unwissen, das ist sicherlich ein Problem.
    • bröter 07.05.2016 11:35
      Highlight Highlight @7immi: Du vergisst dabei die Sichtflugpiloten. Auch diese könnten mit einer Drohne kollidieren. Drohnen sollten nicht höher als 150 m über Grund fliegen dürfen. Zudem muss die 5 km um die Flughäfen eingehalten werden.
      Ansonsten ein super Beitrag. Vielen Dank!
  • Flint 06.05.2016 11:06
    Highlight Highlight Andere Lösung: Transponderpflicht für Drohnen. Politisch und praktisch kaum umsetzbar, wäre jedoch effektiv! Damit würden die Drohnen auf dem Radar ersichtlich werden.
    • RoboBobo 06.05.2016 12:02
      Highlight Highlight Warum sollen Transponder nicht möglich sein? Alles was der Sicherheit dient, ist zu unterstützen. Ich würde eine solche Lösung, selbst für meine GPS Drohne, sofort unterstützen.
      Dies würde allerdings bedingen, dass alle Flugobjekte einen solchen besitzen und aktiv einsetzen, was noch lange nicht immer der Fall ist.
      Egal wo und wann ich meine Drohne fliegen lasse, Augen und Ohren achten permanent auch auf andere Flugobjekte. FlightRadar24 ist u.a. immer aktiv und fliegen innerhalb oder nahe einer NoFlyZone nur mit Bewilligung und direktem Kontakt zu Skyguide. Die Regeln sind einfach!

Analyse

Die SwissCovid-App hat bereits über 1,85 Millionen Downloads – doch die EU blockt

Das Bundesamt für Gesundheit gibt sich trotz stagnierender Nutzerzahlen optimistisch. Und auch von der technischen «Front» gibt es positive Neuigkeiten. Hingegen lässt die EU-Kommission die Schweiz auflaufen.

Im Nachhinein ist man immer klüger.

Das gilt speziell auch für ein neuartiges IT-Grossprojekt wie die Schweizer Corona-Warn-App, SwissCovid.

Auch Deutschland hat eine solche Tracing-App, die wie das Schweizer Pendant auf technischen Schnittstellen aufbaut, die Apple und Google in ihre mobilen Betriebssysteme iOS (iPhone) und Android implementiert haben.

Die Deutschen konnten trotz turbulenter Anfangsphase ihre App früher in die App-Stores bringen als die Schweizer. Und sie haben sich im Gegensatz …

Artikel lesen
Link zum Artikel